Geilenkirchen - Einstimmung auf Wahl: Schüler treffen Bundestagspolitiker

Einstimmung auf Wahl: Schüler treffen Bundestagspolitiker

Von: Isabelle Hennes
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Die Gäste auf dem Podium: Moderatorin Janine Kunath, Linus Stieldorf, Hans Josef Dederichs Norbert Spinrath, Wilfried Oellers, Ayten Kaplan, Katharina Lenzen und Moderator Sascha Ohlenforst (v.l.) Foto: I. Hennes

Geilenkirchen. Stell Dir vor, es ist Wahl, und keiner geht hin. Viele Menschen haben keine Lust, das Kreuzchen für irgendeine Partei zu machen, für die sie sich am Ende doch nicht repräsentiert fühlen. Um dagegen etwas zu unternehmen, und gerade junge Menschen für Politik zu begeistern, haben sich am Donnerstag Politiker und Schüler in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule getroffen.

Einen Vorgeschmack auf die Bundestagswahl gab‘s dabei in jedem Fall. Und kleine Parteikämpfe gleich mit.Die Kandidaten für die Bundestagswahl waren von Schulleiter Uwe Böken zu einer Podiumsdiskussion eingeladen worden. Wilfried Oellers (CDU), Norbert Spinrath (SPD), Linus Stieldorf (FDP), Hans Josef Dederichs (Grüne), Ayten Kaplan (Linke) und Katharina Lenzen (Piraten) sollten die Schüler an die Politik heranführen. Das ist ihnen gelungen, darüber waren sich die Schüler am Ende der Diskussionsrunde einig.

Aber zuvor mussten sie sich zu den Themen Integration, Bildung, Umwelt und Europa kritische Fragen des Publikums und der Modertoren Janine Kunath und Sascha Ohlenforst gefallen lassen.

Integration: Damit die Integration von Migranten in den Kommunen gelingt, forderte Ayten Kaplan zu Beginn der Diskussionsrunde, dass die Politiker auf die Menschen zugehen. Sie erlebe zwei Formen der Isolation: Zum einen die des Nichtwissens, zum anderen ziehen sich Migranten oft zurück, um ihre Kultur weiter ausüben zu können. „Da müssen Politiker hingehen und fragen: Was wollen diese Menschen?“

Oellers betonte die Bedeutung der Sprache. „Integration kann nur gelingen, wenn die sprachliche Barriere behoben ist.“ Dederichs von den Grünen ging einen schritt weiter als Oellers: Wenn Kinder in ihren Familien nicht lernen, deutsch zu sprechen, dann müssen sie an den Schulen entsprechend gefördert werden. Eine Frage aus dem Publikum zielte auf das Thema Inklusion. Spinrath sagte, behinderte Menschen müssten Teil der Gesellschaft werden. „Wenn ihr mit ihnen gemeinsam aufwachst und lernt, könnt ihr ihre Probleme viel besser verstehen.“ So auch Katharina Lenzen: Längeres gemeinsames Lernen sei die Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis.

Dass Inklusion nicht von heute auf morgen gelingen kann, darin waren sich alle Parteien einig. Nur die Umsetzung, da gab es dann doch unterschiedliche Meinungen. An dieser Stelle klinkte sich Schulleiter Böken ein. Er berichtete von einem ganz konkreten Fall. Nach den Sommerferien werden an seiner Gesamtschule zwei Klassen, einen fünfte und eine siebte, mit behinderten Schülerinnen und Schülern in das Schuljahr starten.

„Zur Unterstützung haben wir einen speziell ausgebildeten Lehrer bekommen, der 18 Förderstunden unterrichtet, für beide Klassen also neun Stunden. Das ist zu wenig.“ Das ließ die Gäste auf dem Podium grübeln – und führte die Moderatoren direkt zum nächsten Thema.

Bildung: Wo soll den nun das Geld für zusätzliche Inklusionslehrer herkommen, wollten die Moderatoren wissen. „Von staatlichen Haushalten. Sie müssen so ausgestattet sein, dass sie die Schulen in Schuss halten können“, sagte Oellers. Spinrath ging noch mal grundsätzlich auf das Thema Bildung ein. Die Chancen dürften nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Das ist aber immer noch Realität in Deutschland. Natürlich wollen alle Parteien besser Bildung, die SPD und Piraten am besten kostenlos für alle, aber über die Finanzierung gibt es noch Diskussionsbedarf.

Spinrath sagte ganz klar: „Wir wollen bessere Bildung mit Steuererhöhungen finanzieren.“ Es sei zwar vor einer Bundestagswahl unpopulär, Steuererhöhungen zu fordern. Aber diese betreffe lediglich fünf Prozent der Bevölkerung, die Besserverdiener. Wäre es nicht aber logischer, weniger Geld für Rüstung auszugeben, und das in die Bildung zu stecken, wollte ein Schüler wissen. Spinraths Antwort: Das sei eine gute Idee, reiche aber nicht aus. „Für Bildung brauche ich 20 Milliarden Euro im Jahr.“ Dederichs forderte sogar eine Steuererhöhung für zehn Prozent der Bevölkerung, um das System zu verbessern.

Stieldorf hingegen legte den Finger in die Wunde: „Das Geld für die Vertretungslehrer ist von der Landesregierung gekürzt geworden, dadurch fällt Unterricht aus – wie soll man dann gute Bildung erreichen?“ Das gab den ersten Applaus vom Publikum. Er fuhr fort: „Nur noch Leute, die eine Eins haben, schaffen es an die Uni. Wir fordern deshalb einen Aufnahmetest anstelle des Numerus Clausus.“

Umwelt: Beim Thema „grüner Strom“ kam Dederichs zuerst zu Wort. „Wir haben ein Verteilungsproblem: Wir brauchen ein besseres Netz und mehr Speicherkapazitäten.“ Hinzu komme, dass jeder die Energiewende wolle, aber niemand bereit sei, vor seinem Haus ein Windrad stehen zu haben. Katharina Lenzen sagte, dass sich die Felder im Kreis Heinsberg dazu eignen würden, sich mit Solarzellen praktisch selbst mit Strom versorgen zu können. Auf die Nachfrage der Moderatorin, wer diesen Bau denn bezahlen solle, verwies sie an die Fachleute ihrer Partei. Dass die Energie bezahlbar bleiben soll, darin war man sich einig. Spinrath: „Ich möchte aber nicht, dass sie von einzelnen privaten Kunden finanziert wird. Das sollen alle Steuerzahler übernehmen.“

Europa: Für Außenstehende sind die Begriffe, die im Zusammenhang mit der Eurorettung stehen, nur schwer zu vollziehen. Wie viele Rettungsschirme wurden bisher aufgespannt? Wie viele Milliarden gezahlt? „Das muss viel transparenter ablaufen, der Bürger muss sich darüber informieren können“, sagte Katharina Lenzen. Dederichs warb für Verständnis für die Lage der Griechen: „Diese Menschen haben Existenzängste. Sie suchen einen Schuldigen – das sollte man ihnen nachsehen.“

So auch Ayten Kaplan: „Diese Menschen können sich nicht einmal ihre Medikamente leisten. Es ist doch klar, dass sie sich dagegen wehren.“ Trotz allem dürfe aber nicht vergessen werden, dass sie lange über ihre Verhältnisse gelebt hätten, sagten Stieldorf und Oellers. Spinrath richtete sich zum Abschluss direkt an die Schülerinnen und Schüler: „Die Jugendlichen in Griechenland können nichts dafür, dass es ihrem Land so schlecht geht. Genauso wenig wir ihr dafür könnt, dass ihr in Wohlstand groß werdet.“

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