Übach-Palenberg-Zweibrüggen - Erbschaft und Lehensrecht: So viele „Besitzer“ hatte Gut Zweibrüggen

Erbschaft und Lehensrecht: So viele „Besitzer“ hatte Gut Zweibrüggen

Von: Herbert Simons
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Übach-Palenberg-Zweibrüggen. Das Geschlecht von Zweibrüggen wird im 15. Jahrhundert oft erwähnt. So taucht etwa 1430/37 und 1440 eine Zweibrüggener Linie in Rurich auf. Wann und wie die Besitzname des Gutes und Schloss Rurich stattfand, ist nicht nachvollziehbar.

Jedenfalls nannten sich die Zweibrüggener Herren dann auch nach dem Ort Rurich, wie Daem von Rurich, genannt Zweibrüggen, Sohn von Dietrich von Rurich und Ehefrau Heilwig, genannt Zweibrüggen. Eine Tochter des Daem von Rurich, Sophia von Rurich, heiratete um 1517 Heinrich von Reuschenberg. So kam Gut und Schloss dann durch Erblehen in den Besitz derer von Reuschenberg.

In Zweibrüggen werden die Besitzverhältnisse dann etwas kompliziert. Es war ein stetiger Besitzerwechsel zu verzeichnen. Das Gut war bereits früh ein Lehen der Heinsberger Herren, später der Jülicher Herzöge.

Die Größe des Hofes wird 1668 wie folgt beschrieben: Ansiedel 22 Morgen, Acker 122 Morgen, Benden 4 Morgen, Busch 12 Morgen, 23 Morgen aus dem ehemaligen Machartz Lehen, 14 Morgen aus dem Wollsack Lehen, 6,5 Morgen aus dem Bersitter Lehen. Als Gesamtgröße wird 1704 199 Morgen angegeben.

Am 23.3.1462 erhält Dederich von der Hagen als Momber (Vormund, Sachwalter) seiner Ehefrau, Tochter des verstorbenen Heinrich von Zweibrüggen, vom Statthalter die beiden Güter Bersitten und Zweibrüggen als Erbmannlehen. Das heißt, die Lehensträger von Zweibrüggen waren zu dieser Zeit zugleich auch Lehensträger des Guts von Bersitten.

Eigentlich kann es sich nur um einen Anteil des Hofes Zweibrüggen gehandelt haben, denn am 5.7.1483 erhält Peter von Zweibrüggen und Ehefrau Heillich vom Statthalter das Gut Zweibrüggen als Erbe des Diederich von Zweibrüggen. Ob es sich hier um Dietrich von Rurich, genannt Zweibrüggen, und seine Ehefrau Heilwig handelt, ist jedoch unsicher. Dieser wird aber wohl noch einen Erbteil an Zweibrüggen gehabt haben. Wenig später, am 7.7.1483, hat Peter von Zweibrüggen das Gut mit 600 Gulden benachtet (verschuldet). Endgültig erbt Dietrich von der Hagen 1486 den Hof Zweibrüggen.

Am 27.12.1516 empfängt Johann von Zweibrüggen der Jüngere für sich und seine Mitbeteiligten (Familie) vom Statthalter den Hof zu Bersitten mit dem Unterlehen, wie ihn Hermann von Sterne (Stein?) vorher besessen hat. Um welches Unterlehen, (Afterlehen) es sich in Bersitten handelt, ist unklar.

Ewige Steuerbefreiung

Es existierte in Bersitten noch ein zweites Lehensgut, das Heinrichs- Lehen. Am 20.3.1522 empfängt Johann von Zweibrüggen den Hof zu Marienberg, und Claes von Mirbach , Schwiegersohn von Dietrich von der Hagen, empfängt vom Statthalter zu Geilenkirchen am 20.6. gleichen Jahres Haus und Hof zu Zweibrüggen, vorbehaltlich des Rechts und Anteil seines Bruders Arret. Hier wird zum ersten Mal neben dem Hof/Gut ein Haus erwähnt. Es ist aber unklar, ob es sich um eine Burganlage oder ein Schloss ähnliches Wohnhaus handelt.

Wo das Lehensgut von Marienberg gelegen hat, ist so nicht bekannt, möglicherweise südlich der heutigen Pfarrkirche. Noch am 2.2.1595 verpfändet der Amtmann von Geilenkirchen und Lehensstatthalter, Robert von Harff, den Eheleuten Wilhelm von Mirbach zu Zweibrüggen und Ehefrau Barbara von Holtzum seinen Hof zu Marienberg.

832 ist an der Wurm eine Wassermühle errichtet worden. Diese hat zwar den Zweiten Weltkrieg überstanden ist aber später durch eine Explosion fast vollständig vernichtet worden.

Am 10.2.1536 verkaufen Symon Scheffler zu Frelenberg als Erbkauf an Clais von Mirbach, einen Spliß (Teil) vom Machartz-Gut, gelegen zu Zweibrüggen am Pützbach, eine Seite neben Jakob von Frelenberg und die andere Seite gelegen an Mirbachs Gut.

Das Machartz-Lehen war höchst interessant, da es für alle Ewigkeit von Steuern und Abgaben von den Heinsberger Herren freigestellt war. Besitzer war wohl zu Beginn des 16. Jahrhunderts Theis von der Hagen. Er überträgt nämlich am 22.6.1534 rund elf Morgen und einige Ruten des Machartz-Lehens seinen ehelichen Kindern, die wiederum das soeben Geerbte an Claes von Mirbach durch Erbkauf übertragen. Auch die Steuerfreiheit ging damit an den Käufer über. Heinrich von der Hagen war auch im Besitz von Haus und Hof zu Zweibrüggen, das er am 25.12.1536 zu Lehen bekam.

Interessant ist auch folgende Urkunde vom 23. Juni 1508. Wilhelm von Mirbach vererbt seinen Söhnen aus erster Ehe mit Figgen von Densburg den Hof in Immendorf. Die Stiefgeschwister aus der zweite Ehe mit Kolve von Vettelhoven alle beweglichen Habe zu Zweibrüggen.

Ewige Steuerbefreiung

Am 1.11.1544 wird wiederum Peter von der Hagen als Lehnsträger von Gut Bersitten genannt. Wenig später, am 9.10.1545, erhielt Zweibrüggen mit Johann von Mirbach einen neuen Lehensträger, Nachfolger des verstorbenen Clais von Mirbach.

Zweibrüggen ist gelegen im Kirchspiel Frelenberg. „Kirspel“ war ursprünglich der Steuerbezirk der Jülicher Herren. Diese waren in der Regel mit den Pfarrbezirken identisch, die bereits viel früher bestanden. Zum Kirspel-Kirchspiel Frelenberg gehörten seit alters her die Orte Frelenberg, Zweibrüggen, Palenberg und Bersitten.

Warum die Ritter von Zweibrüggen so früh Haus und Hof aufgegeben haben, ist heute nicht ersichtlich. Eine mögliche Ursache sind Erbstreitigkeiten. Das Geschlecht existierte jedoch noch viele Jahrhunderte, wie folgende Notiz beweist.

Am 2.2.1657 stiftete Heinrich von Zweibrüggen, Mitglied der Abtei Kornelimünster, zum Seelenheil seiner am 19.4.1652 verstobenen Nichte, der Juffer Anna Maria von Zweibrüggen, ein Jahrgedächtnis. Der Statthalter von Übach, Philipp Plum, heiratete um 1620 Severina von Zweibrüggen, (1594 + 3.3.1681). Die Eltern von Philipp Plum waren Peter Plum und Engen von Mirbach, Gut Stegh. wird fortgesetzt

 

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