Geilenkirchen - Eine Menge Kritikpunkte: Wie sicher ist das Parkhaus am Bahnhof?

Eine Menge Kritikpunkte: Wie sicher ist das Parkhaus am Bahnhof?

Von: Udo Stüßer
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Das Parkhaus am Geilenkirchener Bahnhof steht oft in der Kritik: Überall trifft man auf das Ergebnis blinder Zerstörungswut. Foto: Udo Stüßer
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Bereits in der Unterführung zum Bahnhof trifft man auf Müll und Farbschmierereien. Die Schmierereien setzen sich bis ins Parkhaus fort. Foto: Udo Stüßer
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In direkter Nachbarschaft des Parkhauses, auch Treffpunkt von Jugendlichen, entsteht ein Asylbewerberheim. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Ich war erschrocken!“ So brachte es Leonhard Kuhn bei der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses auf den Punkt. Der Stadtverordnete der Fraktion „Geilenkirchen bewegen!“ und stellvertretende Bürgermeister hatte nach Hinweisen aus der Bevölkerung das Parkhaus am Bahnhof einmal näher unter die Lupe genommen und festgestellt: „Es funktioniert keine Videoüberwachung, überall liegt Müll, die Wände wurden beschmiert.

Nun kommen die Wintermonate. Als Frau oder als Senior würde ich mich nicht trauen, dort zu parken“, prangerte er die Missstände an. Ihm fehlen Sicherheit und Ordnung.

Was Kuhn besonders wundert und auch ärgert, ist die Tatsache, dass der Müll erkennbar schon einen Monat alt ist, ein Vogelnest eine Überwachungskamera krönt, obwohl es schon lange nicht mehr bewohnt wird, und abgerissene Kabel bereits oxidiert sind. Im Klartext: Die Zustände sind nicht neu, sind allseits bekannt, doch getan wurde nichts, zumindest nicht viel.

Beigeordneter Herbert Brunen teilte in der Sitzung lediglich mit, dass das Ordnungsamt im Parkhaus mehr präsent sei als in anderen Teilen des Stadtgebietes. Und er sagte: „Wir können nicht Tag und Nacht da sein.“

Eineinhalb Wochen nach der Sitzung treffen wir uns zu einer Ortsbesichtigung mit Leonhard Kuhn, der leider feststellen muss, dass die Situation trotz seiner Kritik im Hauptausschuss unverändert ist.

Bereits in der Unterführung von Bahnsteig eins in Richtung Parkhaus stößt man auf Müll, von dem unangenehmen Geruch und Graffiti an den Wänden ganz zu schweigen. „Dieser Müll liegt bereits seit drei Tagen hier. Das tut weh“, schimpft ein vorbeikommender Senior. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen, aber seine Meinung dürfen wir drucken: „Das ist eine Sauerei!“, schimpft er. Die Notrufsäule in der Unterführung ist schon lange weg. Wo sie ist und warum sie nicht erneuert wurde, weiß auch Leonhard Kuhn nicht. Er weiß auch nur: Einen Notruf kann man hier schon lange nicht mehr tätigen.

Geht man weiter in Richtung Parkhaus, empfindet man Graffiti mittlerweile als Selbstverständlichkeit, es gibt wohl nur noch wenig weiße Wandfläche. „Wenn es wenigstens künstlerisch hochwertige Graffiti wären, aber das sind doch nur Schmierereien“, sagt Kuhn.

Verlässt man dann die Unterführung in Richtung Parkhaus und wirft einen Blick hinter das kleine Trafohäuschen, kann einem übel werden: Neben wild abgelagertem Müll befinden sich menschliche Exkremente nebst Toilettenpapier, alles Dinge, die Kuhn vor eineinhalb Wochen in der Sitzung angeprangert hat. „Das liegt so schon seit drei Wochen, das habe ich im Ausschuss bemängelt, jetzt ist der Zustand der gleiche“, bedauert Kuhn. Was ihn an dem restlichen Weg zum Parkhaus stört, sind hohe Büsche und Sträucher: „Dieses Stück müsste offen und einsehbar sein. Wenn Passanten abends in der Dunkelheit von hohen Büschen förmlich versteckt werden, ist das kein Gefühl der Sicherheit“, bemängelt der Stadtverordnete.

Betritt man nun das Parkhaus, stößt man auf eine der ersten Überwachungskameras. Sie ist immer noch überklebt. Eigentlich hatte er nach seiner Kritik im Hauptausschuss damit gerechnet, dass die Aufkleber entfernt werden. Doch diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Überhaupt ist fraglich, ob die Kameras noch funktionieren. An der nächsten Kamera hatten Unbekannte ein Kabel durchschnitten, obendrein krönt ein Vogelnest diese Sicherheitseinrichtung.

Apropos Sicherheit: Der Hinweis auf die Löschwasserentnahmestelle wurde abgerissen, so manchen Lampen fehlt es an Leuchtkraft. „Würde man mal mit einem Besen den gröbsten Dreck entfernen, würde das schon helfen“, sagt Kuhn. Geht man ein paar Etagen höher, trifft man überall auf den gleichen Zustand.

Man hat aber auch einen Blick auf das Gelände der benachbarten Firma Hansen. Hier schwingt Heinz-Josef Keimes kräftig den Besen und hat bereits einen ansehnlichen Müllhaufen zusammengekehrt. „Das wurde alles vom Parkhaus runtergeworfen. Die Stadt verspricht immer, den Dreck wegzumachen. Aber es kommt keiner“, schimpft er. An diesem Tag ist es nur der übliche Müll: „Aber es wurden schon Autoreifen, Rollstühle und Fahrräder runtergeworfen. Man sieht abends Jugendliche die Fassade hochklettern. Und auf dem oberen Parkdeck wird auch schon mal ein Ölwechsel gemacht oder sogar ein ganzer Motor ausgebaut.“

Blickt man in die andere Richtung, kann man erkennen, dass die Arbeiten am Bau der Asylbewerberunterkunft zügig vorangehen. „Wenn hier Asylbewerber einziehen, könnte sich ein zusätzliches Konfliktpotenzial aufbauen. Auf diese Gegend muss ein verstärktes Augenmerk gelegt werden. Hier muss man präventiv arbeiten und beide Seiten streng kontrollieren“, fordert Kuhn.

Während er dies sagt, haben sich an diesem Morgen erste Jugendliche auf dem obersten Parkdeck gemütlich eingerichtet: Laute Musik dringt aus den Boxen, Klappstühle haben sie ebenfalls mitgebracht und neben ihren Pkw gestellt. Die Frage, was sie hier vorhaben, wird kurz und knapp beantwortet: „Chillen!“ Derweil will Leonhard Kuhn seine Kritik nicht alleine in Richtung Stadtverwaltung richten: „Hier sind alle Gefordert: Stadt, Bahn und Polizei!“.

Wie Karl-Heinz Frenken, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Heinsberg, auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, ist die Polizei im Verlaufe dieses Jahres zu verschiedenen Einsätzen im Parkhaus am Bahnhof gerufen worden. Zwei Autos seien entwendet, fünf Fahrzeuge aufgebrochen und fünf beschädigt worden. Vier Mal hätten Unbekannte Kennzeichen und anderes Fahrzeugzubehör gestohlen. Im Januar, März, Juni und August habe die Polizei Hinweise auf Fahrzeuge erhalten, die mit quietschendem Reifen im Parkhaus umherfahren würden.

Dass dort Rennen gefahren wurden, wie es die Anrufer beschrieben hätten, habe sich bei keinem der Einsätze konkretisiert. Die Personalien der dort angetroffenen Personen seien festgestellt worde, außerdem habe man ihnen Platzverweise erteilt.

„Seitens der Polizei wird das Parkhaus regelmäßig bestreift. Diese Maßnahmen werden wir in Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Stadt Geilenkirchen verstärken, um die Begehung von Straftaten zu verhindern“, erklärt Frenken. Leider seien Schäden durch Vandalismus im gesamten Kreis Heinsberg immer wieder festzustellen, würden allerdings unter dem Oberbegriff „Sachbeschädigung“ erfasst und nicht separat ausgewiesen.

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