Energischer Bürgerprotest: Spielplatz nicht vor dem Verkauf

Von: Manfred Hahn
Letzte Aktualisierung:
5122414.jpg
Mit den Anrainern des Spielplatzes nahe der Kollwitzstraße kamen der Fachausschuss (links mit Mütze Vorsitzender Josef Fröschen) und Fachleute der Stadtverwaltung Übach-Palenbergs ins Gespräch. Foto: M. Hahn

Übach-Palenberg. Der Sandkasten wirkt ein wenig überholungsbedürftig, und moderne Spielgeräte sucht man vergebens. Für die Übach-Palenberger Stadtverwaltung war das wohl ein Anlass, den Spielplatz nahe der Kollwitzstraße in Übach in Überlegungen einzubeziehen, die beim Sparen helfen sollen.

Was den hinter der Häuserzeile der Kollwitzstraße liegenden Platz mit seinem beachtlichen Baum­bestand angeht, waren die Anwohner jedoch erheblich anderer Ansicht. So geriet am Mittwoch die Ortsbesichtigung des neugebildeten Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Sicherheit mit seinem Vorsitzenden Josef Fröschen zu einer Bürgerprotestveranstaltung.

„Wehret den Anfängen“, mögen sich die Anwohner gedacht haben. Jedenfalls nutzte eine ansehnliche Anzahl derer den Besuch des Gremiums, um Unmut und Angst vor einer aus ihrer Sicht drohenden Bebauung des Platzes zu äußern.

Achim Engels vom Fachbereich Stadtentwicklung hatte es vor der Kulisse schwer, die Sicht der Verwaltung den Anwohnern klar zu machen. Durch den mittlerweile hohen Baumbestand sei eine Sicht auf den Platz und damit die soziale Kontrolle kaum möglich, sagte Achim Engels. Der Stadt fehle das Geld, das zu ändern.

Dem widersprachen Anwohner energisch. Dr. Martin Kerkhoff, der neben Klaus Reinartz die Meinung der Protestierenden am energischsten vertrat, sagte, das Gegenteil sei der Fall. Der Platz sei von den umliegenden Häusern aus von allen vier Seiten einsehbar, und es bedürfe nur eines Anrufs, um die Polizei nach dem Rechten schauen zu lassen. Was nun geschehe, liege klar auf der Hand, die Stadt habe für eine „gezielte Verwahrlosung“ gesorgt, um jetzt eine Möglichkeit zur Vermarktung als Bauland zu haben.

Mitstreiter Klaus Reinartz wies darauf hin, dass man hier aus Naturschutzsicht eine seltene Vielfalt von Tieren finde, auch wenn diese nicht auf der „roten Liste“ stünden. Er nannte unter anderem Steinkauz und Sperber, und seine Nachbarn ergänzten das mit Beobachtungen von Fasanen, Meisen und Spechten. „Aber hier wird allein rein marktwirtschaftlich gedacht“, empfand Klaus Reinartz, „doch wenn wir hier jetzt Baustellen daraus machen, werden wir das in zehn Jahren bedauern.“

Artenschutz beachten

Bevor etwas Endgültiges geschehe, müssten ohnehin Artenschutzuntersuchungen stattfinden, erwiderte Achim Engels. Er versuchte zudem klar zu machen, dass es der Verwaltung zurzeit nur um Gedankenspiele und keineswegs um konkrete Planungen gehe, ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass die Stadt Sparmöglichkeiten – das wäre eine Spielplatzschließung – suchen müsse, ebenso wie nach Möglichkeiten, neue Baugebiete zu erschließen.

Auch die Verwaltungsmeinung, es würden ohnehin nur selten und nur wenige Kinder auf dem Platz spielen, wohl auch weil die Nachbarschaft immer älter werde, ließen die Anwohner nicht gelten. Es rückten schließlich junge Familien nach, hieß es. „Wo können Kinder sonst noch Fußball oder Indianer spielen?“, fragte Armin Kerkhoff, und Klaus Reinartz bezeichnete den Spielplatz als „grüne Lunge für die Nachbarschaft“. Kerkhoff äußerte auch Zweifel daran, dass eine von der Stadt angestrebte Vermarktung von Villen-Grundstücken in Übach-Palenberg eine Chance habe. Man müsse einsehen, dass „Sport- und Grünflächen das wahre Kapital der Stadt sind“, so Armin Kerkhoff.

Versiegelte Flächen

Ausschussvorsitzender Josef Fröschen musste sich zeitweise lautstark Gehör verschaffen. Auch er betonte, dass die jetzige Besichtigung noch gar nichts über endgültige Planungen aussage. Wenn es dazu komme, so Josef Fröschen, dann gelte es, die demokratischen Spielregeln einzuhalten.

Neue Bebauungspläne würden öffentlich ausgelegt, und dann könnten Anwohner in der Bürgerbeteiligung ihre Bedenken vorbringen.

Die Befürchtungen der Anwohner, dass auf dem jetzigen Spielplatzgelände gebaut werden soll, waren auch aus der Tatsache gewachsen, dass es für den direkt angrenzenden, zum großen Teil brach liegenden Bauernhof – er reicht bis zur Thornstraße – schon konkretere Pläne gibt. Der Besitzer, der mit seinem Betrieb vor einigen Jahren ausgesiedelt ist, möchte hier gerne Bauflächen schaffen. Er ist dabei allerdings auf jede mögliche Hilfe angewiesen, denn die neue Gestaltung der zum großen Teil versiegelten Fläche dürfte sehr aufwändig sein. Auch dieses Gelände sah sich der Ausschuss und mit ihm die protestierenden Bürger an. Allerdings sahen die Anwohner hier keinen Grund zum Protest. „Neue Häuser hier – warum nicht? Aber lasst uns unseren Spielplatz“, war die einhellige Meinung.

Der energische Auftritt der Anwohner hatte offenbar schnellen Erfolg. Wie die Verwaltung auf Nachfrage mitteilte, soll der Spielplatz auf Wunsch der Bürger nicht verkauft werden. Dieser Beschluss wurde im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Sicherheit später am Besichtigungstag im nichtöffentlichen Sitzungsteil gefasst.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert