Engpass im Ehrenamt: Wenn die Feuerwehr im Büro feststeckt

Von: Stefan Schaum
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Jede Sekunde zählt: Im Ernstfall können sich aber immer weniger Helfer der Freiwilligen Feuerwehr im Eiltempo in die Montur werfen und sich zum Einsatzort aufmachen. Foto: Stock/Stephan Görlich
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Im Notfall lässt er alles stehen und liegen: Sogar den eigenen Trautermin hat Feuerwehrmann Detlef Mäntz (rechts) vor vielen Jahren aus Pflichtbewusstsein aufs Spiel gesetzt. Foto: Stefan Schaum

Übach-Palenberg. Die Sache mit der beinahe geplatzten Hochzeit lässt Detlef Mäntz immer noch schmunzeln. Obwohl es seine eigene Trauung war, die da fast nicht stattgefunden hätte. Zwei Stunden vor dem Jawort kam der Alarm. Er gleich raus aus dem feinen Anzug, rein in die Feuerwehrmontur und ab zur Wache. „War zum Glück nur eine Ölspur und keine weitere Gefahr, da bin ich sofort wieder abgerückt“, sagt der stellvertretende Leiter der Feuerwehr in Übach-Palenberg. So konnte die Ehe wie geplant beginnen – und das alles ist gut 20 Jahre her.

Wenn der 46-Jährige von seinem Engagement erzählt, wird aber schnell klar: Der lässt auch heute noch alles stehen und liegen, wenn er gebraucht wird. Von dieser Sorte gibt es immer weniger. Und das ist ein dickes Problem für die Feuerwehr.

Es sei nicht mal so, dass sich keine mehr finden, die helfen wollen. „Die Zahl der Freiwilligen hat sich eigentlich nicht groß geändert“, sagt Mäntz. Knapp 130 Aktive sind es derzeit in Übach-Palenberg. Doch längst nicht alle können im Ernstfall schnell genug auf der Matte stehen. Knapp neun Minuten vom Alarm bis zum Eintreffen der Feuerwehr – länger soll es nicht dauern. So flott schaffen es vor allem tagsüber viele nicht. „Einige arbeiten in Eschweiler oder Aachen – die bekommen dort nicht mal unseren Funkalarm mit“, sagt Mäntz. Und selbst wenn: Bis sie den Einsatzort erreicht hätten, wäre es viel zu spät.

Selbst wer im engeren Radius von Übach-Palenberg arbeitet, muss erstmal zur Wache kommen. „Der Verkehr auf den Straßen hat in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen. Da kommt man oft kaum durch.“ In vier Minuten über die Roermonder Straße hin zur Wache an der Friedrich-Ebert-Straße? „Das können sie nachmittags um 15 Uhr vergessen!“ Zumal die Helfer auf ihren privaten Fahrzeugen kein Blaulicht benutzen dürfen. „Früher hat es schon mal geholfen, auf die Lichthupe zu drücken“, erinnert sich Mäntz. „Aber wenn ich heute aufblinke, dann fährt der Vordermann garantiert extra langsam weiter.“

Das eigentliche Problem liegt aber nicht auf der Straße, sondern noch davor. Ursprünglich waren es in den Freiwilligen Wehren zumeist Landwirte, die sich als Helfer stark machten. Die konnten im Notfall Kuh auch mal Kuh sein lassen und sofort vom Hof flitzen. Heute gibt es Büros und Chefs, die wenig Verständnis für eine Einsatzbereitschaft außerhalb der Firma haben. Obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet sind, Mitarbeiter für den Einsatz freizustellen. „Wir versuchen dann, mit solchen Chefs zu reden“, sagt Mäntz. Mit Erfolg? „Selten.“ Wenn wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, „bekommt das Ehrenamt in den Augen mancher eher ein negatives Image“.

Bislang habe noch jeder Einsatz geleistet werden können. „Es war zwar personell auch mal knapp, aber wir haben es immer hinbekommen“. Doch wie lange das noch so gehen kann, weiß Mäntz nicht. „Eine hauptamtliche Wache wird man jedenfalls kaum finanzieren können“, sagt er. Und selbst dann braucht es Ehrenamtler, die die hauptberuflichen Kollegen unterstützen. Er hofft, darauf, dass ein Umdenken stattfindet. „Ohne Feuerwehr geht es schließlich nicht.“ Wie verheerend es wohl wäre, wenn sich das bei einem Ernstfall zeigen sollte?

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