Entwicklungsminister Müller in Geilenkirchen: „Denn Hunger ist Mord“

Von: Udo Stuesser
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Minister Gerd Müller (links) informierte sich bei Korbmacher Gustav Dieck über sein Handwerk. Foto: Markus Bienwald
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Juniorchef Thomas Hansen, Bernd Krückel (MdL), Seniorchef Johannes Hansen, Minister Gerd Müller und Wilfried Oellers (MdB) (von links) bei der Firmenbesichtigung. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. CDU-Bundestagsabgeordneter Wilfried Oellers und Dr. Gerd Müller (CSU), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, hatten in Berlin eine anstrengende Sitzungswoche. Beim Besuch der Firma Hansen Korbwaren in Geilenkirchen nahmen sie am Freitagnachmittag deshalb in einigen Korbstühlen ganz entspannt Platz und fühlten sich in ihnen sichtlich wohl.

„Das wäre auch ein Stuhl für den Papst“, scherzte Müller. Dem Gespräch mit Korbmacher Gustav Dieck hörte auch Müllers Frau Gertie interessiert zu. Der Onkel der gebürtigen Sittarderin ist ebenfalls Korbmacher. „Er hat die Weiden noch selbst angebaut, mit seinen Körben gehe ich heute noch einkaufen“, erzählte sie.

Sicherlich lag der Abstecher nach Geilenkirchen auf dem Weg der Müllers zu Gertie Müllers Mutter Tiny Hoorens, die an diesem Wochenende ihren 85. Geburtstag feiert. Es ging aber nicht um eine Begutachtung der Korbmöbel, sondern um ganz ernste Themen vor geladenen Gästen. Es ging um Globalisierung, es ging um Entwicklungshilfe, es ging um die Schaffung einer gerechten Welt.

„Wir müssen den Menschen in den Entwicklungsländern eine Perspektive aufzeigen, so dass sie selbst in der Lage sind, ohne Hunger mit Bildung für ihren wirtschaftlichen Aufschwung zu sorgen“, sagte Wilfried Oellers. Deshalb sei der Haushalt des Entwicklungsministeriums um zwei Milliarden auf acht Milliarden Euro aufgestockt worden. Aber auch deutsche Firmen betrieben Entwicklungspolitik. „Die Firma Hansen will vor Ort helfen, dass sich diese Länder wirtschaftlich entwickeln“, sagte Oellers.

„Unser Wohlstand wird von den Menschen in den Entwicklungsländern erarbeitet“, erklärte Müller. 90 Prozent unserer Kleidung komme aus Asien: „Da wird die Jeans für fünf Euro produziert und hier für 100 Euro verkauft“, kritisierte der Minister und sagte weiter: „Frauen arbeiten dort für 15 Cent in der Stunde 15 Stunden am Tag und sechs Tage in der Woche.“

Müller forderte „eine faire Wertschöpfung, fairen Handel und existenzsichernde Löhne“. Dass dies möglich ist, machte er ebenfalls deutlich. „Würde man den Lohn dieser Frauen von 15 auf 25 Cent steigern, würde das zur Sicherung der Existenz schon reichen.“ Der Entwicklungsminister forderte, dass man den Menschen am Anfang der Wertschöpfungskette ein Einkommen garantieren müsse.

Um die Welt gerechter zu gestalten, müsse man lernen, neu zu teilen. Wichtig sei Bildung. „Ausbildung ist die Grundlage für die Entwicklung dieser Länder“, sagte er weiter. Und: „Es bedarf neuer Lösungen. Denn Hunger ist Mord.“

Was in afrikanischen Ländern nicht fehle, seien Fernseher. Und die dorthin übertragenen Bilder der Werbung forderten die jungen Menschen geradezu auf: „Komm raus aus Deiner Welt, komm zu uns!“ Müller will deshalb „keine Mauern um Europa bauen“. „Aber diese Menschen können auch nicht alle zu uns kommen. Auch wenn wir fünf Millionen Flüchtlinge aufnehmen, sind die Probleme nicht gelöst.“

Er habe einen Plan mit Chancen, Risiken und Problemen für Afrika entwickelt. „Diesen Ländern werden wir ein Angebot machen, sie sollen Partnerschaften mit deutschen Firmen aufbauen. Auch die asiatischen Länder haben sich weiterentwickelt.“

Genau das – und das war auch der Hauptgrund des Besuches – konnten Thomas Hansen, Chef der Firma Korbwaren Hansen, und Seniorchef Johannes Hansen bestätigen. Wie Thomas Hansen berichtete, ging die Firma Anfang der 80er Jahre nach Fernost und importierte von dort für den heimischen Markt neue Materialien und Produkte. Seit Jahrzehnten sei die Firma in nahezu allen asiatischen Ländern aktiv und „am Anbau von Materialien und Produktneuheiten in den Produktionen unterstützend tätig“.

Ein bis zwei Millionen Korbmacher seien im asiatischen Raum tätig, sagte Johannes Hansen. „Aber die Qualität der Arbeit war anfangs nicht gut. Das hat sich durch unsere Hilfe gebessert, auch das Design wurde unseren Vorstellungen angepasst.

So tragen wir zur Armutsbekämpfung in ländlichen Regionen des asiatischen Raumes bei.“ Asien entwickele sich immer weiter, die Lohnkosten würden steigen. Deshalb forderte er: „Jetzt müssen wir Afrika für den Weltmarkt fit machen. Wir müssen für die Logistik und für eine nachhaltige Bezahlung der Menschen vor Ort sorgen.“

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