Erntefest in Gillrath: Mit Muskeln statt Maschinen

Von: agsb
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Die Arbeit an der Wannmühle war schweißtreibend und sehr staubig, hier wurde endgültig die Spreu vom Weizen getrennt. Foto: agsb

Gillrath. Die alten Zeiten wurden in Gillrath wieder aufgelebt: Beim Erntefest der Interessengemeinschaft historische Landmaschinen Selfkant gleich neben dem Gillrather Hof wurden auf den Feldern so geschuftet, wie es vor etlichen Jahrzenten der Fall war. Meist mit der Hand und schweißtreibend – die Maloche auf dem Getreidefeld war knochenhart.

Seit mehr als 30 Jahren ist die IG im Einsatz und möchte die alte Landwirtschaftstradition pflegen und den nachfolgenden Generationen vermitteln. Selbstverständlich waren die vielen alten Traktoren wie unter anderem der Marken Deutz, Fendt, Ferguson, Zettelmeyer oder Porsche ein Blickfang. Zur Freude aller war hier die Traktorenparade gewaltig – die Herzen der Oldtimerfreunde schlugen höher.

Für Josef Schlebusch, Alfons Krings und Anton Schultes von der IG ist der Erhalt dieser Tradition mehr als Herzenssache. Krings erklärte auf der Veranstaltung per Mikrofon, dass das Getreidefeld damals in der Bauernsprache „abgemacht“ wurde. Schultes schilderte, wie die Ernte eingefahren wurde: „Das Getreide wurde mit einem Mähbinder gleich zur Garbe gebündelt – der war schon ein Fortschritt.“

Ohne die Maschine, erzählte Schultes, mussten sonst die Frauen auf dem Bauernhof das Getreide zu Garben zusammenbinden. Josef Schlebusch, Anton Schultes und der Vorsitzende Gerd Werths demonstrierten diese Arbeit anschaulich.

Der zweite Schritt des Getreideeinfahren war dann das Flegeln, die Landwirte machten es vor: Die einzelnen Garben wurden zusammengelegt und das Getreide regelrecht von Hand verdroschen und die Körner herausgeschlagen. Anschließend wurden diese in einer sogenannten Wannmühle sehr schweißtreibend endgültig abgetrennt – ein dichter Pollenflug ist dagegen eher harmlos. Das geschlagene Stroh wurde auf einer Häckselmaschine zu Tierfutter weiterverarbeitet.

Das Mähen, dreschen, reinigen und das Stroh binden wurde in verschiedenen Arbeitsschritten eindrucksvoll vorgeführt. Schultes und Schlebusch hatten zuvor den Vorsitzenden in dieser Traditionsdarbietung mit eingebunden. Gerd Werths schlauchte nachher gewaltig, obwohl er selbst ein Kerl wie ein Baum ist. „Die alten Hasen haben mich richtig ans Arbeiten bekommen“, sagte Werths scherzend.

„Es macht Spaß! Wir alle von der Interessengemeinschaft möchten das alte Brauchtum pflegen und auch die Gerätschaften erhalten. Wir möchten auch der Jugend vermitteln wie früher auf einem Landwirtschaftsbetrieb gearbeitet wurde – ohne die heutigen modernen Maschinen. Es war früher eine knochenharte Arbeit.“

Die Weiterbearbeitung des Getreides wurde meistens auf die Wintermonaten verlegt – im Sommer war es zu heiß. „Im Winter wurde es dann in der kühlen Scheune richtig warm ums Herz“, fügte Werths grinsend an. Man könnte sagen: Beim Flegeln hat man sich damals schön warmgekloppt.

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