Geilenkirchen-Süggerath - Ein „schwarzes Schaf“ will nicht nur motzen

Ein „schwarzes Schaf“ will nicht nur motzen

Von: Udo Stüßer
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Jetzt sprudelt der Brunnen auf dem Süggerather Dorfplatz wieder, sehr zur Freude von Ortsvorsteher Lars Speuser. Er hat mit dafür gesorgt, dass eine neue Pumpe angeschafft werden konnte. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen-Süggerath. Das Telefon klingelt. Der 24-Jährige meldet sich höflich: „Speuser.“ „Lars Speuser? Sie sind doch . . .“, will der Anrufer fragen. Doch der junge Mann kommt ihm zuvor: „Richtig, ich bin das schwarze Schaf.“ Diesen flotten Spruch hat schon so mancher Anrufer gehört, der die Familie Speuser in Süggerath angewählt hat.

Denn im Gegensatz zu seinem Vater Karl-Heinz und zu seinem Bruder Björn ist Lars Speuser engagiertes CDU-Mitglied. Während Vater Speuser Geschäftsführer der Heinsberger FDP-Kreistagsfraktion ist und der 31-jährige Bruder Björn der FDP-Kreistagsfraktion angehört hat und in diesen Tagen als möglicher neuer FDP-Parteichef in Geilenkirchen gehandelt wird, ist Lars Speuser jüngstes Ratsmitglied in Geilenkirchen und sogar Ortsvorsteher in dem 750-Seelen-Dorf Süggerath.

Dabei fühlt er sich nicht als ambitionierter Jungpolitiker, sondern als junger Mann, der Politik für die Vereine und für seinen Ort machen will. Ein halbes Jahr lang hat Lars Speuser als Austauschschüler in Texas gelebt, ein halbes Jahr seiner Studienzeit verbrachte er in Hamburg. „Aber es hat mich immer nach Süggerath gezogen. Hier bin ich verwurzelt“, sagt er.

„Ich wollte aktiv werden“

1990 geboren, wuchs Lars Speuser in Süggerath auf. Im Ort kannte man ihn als den jüngsten Enkel von Metzger Franz Speuser. Nach der Abiturprüfung am St.-Ursula-Gymnasium absolvierte er seine Grundausbildung bei der Bundeswehr am Rande des Schwarzwaldes, wurde dann aber in die Nie-derheider Selfkant-Kaserne versetzt. Anschließend nahm er ein Studium zum Rettungsingenieur auf, zunächst in Hamburg, später in Köln. Seit seiner Schulzeit ist der Student politisch aktiv. Zunächst engagierte er sich in der Schülervertretung und wurde erster Bezirksschülersprecher im Kreis Heinsberg. In dieser Funktion hat er die Interessen von 30.000 Schülern vertreten. „Ich wollte nicht nur zugucken, und ich wollte nicht nur motzen, ich wollte aktiv werden“, erklärt er, warum er im Jahr 2007 der Jungen Union beitrat. „Von der Grundeinstellung hätten es damals auch die SPD, die Grünen oder die FDP sein können“, sagt er rückblickend. Aber der damalige Geilenkirchener JU-Vorsitzende Daniel Odinius, ein Freund aus der Nachbarschaft, hatte ihn überzeugen können. „Mein Vater hat das damals ganz gelassen hingenommen. Wenn er geahnt hätte, dass ich heute als CDU-Mitglied Süggerather Ortsvorsteher bin, hätte er mich sicher hartnäckiger für die FDP gewinnen wollen“, sagt er rückblickend.

Zunächst zurückhaltend

2009 trat der junge Speuser dann auch in die CDU ein, und bereits 2011 signalisierten ihm führende Köpfe des Stadtverbandes, dass sie gerne seine Kandidatur bei der Kommunalwahl 2014 sehen würden. Der Student zeigte sich noch zurückhaltend, aber spätestens im Jahr 2013, als Speuser den Vorsitz des CDU-Ortsverbandes übernahm, war allen klar: Das ist der neue Stadtratskandidat. Der Newcomer holte gleich vom Start weg das beste Ergebnis der Christdemokraten bei der Stadtratswahl in der ganzen Stadt. Im Wahlbezirk 17 Süggerath-Beeck holte er satte 62,5 Prozent der Stimmen. An zweiter Stelle lag in seinem Wahlbezirk der amtierende Ortsvorsteher Manfred Solenski, der nach den Querelen in der FDP als Einzelbewerber angetreten war, mit 15,2 Prozent. Mit diesem Resultat hatte Speuser das Ergebnis für die CDU in diesem Stimmbezirk erheblich verbessert. Sein Vorgänger, Klaus Dohlen, hatte als Stadtratskandidat bei der Kommunalwahl im Jahr 2009 39,4 Prozent geholt.

In der Feuerwehr

Besonders die Vereine liegen Lars Speuser am Herzen, sehr aktiv ist er selbst in der örtlichen Feuerwehr und im Schützenverein. Er hat aber auch gute Kontakte zum Musikverein, zum Fußballclub, zu den Karnevalisten, zu den Taubenzüchtern, zur Frauengemeinschaft und zu den Betreibern des Jugendheimes. „Für sie mache ich Politik“, betont Speuser, der bei den verschiedensten Veranstaltungen der Vereine von den Bürgern angesprochen werden will und angesprochen wird. Da geht es dann um den Zustand von Straßen und Gehwegen, um Straßenlaternen oder um Probleme bei der Verlegung von Glasfaserleitungen. Als jüngster Ortsvorsteher in der Stadt hat Speuser auch einen guten Draht zu den Jugendlichen, unter anderem über die sozialen Netzwerke.

Von Haus zu Haus

„Vor der Kommunalwahl bin ich von Haus zu Haus gegangen und habe mich vorgestellt. Das möchte ich regelmäßig wiederholen“, will Speuser mehr über die Anliegen der Bürger erfahren. Verstärkt will er auch die Jugend ansprechen und sie für eine Mitarbeit in der Politik oder in den Vereinen gewinnen. „Überall fehlt der Nachwuchs“, bedauert er. Man sieht: Das „schwarze Schaf“ in der Familie und „Nesthäkchen“ in der Reihe schwarzer Stadtverordneter hat sich viel vorgenommen.

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