Geilenkirchen - Eine Fachfrau erklärt den Wandel der Bildersprache

Eine Fachfrau erklärt den Wandel der Bildersprache

Von: Markus Bienwald
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Bilderbücher dienen der Sprachförderung, sagt Diplom-Sozialpädagogin Marie-Christine Wyrsch. Den Darstellungsformen sind dabei - wie hier bei diesem Pop-Up-Buch - keine Grenzen gesetzt. Foto: Bienwald

Geilenkirchen. Als die Sprache auf das Thema „Das perfekte Bilderbuch” kommt, muss Marie-Christine Wyrsch erstmal lachen. „So etwas gibt es nicht”, sagt die 62-jährige Geilenkirchenerin. Sie selbst studierte nach einer vierjährigen Tätigkeit als Erzieherin Diplom-Sozialpädagogik, war an Schulen tätig und beschäftigt sich aktuell mit der Sprachförderung in Kindergärten.

Dafür zieht sie immer gerne Bilderbücher heran. Als Mittel zur Sprachförderung seien Bilderbücher nahezu ideal, sagt sie. „Bilder lesen können Kinder sehr früh, unabhängig von ihrer Muttersprache”, weiß sie, „denn Bilder als Abbild der Wirklichkeit haben Wiedererkennungswert”. Die Kinder können sich zudem dank der Bilderbücher in ihrem ganz eigenen Tempo mit der Sache beschäftigen.

Seit dem Beginn ihrer Auseinandersetzung mit den Bilderbüchern vor rund 40 Jahren hat sich dabei einiges geändert. Nicht nur die Werke an sich haben einen grundlegenden Wandel erfahren. „Früher bestand die Idee eines Bilderbuches vor allem in der Belehrung, es folgte einem bestimmten pädagogischen Auftrag”, erläutert sie.

Mit der Entwicklung der Pädagogik ab Anfang der 70er, weg von den strengen Vorgaben des Elternhauses zu gehen, änderte sich auch das Erscheinungsbild der Bilderbücher. „Während damals das Wohlverhalten eher im Vordergrund stand, geht es heute viel mehr um Austausch von Erfahrungen, Weltsicht und Vergnügen an Bildern”, so Wyrsch.

Kindgemäße Bilderbücher sehen heute anders aus, erklärt sie. Die Themen sind nahezu frei gewählt, ebenso darf die Gestaltung alle nur denkbaren Formen annehmen. „Das hat sicherlich auch mit dem veränderten Umfeld der Kinder von heute zu tun”, erklärt die Fachfrau.

Schließlich wüchsen heutige Kinder in einem medialen Umfeld auf, das neben mannigfaltigen Möglichkeiten auch und vor allem auf die Wirkung von Bildern setze. Und wenn dann noch die unterschiedlichen Entwicklungsstufen, wie sie in Kindergärten laut Marie-Christine Wyrsch deutlich sichtbar seien, hinzukommen, könne es das für jedes Kind empfehlenswerte, perfekte Bilderbuch schlicht nicht geben.

„Im Kindergarten gibt es beispielsweise Kinder, die kriegen keinen einzigen Satz auf die Reihe”, sagt die erfahrene Pädagogin, „da muss man einfach individuell arbeiten”. Weist sie bei der Auswahl des richtigen Bilderbuches darauf hin, dass Eltern sich dabei vom Buchhändler oder der Bibliothekarin ihres Vertrauens beraten lassen sollen, gibt es beim gemeinsamen Entdecken von Bilderbüchern für sie nur ein oberstes Ziel: „Das Kind ist immer das Wichtigste - alles andere rundherum ist nur Beiwerk.”

Es sei immens wichtig, in den Anfangszeiten ein Kind mit einem Bilderbuch nicht allein zu lassen. Und eines, das weiß sie aus ihrer täglichen Arbeit auch: „Wiederholungen wollen die Kinder immer noch”, lächelt Marie-Christine Wyrsch, „denn wenn Kinder merken, dass auch die Erwachsenen Spaß am Text haben, das kommt in jedem Falle auch mit rüber”.

Einige Buchempfehlungen aus ihrer Sammlung und aus der Auswahl der 967 Bilderbücher der Bücherei Geilenkirchen, die in diesem Jahr bereits mehr als 4700mal ausgeliehen wurden, hat sie dennoch: Ann Cathrin Raabs „Zeckengeflüster” (ISBN 978-3-356-01292-7), in dem ein mit seiner Katze Gassi gehender Kanarienvogel vorkommt. Oder auch „Die Königin der Farben” (ISBN 978-3407792211) der Illustratorin Jutta Bauer mit einer nicht dem Schönheitsideal entsprechenden Titelheldin. Vom australischen Buchkünstler Shaun Tan zeigt uns Marie-Christine Wyrsch noch „Die Fundsache” (ISBN 978-3551517258) und „Geschichten aus der Vorstadt des Universums” (ISBN 978-3551581983). Optischer Leckerbissen ist das Buch „Mondlandung” (ISBN 978-3551185372) von Richard Platt mit Pop-Up-Elementen.
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