Ein kurvenreiches Bett für die Wurm

Von: Franz Windelen
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Ortstermin noch rechtzeitig vo
Ortstermin noch rechtzeitig vor dem Kältehoch: die Kommission mit WVER-Dezernent Robert Steegmans, Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, Baudezernent Hans-Peter Gatzen, Horst Tacken von der Stadtverwaltung, Ulrike Weber vom Planungsbüro und Erfried Lorenz von der WVER (v.r.). Foto: Windelen

Übach-Palenberg. So ändern sich Ansichten und Flussläufe. In den 70er Jahren wurden Millionen Märker darin investiert, fließenden Gewässern ein schnurgerades Betonkorsett zu verpassen, nun heißt die ökologische Devise: Renaturierung. Auch die Wurm bei Übach-Palenberg soll wieder zurück zu Mutter Natur finden.

In ihrem Abschnitt bei Frelenberg ist dies bereits hervorragend gelungen. Nun wird die Wurm zwischen Marienberg und Zweibrüggen ein anderes, ein ebenfalls naturnahes Aussehen erhalten. Die Wurm, deren aktuelle Linienführung an eine Autobahntrasse erinnert, soll bald in Mäandern durch das Tal plätschern. In seichter Tiefe und in deutlich gedrosseltem Tempo.

„Es ist endlich gelungen, den erforderlichen Grunderwerb zu tätigen”, freut sich Diplom-Ing. Robert Steegmans, zuständiger Dezernent beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER), als er das Vorhaben gemeinsam mit seinem WVER-Kollegen Diplom-Ing. Erfried Lorenz, Diplom-Ing. Ulrike Weber vom Ingenieur-Büro Achten und Jansen sowie Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch und Baudezernent Hans-Peter Gatzen und Horst Tacken von der Stadtverwaltung unserer Zeitung vorstellte.

Am Grunderwerb sei das Projekt bislang gescheitert. Die ebenso wichtige Finanzierung ist nach Worten Steegmans auch in trockenen Tüchern: „Das Land bezuschusst die Maßnahme zu 80 Prozent, die restlichen Prozent übernimmt der WVER.” Wichtig ist für Bürgermeister Jungnitsch deshalb die Feststellung, dass die Stadt Übach-Palenberg keinen Euro beisteuern muss. „Die Umsetzung der Maßnahme bei Zweibrüggen dient dazu, die Ziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen”, sagt Steegmans.

Im Klartext heißt das: Mit der Renaturierung der Wurm wird nicht nur das Ökosystem verbessert, sondern es wird auch ein wesentlicher Beitrag zum Hochwasserschutz geleistet. Apropos Hochwasser. „Ich kann den Marienbergern im Bereich der Straßen Sandberg und Am Erbbusch die Sorge nehmen, dass die Renaturierung zu Überschwemmungen der Straßen und Keller führt”, meint Jungnitsch. Den Grund erläutert Lorenz: „Der Bachlauf, künftig mit einer Wassertiefe von 50 Zentimetern und einer Breite von zehn Metern, befindet sich 2,50 Meter unter dem bisherigen Wurmniveau. Die neue Wurm wird sich durch eine Aue winden, die eine Spannbreite von 70 bis 100 Metern aufweist.”

Dieses natürliche Rückhaltebecken kann bis zu 40.000 Kubikmeter Wasser stauen. Um das Areal zu modellieren, müssen 55.000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben werden. 50.000 Kubikmeter davon werden durch die Stadt verkippt; mit den restlichen 5000 wird der alte Bachlauf verfüllt, um auch dort die Natur zurückzuholen.

Die Arbeiten sollen nach Worten von Dezernent Robert Steegmans unverzüglich ausgeschrieben werden. Baubeginn dürfte Mitte Juni sein, so dass Ende dieses Jahres die Renaturierung des Wurmabschnittes abgeschlossen ist. Vor dem Prozedere müssen jedoch zunächst einmal 23 Bäume weichen. „Gesetzliche Abholzfristen müssen beachtet werden”, sagt Baudezernent Gatzen, „deshalb werden die Bäume im Februar gefällt”. Horst Tacken beruhigt eventuell aufgebrachte Naturfreunde: „Im Ausgleich werden 54 neue Bäume gepflanzt.” Mit der Renaturierung sei eine ökologische Aufwertung um 170.000 Ökopunkte (auf rund 300.000) verbunden.

Für Robert Steegmans ist noch ein anderer Mehrwert von Bedeutung: „Es geht vor allem auch darum, dass wir mit der ökologischen Entwicklung dieses Gebietes dem Bürger eine weitere Möglichkeit zur Naherholung bieten.” Der Rad- und Fußweg entlang des alten Bachlaufes wird nach Darstellung von Planerin Ulrike Weber bleiben. Verschwinden wird allerdings die bisherige Wurmbrücke am Ortsende Marienbergs, diese wird in unmittelbarer Nähe über die „neue” Wurm wieder errichtet, eine zweite Holzbrücke entsteht vor Zweibrüggen. Spaziergänger und Radler können von zwei Aussichtspunkten Fauna und Flora im neuen Biotop erleben. Nach Einschätzung Tackens gewinnt das Wurmtal, das seit geraumer Zeit durch die Klangbrücke auch mit dem Dohmen-Park vernetzt ist, an zusätzlicher Qualität.

Auch für Bürgermeister Jungnitsch ist die Renaturierung bei Zweibrüggen ein weitere „Perle in einer Kette”, nämlich in der Aufwertung der Landschaft zwischen Scherpenseel und Übach.

Maßnahme kostet 1,6 Millionen Euro

Das Plangebiet in westlicher Richtung umfasst eine Fläche von 2,8 Hektar. Das mäandrierende Gewässer auf dieser Fläche wird 510 Meter lang sein, die aktuelle schnurgerade Wurmlänge misst 420 Meter, das Flussbett wird mithin um knapp 20 Prozent länger.

Die Aue soll nach Angaben von Diplom.-Ing. Erfried Lorenz an etwa 100 Tagen im Jahr überströmt werden. Der neue Flusslauf bewegt sich mit einem Sohlgefälle von 0,6 Prozent.

Die Kosten für Grundstückserwerb, Bau- und Planungskosten beziffert WVER-Dezernent Robert Steegmans auf insgesamt 1,6 Millionen Euro, 80 Prozent trägt das Land.

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie muss bis 2015 umgesetzt sein, eine Verlängerung bis 2027 ist allerdings möglich. Rund 200 Maßnahmen hat der Wasserverband Eifel-Rur auf der Agenda - unter anderem auch Burg Trips in Geilenkirchen.

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