Eine Reise ins Land der Wunden und Wunder

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Geilenkirchen. Ist Bosnien-Herzegowina, im Südosten Europas gelegen und ehemals ein Teil Jugosla-wiens, ein lohnenswertes Reiseland? Diese Frage stellten sich vermutlich fast alle Europafreunde beim Erhalt der Ankündigung dieser Studienreise.

Schließlich wagten 17 von ihnen den Versuch, sich unter Leitung ihres Vorsitzenden Prof. Gerd Wassenberg auf den Weg in Richtung Balkan zu begeben und das „Land der Wunden und der Wunder“ kennenzulernen.

Und das Ergebnis am Ende der achttägigen Studienreise? Es war übereinstimmend positiv. Kein Wunder, denn das Programm bot zahlreiche berühmte Sehenswürdigkeiten, abwechslungsreiche und traumhafte Landschaften, kulturelle Vielfalt und vor allem sehr gastfreundliche Menschen, wenngleich die Spuren des Krieges von 1992 bis 1995 auch heute noch fast überall sichtbar sind.

Dank der deutschsprachigen und kompetenten Reiseführerin Ivana Lizdeck besichtigten die deutschen Besucher bekannte touristische Ziele und entdeckten Besonderheiten, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Außerdem nahmen sie Gelegenheiten zu Gesprächen mit Einheimischen wahr und gewannen auf diese Weise Eindrücke, die halfen, so manches Vorurteil über Land und Menschen abzubauen.

Hilfreich für die Studienreise war der Empfang in der Deutschen Botschaft in Sarajevo zu Beginn der Reise. Christian Sedat, seit zwei Monaten Gesandter und Vertreter der in Berlin weilenden Botschaf-terin, informierte die deutschen Europafreunde sehr eingehend und sachlich über die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation in dem 50.000 Quadratkilometer großen Land und über die Beziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union.

Europa sei eine deutliche Präferenz für die Menschen in Bosnien-Herzegowina, so Sedat, denn etwa 80 Prozent der Bevölkerung stimmen nach Umfragen zu, dass sich das Land nach Europa hin orientiere. Die Aufgabe der Botschaft bestehe in der Pflege der Beziehungen zwischen beiden Ländern mit dem Ziel, dass die Bundesregierung mitwirke, Bosnien-Herzegowina näher an die Europäische Union heranzuführen. Allerdings brauche es Geduld, da die politische Situation dank der notwendigerweise ständigen Ausbalancierung zwischen den drei Bevölkerungsgruppen komplex und nicht immer einfach sei.

Positiv überrascht waren die Besucher von der Dynamik und der kulturellen Vielfalt der Hauptstadt Sarajevo. Mit Sarajevo verbinden sich drei herausragende Ereignisse: das Attentat auf den österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand und seine Frau am 28. Juni 1914, die Olympischen Winterspiele 1984 und die Belagerung der Stadt durch die bosnischen Serben zwischen März 1992 und Februar 1996. Infolge des Dayton-Abkommens im Dezember 1995 verließen rund 150 000 Serben die Stadt, sodass heute ein muslimisches Stadtbild unverkennbar ist.

Besonderen Eindruck unter den besichtigten Bauwerken Sarajevos hinterließ das im Krieg zerstörte und inzwischen wieder aufgebaute und im Frühjahr 2014 eröffnete Rathaus. Ziele außerhalb der Hauptstadt besuchte die Gruppe auf Tagesreisen. So fuhren die Gäste zu dem idyllisch gelegenen Jablanicko-See und dem benachbarten Boracko-See und gewannen in einer berühmten Holzschnitzer-Werkstatt in Konjic einen Eindruck von den künstlerischen Fertigkeiten der Einheimischen.

In dem hübschen Ort Travnik wandelten die Europafreunde auf den Spuren des hier geborenen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Ivo Andri, dessen Spur sie dann einen Tag später in Višegrad wieder aufnahmen. Denn hier befindet sich die durch Andris Roman berühmt gewordene Brücke über die Drina. Andrigrad, ein Stadtteil von Visegrad, vermittelt dank seiner Architektur einen Eindruck vom Aufbauwillen und von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Selbstverständlich durfte auch die Stadt Mostar im Südwesten des Landes nicht im Programm fehlen. Die wieder aufgebaute „Alte Brücke“ („Stari most“) ist seit Jahrhunderten das Wahrzeichen Mostars und die touristische Attraktion der Stadt, nicht zuletzt und vor allem dank der Brückenspringer, die hier den Besuchern eine sportlich-unterhaltsame Abwechslung bieten. Sich auch künftig verstärkt für die Länder des West-Balkans zu interessieren, ist ein langfristiges Programm der Europa-Union Geilenkirchen. So ist ein Ziel einer der drei nächstjährigen Studienreisen das „Land der Skipetaren“, Albanien.

 

 

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