Energie sparen als größte Energiequelle

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Biogas, hier die neue Anlage in Schümm, und Windkraft tragen zur positiven Energiebilanz der Gemeinde Gangelt bei. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Alle sollen mitmachen beim Klimaschutzkonzept, das derzeit für die Gemeinde Gangelt von Professor Isabel Kuperjans vom Institut Nowum der Fachhochschule Aachen erarbeitet wird. Ein wichtiger Baustein beim Prinzip „Alle-machen-mit” könnte Bürgermeister Bernhard Tholen werden. Der joggt ja bekanntlich nahezu täglich mit konzentriert-gesenktem Blick durch Gangelt.

Wenn er zukünftig erhobenen Hauptes durch die Straßen rennt und dabei nach rechts und links schaut, kann das mit einem prüfenden Blick auf die Arbeit der Hausmänner und -frauen verbunden sein. Denn selbst Fensterputzen spielt beim Energiesparen eine Rolle.

Das war eine der Aussagen, die Kuperjans vor dem Gangelter Gemeinderat bei der Vorstellung des Konzeptes in der Langbroicher Bürgerhalle tätigte. Über allem steht die Feststellung, dass die Gemeinde Gangelt heute schon bei der Erzeugung regenerativer Energie ein Plus im Vergleich mit dem eigenen Stromverbrauch hat. 41 000 Megawatt-Stunden (MWh) pro Jahr im Verbrauch stehen eingespeiste 52 000 MWh gegenüber. Es wird also ein gutes Viertel mehr erzeugt, als am Ende benötigt wird. Bei der Wärmeerzeugung liegt der Verbrauch bei 85 000 MWh, erzeugt werden 11 000 MWh.

Spitzenreiter im Energieverbrauch ist der Verkehr mit 185 000 MWh. Dieser Zahl kann nichts Positives gegenübergestellt werden. Hier wurden von Kuperjans und ihren Mitarbeitern Zahlen in der Gemeinde erhoben, teilweise aber auch hochgerechnet beziehungsweise auf statistische Werte zurückgegriffen. Die 15 Windräder der Gemeinde Gangelt mit einer installierten Leistung von 26 MW lieferten 2010 eine Strommenge von 43 500 MWh. Hier kam der Hauptanteil aus dem Windpark Breberen, dessen neun Windkraftanlagen mit jeweils zwei Megawatt installierter Leistung 31 000 MWh zum Gesamtergebnis beitrugen.

Das sind 71 Prozent.Im Erhebungszeitraum 2010 gab es zwei Biogasanlagen mit 1650 Kilowatt (kW) installierter Leistung - eine auf dem Bauernhof Tholen, die andere im Bereich der Gangelter Einrichtungen Maria Hilf. Sie lieferten an Strom 4600 MWh, an Wärme 4300 MWh. Inzwischen sind in Schümm und Birgden zwei weitere Biogasanlagen in Betrieb genommen worden, die 1060 kW installierter Leistung haben. Die Deponiegasanlage an der Müllkippe Hanbusch hat eine Leistung von 375 kW und 2010 500 MWh geliefert. Positiv hob Isabel Kuperjans auch den Bestand an Photovoltaikanlagen hervor. 302 Anlagen mit gesamt 5000 kWpeak installierter Leistung lieferten auf einer Dachfläche von stolzen 40 000 Quadratmetern in 2010 3500 MWh. Solarthermie (954 MWh) und Fossile Kraft-Wärme-Kopplung (Strom 40 MWh, Wärme 50 MWh) sowie Anlagen, die Umweltwärme nutzen und das in diesen Breiten beliebte Verfeuern von Holz runden das Bild ab. Die Energiebilanz bei der Primärenergie pro Kopf liegt in Gangelt bei 23 000 kWh und liegt damit exakt pro Einwohner 50 Prozent niedriger als der deutsche Durchschnitt. Das machte Prof. Kuperjans unter anderem an der hohen Produktion von Windstrom, aber auch am Fehlen energieintensiver Betriebe innerhalb der Gemeinde fest. Die gleichen Argumente wurden bei der CO2-Bilanz pro Kopf ins Feld geführt. Auch hier liegen die Gangelter knapp 50 Prozent unter dem Durchschnitt. In der Gemeinde werden 5,2 Tonnen pro Jahr erzeugt, bundesweit sind es 10,3 Tonnen. „Energie einzusparen ist unsere größte Energiequelle”, blickte Isabel Kuperjans auf die Bürger der Gemeinde Gangelt, die schon im April in einer Bürgerversammlung am Verfahren beteiligt werden. Es helfe schon, unnötigen Verbrauch zu vermeiden. „Man kann eine Kaffeemaschine den halben Tag unter Strom lassen, man kann aber auch den restlichen Kaffee in eine Thermoskanne füllen”, war einer der Kleinigkeiten-Ratschläge, zu denen auch der mit den geputzten Fenstern gehörte.

Den Fachleuten überlassen sollte man die Senkung von Umwandlungsverlusten bei der Nutzenergie, die hocheffiziente Anlagentechnik, einen möglichst hohen Brennstoffausnutzungsgrad durch Kraft-Wärme-Kopplung und den Einsatz erneuerbarer Energiequellen.

Was jetzt folgt, ist die Potenzialanalyse in der Gemeinde Gangelt, um den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen weiter zu senken. Beim Senken des Energieverbrauchs geht es um Themen wie Dämmung, Warmwassererzeugung, Heiztechnik, Energieträger, Raumbeleuchtung, Kälteerzeugung, Prozesswärme, Elektrogeräte. Um die 125 Prozent, die heute an Energie erzeugt werden, zu steigern, werden weitere Flächen für Solaranlagen, Windkraft, Biomassepotenzial, Geothermie, Kraftwärmekopplung, Abwasserwärme und Umweltwärme ermittelt. Das Thema Repowering, das Aufrüsten von Windrädern, ist dabei eines, das für Diskussionen sorgen wird. Am Donnerstag, 19. April, steht eine erste Bürgerversammlung an. Im September soll dem Gemeinderat ein Endergebnis präsentiert werden.
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