Geilenkirchen - Eine Malerin klotzt mit Farbe

Eine Malerin klotzt mit Farbe

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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„Ein Bett im Kornfeld“ hat die Übach-Palenberger Künstlerin Uschi Zantis dieses Bild benannt. Ab dem morgigen Sonntag stellt sie in Geilenkirchen aus. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Ein Besuch der Messe im Markusdom in Venedig hat sie inspiriert. Unvergessen blieben der Blick in die farbenprächtige Kuppel und der herrliche Lichteinfall auf die Mosaikkunst. Später, viel später kamen die Erinnerungen wieder hoch.

Diesen Augenblick im Markusdom wollte Uschi Zantis mit Pinsel und Acrylfarben auf Leinwand bannen. Aber nicht so, wie sie ihn real erlebt hat, sondern verfremdet. Heraus kam eine wunderschöne Muschel. Ergänzt durch eine Perle als Zeichen des Wohlgefühls, der Entspanntheit, der Schönheit. „Zwischen Ereignis und Erinnerung“ nennt die Übach-Palenberger Künstlerin ihre Bilderserie. Sie schöpft aus ihrer Erinnerung, verfremdet und schafft ein neues Ereignis, ein neues Kunstwerk.

Ihre Bilder sind unverkennbar. Sie tragen ganz klar ihre Handschrift. Die Sensibilität des Farbauftrages, der sanfte Farbübergang, den sie aus der Seidenmalerei in die Acrylmalerei hinübergerettet hat, lassen auf Werke von Uschi Zantis schließen. Ihre Bilder sind farbig, aber nie bunt. Sie liebt erdige Farben, vom hellen Beige bis zum schlammigen Braun. Uschi Zantis liebt Schwarz, manchmal kommt auch ein wenig Rot ins Spiel. Sie sucht sich Themen. „Netzwerke“ ist eines und behandelt beispielsweise das Internet oder ein Netzwerk von Freunden. Gearbeitet wird mit Acrylfarbe, behandelt wird die Leinwand mit einem Kartoffelnetz. Ein herrliches Ergebnis. Oder das Thema „Meditation“: Man sieht förmlich, wie sich der Geist des Mädchens auf dem Bild hinter dem großen Hut sammelt.

Mehr als 200 Bildet hat Uschi Zantis seit 1986 geschaffen. Zunächst widmete sie sich der Seidenmalerei: „Ich habe damals ganze Nächte durchgemalt“, erinnert sie sich an die Anfänge. Ihre Bilder lagen zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Sie suchte professionelle Lehrer in der Kölner Galerie „Smend“, und sie nahm Unterricht bei Susanne Hinz in Aachen. Mit ihr ging sie auch auf Malreisen in die Toscana. Uschi Zantis hat selbst Unterricht im Werk- und Kunstladen in Heinsberg und bei der VHS in Alsdorf gegeben. „Irgendwann kann man alles, irgendwann ist man perfekt. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich gedacht habe, dass ich mich nicht mehr steigern kann.“

Uschi Zantis suchte neue Wege, besuchte Kurse an der Kunstakademie Trier und machte erste Erfahrungen mit Acrylfarben. „Die Sensibilität, die man bei der Seidenmalerei braucht, war bei der Acrylfarbe im Wege. Man klotzt mit Farbe“, sagt sie. Dabei hat sie festgestellt. „Die Seide hat in der Kunstwelt wenig Akzeptanz. Seide verbindet man mit Schönheit. Kunst muss aber nicht schön sein, Kunst muss gut sein. Was aber gut ist, weiß niemand so genau.“ Sicherlich sind das Zusammenspiel von schweren und leichten Formen, das Verhältnis von warmen und kalten Farben, die Hell-Dunkel-Kontraste, die Beziehung von Klein und Groß Gesetzmäßigkeiten, die die Künstler im Kopf haben oder bei Talent auch angeboren sind.

Um Motive zu finden, geht Uschi Zantis mit offenen Augen durch die Welt. Mal ist es ein schöner Stein, mal eine außergewöhnliche Form, eine schöne Farbe, die Motivation für ein neues Bild sind. Dieser Anblick wird dann in einer ganz anderen Umgebung verfremdet. Manchmal sind es auch Erlebnisse, überlagert von anderen Ereignissen, die die Übach-Palenberger Malerin auf Leinwand bannt.

Uschi Zantis malt unaufhörlich, besucht immer noch ein- bis zweimal im Jahr die Kunstakademie in Trier, aber auch Kurse im Ludwig Forum in Aachen. Wenn sie malt, übt sie oft Selbstkritik. „Wenn das Bild in meinen Augen nicht perfekt ist, muss ich nicht verzweifeln. Ich muss stur dranbleiben. Manchmal dauert es Wochen, bis ich zufrieden bin. Und wenn ich zufrieden bin, ist das ein wunderbares Gefühl.“ Dieses Gefühl kann sie bei vielen Bildern haben. „Das Dahinter“ hat sie eines ihrer Werke genannt. Man muss es lange anschauen, um ein Motiv zu erkennen. Und jeden Tag sieht man etwas anderes. Was bleibt, ist die Kuh dahinter. Die setzt sich in dem Bild durch. Tag für Tag.

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