Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Inklusion

Von: Annika Wunsch
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Als Zeichen für „den Meilenstein auf dem Weg zur Inklusion“ hielt Pfarrer Norbert Kaluza (3. v.l.) die Plakette des VdK für Barrierefreiheit in der Kirche in Lindern in den Händen.Unser Bild zeigt von links: Ortsvorsteher Leonhard Kuhn, Gemeindemitarbeiterin Franziska Offergeld, Norbert Kaluza, VdK-Kreisbeauftragter Hans-Jürgen Rewers, den Behindertenbeauftragten der Stadt, Heinz Pütz, und Franz Lippertz vom VdK. Foto: Annika Wunsch

Geilenkirchen-Lindern. „Ich habe alle Kirchen durch“, erklärte Pfarrer Norbert Kaluza nicht ohne Stolz. Mit „durch“ meinte er, dass nach den Pfarrkirchen in Würm, Immendorf und Kraudorf und verschiedenen Pfarrhäusern nun auch die letzte der vier Kirchen, für die er verantwortlich zeichnet, barrierefrei ausgestattet ist.

Als besondere Anerkennung bekam die Kirche St. Johann Baptist Lindern vom VdK-Landesverband Nordrhein-Westfalen die Plakette für die Umsetzung des barrierefreien Bauens verliehen.

Mit der Plakette werden bereits bestehende Gebäude ausgezeichnet, deren Barrieren durch Baumaßnahmen beseitigt wurden. Aber um die Auszeichnung zu erlangen, müssen 80 verschiedene Punkte erfüllt werden, betonte Hans-Jürgen Rewers, Kreisvorsitzender des VdK im Kreis Heinsberg. Zusammen mit Vorstandsmitglied Franz Lippertz hatte er die Kirche im Vorfeld sorgfältig geprüft und die Untersuchung erfolgreich abgeschlossen: Sie empfahlen die Kirche an den Landesverband, und St. Johann Baptist wurde die erste Kirche in NRW, die die VdK-Plakette besitzt.

Dass es gerade für Kirchengemeinden aus Kostengründen nicht einfach ist, alle Maßnahmen zur Barrierefreiheit umzusetzten, ist Rewers bewusst. Trotz begrenzter finanzieller Mittel habe Kaluza sich sehr erfinderisch gezeigt.

Am beleuchteten Seiteneingang gibt ein Bewegungsmelder allen Menschen die Möglichkeit, die Kirche zu betreten, ohne um Hilfe bitten zu müssen. Im Innenraum ist nun genügend Platz, um mit Rollstuhl, Rollator oder auch Kinderwagen den Gottesdienst problemfrei zu besuchen. Sehbehinderten Menschen helfen zusätzliche Beleuchtung und reflektierende Klebestreifen an den Stufen. Und ein neuer Behindertenparkplatz erleichtert wesentlich die Anfahrt zur Kirche.

Christlicher Auftrag

Für Norbert Kaluza als Pfarrer der Gemeinde ist es nicht weiter ungewöhnlich, dass jetzt auch die erste Kirche in NRW die VdK-Plakette erhalten hat, denn das Ziel der Inklusion sei ein zutiefst christlicher Auftrag. Nicht nur müsse man allen Gläubigen Zugang zur Kirche bieten, auch sei es Teil der christlichen Botschaft, den Menschen zu helfen, die aufgrund einer Beeinträchtigung „auf der Schattenseite schnell einsam werden“ können.

3000 Euro hat Kaluza in die Hand genommen, um alle Maßnahmen an der Kirche in Lindern umzusetzen. Obwohl die Kirchengemeinden meist nicht gerade viel Kapital zur Verfügung haben, seien von Anfang an keine Zweifel vorhanden gewesen: „Die Kosten sind im Vergleich zur erzeugten Freude winzig.“

Der Pfarrer erlebt nun, dass es immer selbstverständlicher wird, mit jeglicher Art von Gehhilfe, Rollstuhl oder Kinderwagen in den Gottesdienst zu gehen. „Vor ein paar Jahren hat sich keiner mit Rollator auf die Straße getraut“, erinnerte er sich.

Neben Kaluza hat auch Heinz Pütz, Behindertenbeauftragter der Stadt Geilenkirchen, eine wichtige Rolle gespielt: Er stand dem Pfarrer nicht nur beratend und helfend zur Seite, sondern gab auch den Anstoß zur Plakette, denn er hatte den VdK auf die Kirche in Lindern aufmerksam gemacht. Er freute sich über den „Meilenstein auf dem Weg zur Inklusion“, aber betonte auch: „Fertig werden wir mit der Inklusion nie.“

So benannte er gleich sein neues Projekt: Die barrierefreie Umgestaltung der Bahnhöfe im Stadtgebiet. Gerade da sei aufgrund von Stufen und fehlenden Aufzügen der Zugang für Gebehinderte erschwert.

Dass die Umsetzung seiner Pläne meist schwieriger ist als in Lindern, hat Pütz bei der Kirche St. Marien in der Geilenkirchener Innenstadt erlebt. Nur mit viel Druck hatte er den Bau eines barrierefreien Eingangs durchsetzen können. Nach jahrelangem Streit werde dieser nun endlich bald fertiggestellt.

Als Vertreter der Landesbehindertenbeauftragten überbrachte Dr. Achim Leon vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales den Dank der Landesregierung. Seit 2012 sei es das Ziel, die Beschlüsse der UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Auch Ortsvorsteher Leonhard Kuhn wünschte sich, dass die Gemeinde nicht nur eine Vorreiterposition, sondern auch eine Vorbildfunktion für andere Kirchen übernimmt.

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