Ein Schülermagazin mischt die Politik auf

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:

Übach-Palenberg. Für gewöhnlich ist die Zielgruppe einer Schülerzeitung recht exakt abgesteckt. Dem Magazin des Carolus-Magnus-Gymnasiums, das unter dem Namen „Einblicke“ erscheint, ist es offenbar gelungen, mit einem Artikel Kreise zu ziehen, die deutlich über die Grenzen der Schule hinausgehen.

Vergangene Woche veröffentlichte der Chefredakteur Lars Kleinsteuber online eine Polemik, in der er mit Übach-Palenbergs Bürgermeister ins Gericht geht. Dass der Artikel offensichtlich ein kleines Politikum ausgelöst hat, hat nicht nur damit zu tun, dass die Kritik alles andere als zimperlich ausfällt – sondern auch damit, dass Kleinsteuber zugleich Vorsitzender des örtlichen Juso-Verbandes ist, der Jugendorganisation der SPD.

Dieser Umstand rief am Osterwochenende den CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Günter Weinen auf den Plan, der auf der Homepage seines Ortsverbands die „linke Hofberichterstattung“ des Magazins kritisierte und die Frage stellt, ob Kleinsteuber „als Juso-Vorsitzender gehandelt [hat] oder als unabhängiger Schülerzeitungsredakteur“.

Die Frage ist nicht unberechtigt. Denn auf sachlicher Ebene ist Kleinsteubers Text voll auf Parteilinie. Den finanzbedingt rigorosen Grünschnitt in Übach-Palenbergs Straßen greift er ebenso an wie den Verzicht der Stadt, die Fortführung der Schulsozialarbeit aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu beantragen. Auch die Ersteigerung des ehemaligen „Outbaix“-Gebäudes stellt er infrage, Gleiches gilt für das Vorgehen der Stadt bei der Gesamtschul-Kooperation mit der Nachbarstadt Baesweiler – ausnahmslos Themen also, die auch die SPD-Fraktion in den zurückliegenden Wochen und Monaten kritisch angesprochen hat.

Die genannten Inhalte hat Kleinsteuber in eine Polemik geschaufelt, die die Führung im Übach-Palenberger Rathaus in die Nähe eines totalitären Herrschaftssystems rückt. Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch regiere in der Manier eines „absolutistischen Feudalherren“, den Ersten Beigeordneten Helmut Mainz verunglimpft Kleinsteuber als Jungnitschs „Hofnarren“.

In Übach-Palenberg werde Politik gemacht nach dem Motto „Was Wolfgang der Große macht, kann ja so falsch nicht sein“. Auch das Schicksal historischer Machthaber ruft der Autor in Erinnerung: „In der Französischen Revolution hat man gesehen, dass es vielen absoluten Herrschern nicht gut ergangen ist. Manche begingen Selbstmord, manche wurden gehängt, manche sogar geköpft.“

Grenzen des guten Geschmacks

CDU-Chef Günter Weinen stellt fest, dass es ja grundsätzlich eine gute Sache sei, wenn junge Leute die Politik kritisch hinterfragen. „Sie sollen selbstbewusst auftreten und sich dabei nicht so schnell dem sogenannten Mainstream unterordnen. [...] Gleichwohl haben die Herausgeber auch einer Schülerzeitung die Aufgabe und Verpflichtung, die Grenzen des Anstands und des guten Geschmacks nicht zu überschreiten.“ Dieser Grenze sei Kleinsteuber zumindest sehr nahe gekommen. Und dann fehle da die politische Unabhängigkeit – wegen Kleinsteubers Rolle als Juso-Vorsitzender.

Der Autor selbst sagt, dass er mit seinem Text provozieren wollte. Das ist ihm jedenfalls gelungen.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert