Eine Frau aus Kraudorf, die Kurzgeschichten schreibt

Von: Udo Stüßer
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In der Kurzgeschichte „Licht
In der Kurzgeschichte „Licht im Dunkeln” von Beatrix Hötger-Schiffers ist die Kraudorfer Pfarrkirche Schauplatz krimineller Machenschaften. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Kraudorf. Sie liebt die Natur. Und sie liebt Tiere. Ihre Schafe, ihre Katzen, ihren Mischlingshund Isis und ihre beiden Ponys Nino und Sir Henry, die sich in ihrem weitläufigen Garten in Kraudorf sichtlich wohl fühlen. Beatrix Hötger-Schiffers liebt auch Bücher, vor allem Krimis.

Nach der Geburt ihrer Tochter Angelika war sie selbst journalistisch tätig, unter anderem für unsere damalige Erkelenzer Ausgabe. „Schreiben hat mir immer viel Freude bereitet. Als ich Anfang der 90er-Jahre mit meinem Mann Aldo und meiner Tochter nach Kraudorf gezogen bin, habe ich mich allerding hobbymäßig der Landwirtschaft gewidmet und das Schreiben eingestellt”, blickt die 48-Jährige zurück. Ihre schriftstellerische Arbeit beschränkte sie lediglich auf ein paar Gedichte für Familienfeiern.

„Doch irgendwann hat es mich wieder gepackt. Ich wollte schreiben, ich wollte aber auch etwas lernen und mich weiterbilden”, sagt Beatrix Hötger-Schiffers. Im Jahre 2010 blätterte sie deshalb im Programm der Volkshochschule und stieß auf den „Schreibkurs für Krimi-Fans” von Kurt Lehmkuhl, Redakteur in unserer Heinsberger Redaktion und Verfasser von 19 Kriminalromanen und etlichen Kurzgeschichten.

„Ich hatte mich für diesen Kurs nicht angemeldet, um in erster Linie Krimis zu schreiben, sondern um das Handwerkszeug zu erhalten”, schildert sie ihre Beweggründe. Am ersten Abend erfuhr sie dann, dass das Ergebnis dieses Literaturkurses als Buch herausgegeben werden sollte. Die 16 Kursteilnehmer aus dem gesamten Kreis Heinsberg sollten kriminelle und unheimliche Geschichten verfassen, die im Kreis Heinsberg angesiedelt sind.

Bei Lehmkuhl lernten die Seminarteilnehmer schließlich, wie wichtig die Faktensammlung ist, erfuhren aber auch wesentliche Dinge über Schreibstile, den richtigen Einstieg in die Geschichte und Aufbau eines Spannungsbogens.

„Wir mussten sogar Hausaufgaben machen, Dialoge schreiben, Ortsbeschreibungen und Charakterisierungen abliefern”, lacht die Hobby-Schriftstellerin. Welcher Spannungsbogen sollte aufgebaut werden? Zuerst die Straftat, dann die Ermittlung und Aufklärung? Oder mit der Auflösung beginnen und dann Ursachenforschung betreiben? Alle verfassten Kurzgeschichten wurden im Seminar vorgelesen, besprochen und diskutiert.

„Keine Geschichte wurde später in der Ursprungsform veröffentlicht”, erklärt Hötger-Schiffers und erinnert sich an die Kritik an ihrer Kurzgeschichte „Licht im Dunkeln”: „Ein halbwegs gut gemeinter Kommentar lautete ?niedlich. Alle anderen empfanden meine Geschichte als viel zu lang. Durch die Kritik habe ich gelernt, wie viel man streichen kann. Dadurch gewinnt die Geschichte an Spannung.” Sie lernte aber auch, wie man mit zwölf Zeilen eine spannende Geschichte erzählen kann. „Nebulös” heißt sie und sorgt nicht nur für Spannung, sondern auch für Heiterkeit.

Bei dem VHS-Kurs ging es aber nicht nur um das Verfassen einer Geschichte, sondern auch um den richtigen Vortrag. „Wir lernten, langsam und deutlich zu sprechen, richtig zu betonen und mit den Tücken der Technik zu leben, wenn man ein Mikrofon vor sich hat.”

Im Herbst 2011 schließlich wurde mit „Tödlicher Selfkant” eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Lektüre vorgelegt, mit der sich der Leser auf eine literarische Reise durch das ganze Kreisgebiet begeben kann. Mit kriminellen und unheimlichen Geschichten ist Beatrix Hötger-Schiffers gleich vier Mal in dem Buch vertreten. Bemerkenswert ist die Kurzgeschichte „Endstation Geilenkirchen”, in der ein Serienmörder schließlich kurz vor seiner nächsten Tat im Parkhaus am Geilenkirchener Bahnhof zu Tode kommt. „Bevor ich diese Geschichte geschrieben habe, habe ich mir das Profil eines Serientäters zusammengestellt. Ich habe mich gefragt, wie kann er all die Jahre unentdeckt bleiben? Ein wichtiger Bestandteil seines Lebens ist die Unauffälligkeit, was ich hier auch beschrieben habe”, erklärt sie.

Sitzt man in Hötger-Schiffers Wohnzimmer, blickt man direkt auf die altehrwürdige Pfarrkirche von Kraudorf. Diese ist in „Licht im Dunkeln” Schauplatz krimineller Machenschaften: „Der Wind fegte das raschelnde Laub über die Gräber und Wege des kleinen Kraudorfer Friedhofes. Die Kirche St. Gertrud lag wie eine riesige Silhouette in der Abenddämmerung. Leichter Nieselregen setzte ein, als Else Braun das quietschende Friedhofstor öffnete?”

Doch es blieb nicht nur bei der Veröffentlichung des Buches: Durch Lesungen im gesamten Kreis Heinsberg wurde auf das Werk aufmerksam gemacht, weitere sind in Vorbereitung. Sämtliche Autoren der im hkl-Verlag erschienenen Anthologien - an dem Buch „Tödlicher Selfkant” haben 16 Kursteilnehmer mitgewirkt - verzichten ebenso wie Kursleiter Kurt Lehmkuhl und Verleger Hans Krupp aus Übach-Palenberg auf Honorare.

Erlös für die Hospiz

Der Erlös aus dem Buchverkauf und aus den Lesungen spenden sie dem Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung in Erkelenz.

Nach einem ersten Schreibseminar von Lehmkuhl erschien „Blutroter Selfkant”. 10.000 Euro konnten der Erkelenzer Hospiz übergeben werden. In dieser Woche waren es sogar 15.000 Euro, die durch „Tödlicher Selflant” eingenommen wurden.

Auch wenn das zweite Schreibseminar beendet ist und ein drittes Seminar noch nicht geplant ist, will Beatrix Hötger-Schiffers weiter schreiben. Mit Heidi Hensges, Astrid Zahn und Eike Wuscher, ebenfalls Teilnehmerinnen des VHS-Kurses, hat sie unter dem Motto „Wir schießen Buchstaben” die „Texterados” gegründet, in der weitere Mitglieder, auch Männer, willkommen sind.

„Ein eigenes Buch herausgeben, klingt zwar gut, aber das haut man nicht so einfach raus”, weiß sie aus Erfahrung und setzt weiter auf Kurzgeschichten. In denen treiben nicht nur finstere Gestalten ihr Unwesen, Hötger-Schiffers schreibt auch Heiteres. Immerhin beflügelt die Natur in dem idyllischen 100-Seelen-Dorf ihre Fantasie.
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