Entspannte Radtour an der Wurm: Einblicke in die Vergangenheit

Von: Christina Kolodzey
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Station der interessierte Radl
Station der interessierte Radler auf der Kultur-Meile: die Burg Trips in Geilenkirchen, heute ein Haus für Senioren. Foto: Christina Kolodzey

Übach-Palenberg/Geilenkirchen. Um Punkt 11 Uhr waren alle gut gelaunt „mitm Radl da”: Gästeführerin Berti Davids-Heinrichs hatte zu einer Tour zu den Schlössern und Mühlen entlang der Wurm geladen. Das wollten sich bei herrlichem Sonnenschein und angenehm milden Temperaturen wollten elf interessierte Teilnehmer im Alter zwischen zwei und 75 Jahren nicht entgehen lassen.

Es war eine der seltenen Gelegenheiten, Fitness und Kultur auf angenehme Weise zu verquicken. Los gings im herrlich angelegten Garten von Schloss Zweibrüggen in Übach-Palenberg, der in voller Blüte stand. Von hier aus könne man besonders gut die vordere Fensterfront des 1788 erbauten klassizistischen Gebäudes sehen, erläuterte Berti Davids-Heinrichs.

Das Erstaunen war groß, als sie erzählte, dass viele der 122 Sprossenfenster nur aufgemalt seien. Es wird vermutet, der frühere Schlossherr habe die echten Fenster, als vor vielen Jahren die so genannte „Glassteuer” eingeführt wurde, zumauern lassen, um Steuern zu sparen. Um den Gesamteindruck dennoch nicht zu zerstören, ließ er sie täuschend echt nachmalen.

Heute freuen sich Brautpaare über das schöne Ambiente im Schloss, wenn sie sich darin trauen lassen. Auch das Künstlerforum und der Deutsche Klöppelverband fühlen sich hier „wie zu Hause”. Eigentümerin ist seit 1993 die Stadt Übach-Palenberg.

Berti Davids-Heinrichs führte ihre Gäste anschließend zur gegenüberliegenden Mühle, in der bis 1974 Korn gemahlen wurde. Heute befinden sich Wohnungen darin. Das Mühlrad lässt sich drehen und wurde besonders vom kleinsten Tour-Gast, Linda (2), begeistert bestaunt. Die Gästeführerin berichtete, dass es früher sogar 31 Wassermühlen entlang der Wurm gab, die jedoch durch die Begradigung des Gewässers nach und nach verschwanden. Die Mühlen waren von den Müllern nur geliehen, wurden also im „Lehen” bewirtschaftet.

Auf ihren Rädern machte sich die Gruppe gemächlich an der mit Bäumen und Hecken romantisch gesäumten Wurm entlang auf den Weg nach Geilenkirchen und passierte dabei die stark verfallene „Frelenberger Mühle” aus dem 15. Jahrhundert. In Geilenkirchen angekommen, erblickte die Gruppe als erstes die älteste Wurmmühle, die bereits im Jahr 1180 zum ersten Mal erwähnt wurde: die Hommersche Mühle.

Über sie wusste die geschulte Führerin zu berichten, dass es 1823 eine Erbteilung gab, bei der beide Parteien jeweils eine Mühle erhalten sollten. Durch Steinwurf wurde bestimmt, wo die zweite Mühle gebaut werden sollte, sie wurde „Eichenthaler Mühle” genannt. Diese wurde bereits nach dem Ersten Weltkrieg geschlossen, die Hommersche Mühle erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Geilenkirchener Zentrum gab es im 15. Jahrhundert die „Kornmühle”, die erst 1970 geschlossen wurde.

Das kurze Stück des Wegs bis zur „Ölmühle” konnten die Räder geschoben werden. 1380 erstmals erwähnt, wurde für sie sogar eine „kleine Wurm” gegraben, doch wegen ständiger Überschwemmungen musste der Betrieb 1953 eingestellt werden. Die ursprüngliche „Ölmühle” brannte 1790 ab und wurde danach im Couvenstil neu erbaut. Dieses Gebäude ist heute als „Haus Basten” bekannt und die „gute Stube” der Stadt Geilenkirchen, die auch Eigentümerin ist. Berti Davids-Heinrichs zeigte ihren wissbegierigen Gästen von allen Stationen großformatige alte Fotografien, so dass man sich gut in die frühere Zeit hineinversetzen konnte. Auch die bis 1958 überirdisch fließende und danach untertunnelte Wurm im Zentrum der Stadt fand sich darauf.

Wieder schwangen sich die Reisenden auf ihre Räder an der leise murmelnden Wurm entlang mit dem Ziel Schloss Trips. Von weitem konnten sie schon den breiten Burggraben mit einem Springbrunnen glitzern sehen, der das Schloss umschließt. Es war vor 600 Jahren direkt „aus dem Wasser heraus” gebaut worden und wurde lange von der Ritterfamilie Berghe zu Trips bewohnt. Nach einem starken Erdbeben im Jahre 1755 wurde die Burg zu einem Schloss umgebaut. Seit 2004 residieren in der inneren Vorburg Senioren, die auch im wunderschönen, 20.000 Quadratmeter großen Park mit großen, schattenspendenden Bäumen flanieren dürfen, der aber für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

Die letzte und kurze Etappe der zweieinhalbstündigen und acht Kilometer langen Tour bis Schloss Leerodt führte vorbei an Zuckerrüben- und Maisfeldern. Versteckt unter dichten Bäumen erhebt sich die mächtige Ruine des überdimensional konzipierten Schlosses.

Die Gästeführerin erläuterte, dass es viel zu groß gewesen sei, um es ganz bewohnen zu können und daher 1840 zur Hälfte „niedergelegt” wurde. Durch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg blieb nur noch eine Ruine übrig, die nun wie ein verwunschener, geheimnisvoller Platz anmute, aber gerne für Veranstaltungen genutzt werde.

Berti Davids-Heinrichs betont, mit welch großer Freude sie den Menschen zeige, wie schön unsere Heimat sei. Zwischenzeitlich würden schon Busse aus Köln und Düsseldorf anrollen, weil die Menschen dort auch die „Schätze” des Kreises Heinsberg entdecken möchten, der erst in jüngster Jahren touristisch richtig erschlossen worden sei. Den Interessenten, die eine Besichtigung einzelner Schlösser samt Innenführung anstreben, werden zwei Termine angeboten: Burg Trips am Sonntag, 16. September, um 11 Uhr sowie Schloss Zweibrüggen am selben Tag um 15 Uhr; Information und Anmeldung 02451/66282.
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