Erinnerungen bald mit Händen begreifbar

Von: Georg Schmitz
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Der jüdische Friedhof an der
Der jüdische Friedhof an der Heinsberger Straße in Geilenkirchen. In Verbundenheit mit der Namensgeberin hat sich die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule auch der Pflege dieses Denkmals besonders gewidmet. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Reichspogrom-Nacht nimmt die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule unter anderem zum Anlass, ein klassisches Konzert mit jüdischer Klezmermusik zu veranstalten. Zudem wird dieser Gedenktag dazu genutzt, eine weitere Gedenktafel am früheren Wohnhaus der Familie Lichtenstein anzubringen.

In Zusammenarbeit mit der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg und gefördert durch das Bundesprogramm „Toleranz fördern - Kompetenz stärken”, dem sich auch die Stadt Geilenkirchen angeschlossen hat, konnte das Ensemble „Sinfonietta Regio” für diesen außergewöhnlichen Auftritt am Freitag, 9. November, 19 Uhr, gewinnen.

Seit Bestehen der Gesamtschule gedenken die Schülerinnen und Schüler der Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung an dem Tag, als die Synagogen von den Nationalsozialisten in ganz Deutschland in Brand gesteckt wurden. Die junge Jüdin Anita Lichtenstein gab der Schule ihren Namen, und eine Gedenktafel am Elternhaus in der Geilenkirchener Martin-Heyden-Straße erinnert stets an das im Konzentrationslager ums Leben gekommene Kind.

Auch am 9. November wird dort um 11 Uhr eine weitere Tafel in Blindenschrift angebracht, deren in Braille-Text hervorgehobene Elemente inhaltlich mit der Originaltafel übereinstimmen.

Die Gesamtschule hat sich die jüdische Geschichte zum Schwerpunktthema gemacht, so hat sie auch die Patenschaft für den Gedenkfriedhof an der Heinsberger Straße übernommen. Larissa Graf, Lehrerin für Sozialwissenschaften und Erdkunde, sowie Adalbert Wolynski, Lehrer für Deutsch und Religion, konnten den 9er-Klassen in den Jahren 2011 und 2012 die von den Nazis an den Juden verrichteten Gräueltaten bei Besuchen der Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau ganz nah vor Augen führen.

Das Projekt der Studienfahrt Auschwitz-Krakau soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden, doch wurde der von der Stiftung „Erinnern - Ermöglichen” noch 2011 zur Verfügung gestellte finanzielle Rahmen in Höhe von 30.000 Euro schon in diesem Jahr um zwei Drittel zurückgenommen.

„Die fünftägige Studienfahrt 2012 fand unter erschwerten Bedingungen statt, konnte aber dank privater Spenden und Sponsoren sowie einem Eigenkapital von 90 Euro pro Schüler durchgeführt werden”, blickt der Didaktische Leiter Peter Ruske zurück.

Laura Schiffers und Johannes von Fürstenberg zählen zu den Schülern, die die Studienfahrt nach Krakau mitgemacht haben. „Die Heiterkeit während der Busfahrt wich schnell einer bedrückten Stimmung, als wir in Auschwitz ankamen”, erinnert sich der Zehntklässler. „Die in den Baracken aushängenden Bilder der abgemagerten Menschen und ein ganzer Raum voller Haare der ermordeten Juden haben mich sehr bewegt”, ergänzt Laura Schiffers. Man könne das Thema im Unterricht immer wieder durchnehmen, aber nachempfinden könne man es erst, wenn man es am Platz des ehemaligen KZ miterlebt habe.

Das Konzert mit der „Sinfonietta Regio” soll mit dazu beitragen, das Projekt Auschwitz-Krakau weiterhin umsetzen zu können. Der Eintritt zum Konzert ist frei, aber die Schule würde sich über Spenden sehr freuen, die dann der Studienfahrt 2013 zugute kommen.

„Wir haben mit der Volkshochschule und der Stadt Geilenkirchen sehr gute Mitstreiter für das Konzert gefunden”, freut sich Schulleiter Uwe Böken. Unter der Leitung von Jeremy Hulin präsentiert das aus rund 50 Musikern aus der Städteregion bestehende Sinfonieorchester Werke von Mendelssohn-Bartholdy, Prokofjew sowie Sinfonische Tänze aus dem Musical „Anatevka” („Fiddler on the Roof”). Abgerundet wird der Konzertabend durch Klezmer-Shalom, einer aus dem Judentum stammenden Volksmusik, die sich an religiösen Traditionen orientiert. Hierbei kommen primär Klarinette und Geige zum Einsatz.

Unter der Leitung von Maria Slagboom werden zudem der Schulchor der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und einige Solisten auftreten und auch gemeinsam mit dem Orchester Klezmermusik interpretieren.
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