Ein Jahr lang die Not indonesischer Kinder lindern

Von: Markus Bienwald
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Geht nach Indonesien, um zu helfen: Robin Bischhaus. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Fast scheint es so, als werde momentan eine Generation von jungen Menschen groß, die immer nur vorgeschriebenen Zielen folgen. Besonders angesichts des viel beschriebenen, „einmaligen“ Doppelabiturjahrgangs ergibt sich ein Bild von nun ehemaligen Schülern, die schnell und mächtig in die Berufe und an die Unis drängen.

Robin Bischhaus, der in der Boschelner Fidelisstraße zu Hause ist, sieht das ziemlich kritisch. „Ich habe in meinem Bekanntenkreis gesehen, dass viele die falsche Entscheidung getroffen haben“, sagt der 19-Jährige. 14 Jahre seines Lebens hat er in der Schule verbracht.

Die Tatsache, dass er eine Stufe wiederholen musste, sieht er rückblickend ganz und gar nicht als „Beinbruch“ in seinem Lebenslauf an. „Ich war damals einfach zu faul“, sagt er mit einem Lächeln, „aber das hat mich wirklich wachgerüttelt.“ Schon zwei, drei Jahre vor seinem Abitur, das er in diesem Jahr erlangte, wuchs in ihm aber ein Gedanke, der sich nicht mehr stoppen ließ.

„Ich wollte ins Ausland“, sagt er mit dem Brustton der Überzeugung. Sicherlich, so räumt der junge Mann ein, passiert das auch, um einmal aus der doch engen Welt in Übach-Palenberg herauszukommen. Doch vor allem will er im Ausland auch etwas bewegen. Darum hat er sich über „Weltwärts“, dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienstprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), um einen Jahresdienst beworben. „Bis vor drei, vier Wochen wusste ich noch gar nicht, dass es nach Indonesien geht“, ergänzt er, „aber ich freue mich wirklich auf die neue Aufgabe.“ Schließlich wollte Robin nicht direkt nach der Schule ins Studium wechseln und dort weiterlernen, sondern eigene Erfahrungen sammeln.

Ein Jahr ist natürlich eine lange Zeit, die er von zu Hause weg ist, wo er Freunde nicht treffen kann und in ein völlig neues Umfeld hineinkommt. „Ich bin aber wirklich gut vorbereitet“, berichtet der 19-Jährige von den Seminaren vor seinem Auslandseinsatz, den er am 1. September antreten wird. Auch die Frage, was passiert, wenn man sich dann doch Situationen ausgesetzt sieht, die einen darüber nachdenken lassen, wieder nach Hause zurückzukehren, sind dabei ausführlich besprochen worden. „Auch meine Freunde wissen, dass es eine lange Zeit ist“, so Robin weiter, „aber es gibt ja Internet und Skype und schließlich kann ich immer auch bei meinen Eltern anrufen.“

Sein Interesse für soziales Engagement, das er derzeit noch nicht betreibt, hat er gewissermaßen in die Wiege gelegt bekommen. Seine Eltern sind die Motoren hinter der Übach-Palenberger Tafel, schon früh ist Robin vor neun Jahren immer wieder dabei gewesen. Das hat ihn mitgeprägt, er hat schon als Kind erlebt, wie es Menschen auch in unserer Gesellschaft an den Rand treiben kann. Das wird natürlich in Pekalongan an der Nordküste Indonesiens in Zentral Java, wo Robin in Kürze den Englischunterricht in einem muslimischen Waisenhaus gestalten wird, noch stärker der Fall sein.

Helfen, das liegt ihm, und so will er den Kindern und Altersgenossen in Indonesien zeigen, wie sich das tägliche Leben durch kleine Änderungen vielleicht einfacher gestalten lässt. Die Sprachbarriere will der sympathische 19-Jährige dabei mit Schwung nehmen, auch wenn es noch schwer fällt.

„Ich bin gerade dabei, ein bisschen zu lernen“, sagt er, während er die kleinen Notizzettel immer wieder durchgeht, auf denen die wichtigsten Sachen im alltäglichen Sprachgebrauch stehen. Welches Ziel er allerdings im Spätsommer 2014 hat, wenn er wieder nach Deutschland zurückkehrt, das weiß er noch nicht. „Eine Willkommensparty“, wie seine Mutter Roswitha lachend sagt. Entwicklungshilfe? Eher nicht, schon eher eine Ausbildung als Erzieher oder ein Studium oder einem Schild folgen, das viele gar nicht sehen: „Ich möchte gerne die Ausbildung für eine Montessori-Schule machen, das wäre etwas für mich“.

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