Ein Stück „katholisches Leben“ fällt dem Bagger zum Opfer

Von: Jürgen Klosa
Letzte Aktualisierung:
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Das ehemalige Pfarrhaus und spätere Wohnhaus der Vinzentiner-Schwestern und auch das später errichtete Pfarrhaus existieren nun nicht mehr.

Übach-Palenberg. Wenn man dieser Tage an der katholischen Kirche St. Fidelis in Boscheln vorbeigeht, dann wird man damit konfrontiert, dass diese Kirchengemeinde schon bessere Tage erlebt hat.

Man musste mit ansehen, dass das ehemalige Pfarrhaus, das von 1932 bis 1952 Sitz des Pfarrers war, und spätere Wohnhaus der Vinzentiner-Schwestern, das von 1953 bis 2002 von den Frauen bewohnt wurde, abgerissen wurde. Aber auch das 1953 errichtete Pfarrhaus – circa 30 Meter neben dem Pfarrjugendheim gelegen – existiert nun nicht mehr. Auch hier ließ der Bagger keinen Stein auf dem anderen.

Beide Gebäude wurden Opfer der wirtschaftlichen Neustrukturierung der ehemals sechs selbstständigen Pfarren in Übach-Palenberg, die heute unter dem Dach von St. Petrus Übach-Palenberg zu einer Pfarre zusammengefasst wurden – Stichwort Gemeinschaft der Gemeinden. Der damit verbundene personelle Abbau der Geistlichen beziehungsweise der Weggang der Vinzentinerinnen ließ beide Häuser schließlich überflüssig werden.

Abschied der Schwestern

Vor allem das 1932 gebaute ehemalige Pfarrhaus – links neben der Kirche – stand hier für die Blüte der katholischen Christen in der ehemaligen Bergarbeitersiedlung Boscheln.

Die Vinzentiner-Schwestern haben in den Herzen der älteren Boschelner nach ihrem 62 Jahre dauernden Wirken in Krankenpflege und mit dem Kindergarten viele Spuren hinterlassen. Bis zum Jahre 2000 konnte man sich diesen Ort ohne die rührige Präsenz der Schwestern kaum vorstellen. So wurde Schwester Fides, die mit ihrem Fahrrad zu den Pflegefällen fuhr, zuletzt auch zum optischen Symbol der Schwesternpräsenz in Boscheln.

Nach dem herzlichen Abschied von den Schwestern im Jahre 2002 kam es vielen vor, als sei ein Stück der katholischen Boschelner Seele gegangen. Und nun in diesen Tagen auch deren ehemalige Behausung „sterben“ zu sehen, erfüllte viele mit Wehmut und dem Zurkenntnisnehmen einer unaufhörlichen Veränderung dieser Zeit.

Erinnerungen bleiben

Sicher, man wird die Dinge nicht aufhalten können, aber eine Erinnerung und das Gefühl einer wertvollen Zeit wird bleiben, auch wenn der Segen der Vergangenheit nicht mehr vorhanden ist.

So sorgte der Bagger in diesen Tagen an der katholischen Kirche für das Gefühl, dass man den Wert einer Zeit daran erkennt, wenn sie vorbei ist.

Nachdem dies innerlich eigentlich seit dem Weggang der Schwestern schon der Fall war, sorgte nun also auch optisch der Bagger für eine neue Perspektive.

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