Gangelt - Erinnerung an dunkle Zeiten: 42 Stolpersteine für Gangelt

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Erinnerung an dunkle Zeiten: 42 Stolpersteine für Gangelt

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Gangelt. Stolpersteine sollen an die Gräueltaten der Nazis erinnern und deutlich machen, welches Leid den Juden in Gangelt durch das NS-Regime angetan wurde.

Die ersten 42 Steine wurden am Dienstag in Gangelt verlegt. Die etwa 10 mal 10 Zentimeter großen Steine mit Messingplatte sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, der bald 57.000 solcher Steine in ganz Europa verlegt haben wird. 14 davon liegen nun in der Bruchstraße, Wallstraße und Heinsberger Straße, 28 weitere sollen folgen.

Die Inschriften sind genau festgelegt. Jeder Stein enthält eine Gravur mit Vor- und Familiennamen sowie den Daten der Deportation und der Ermordung der jüdischen Bürger.

Ein Stein, der in Gangelt eingesetzt wurde, unterscheidet sich jedoch ein bisschen von den anderen. Er ist Isaak Lichtenstein gewidmet und enthält neben den übrigen Angaben noch den Schriftzug „Synagogenverwalter“. Dafür hat der Initiativkreis rund um Josef Backhaus gekämpft: „Wir wollten das unbedingt da draufstehen haben“, sagt er. Deshalb haben sie eine ausführliche Begründung an das Team von Gunter Demnig geschickt. „In seinem Haus gab es einen engen Flur, durch den es in die Synagoge ging“, sagt Backhaus. Er sei Schlüsselverwalter gewesen und habe sich besonders für die Juden eingesetzt. „Das ist inhaltlich wichtig“, sagt Demnig. Deshalb habe man eine Ausnahme gemacht und die Berufsbezeichnung dazugeschrieben.

Während der Bildhauer mühsam Löcher in die Straße hämmert, um die Steine an den verschiedenen Stellen einsetzen zu können, lassen die Mitglieder des Initiativkreises die Zeit Revue passieren. „Das ist ein emotionaler Moment“, sagt Willi Thissen vom Initiativkreis, der viele Stunden in deutschen und niederländischen Archiven verbracht hat, um die Lebensgeschichten der Gangelter Juden herauszufinden. Zu einigen habe sich im Laufe der Recherche sogar eine Art „persönliches Verhältnis entwickelt“. Ebenso geht es seinem Recherchekollegen Jo Gielen, der stolz darauf ist, dass die Steine endlich in Gangelt verlegt und finanziert werden konnten. Jeder Stolperstein kostet 120 Euro. Für die Gangelter Stolpersteine werden so insgesamt 5040 Euro fällig, die über Spendengelder bezahlt werden.

Große Spendenbereitschaft

„Das war unsere größte Sorge, doch die Summe wurde sogar noch übertroffen“, sagt Josef Backhaus. Ein Spender habe gleich zu Beginn der Aktion 1000 Euro gezahlt, erklärt er und ergänzt: „Wir haben von wenigen Leuten viel Geld bekommen.“ Auch wenn sie dafür dankbar sind, werde kein Stein einem bestimmten Spender zugeordnet. Patenschaften, die anfangs in der Diskussion waren, werden nicht vergeben. Bis die nächsten Steine Anfang nächsten Jahres verlegt werden, will der Initiativkreis „Pfleger“ finden, die nach den Steinen schauen. Dazu wollen sie gezielt Schulen ansprechen.

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