Ein Jahr des großen politischen Umbruchs in Geilenkirchen

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
11475710.jpg
Bei einer Kundgebung der NPD auf dem Marktplatz demonstrierten am 15. August etwa 300 Geilenkirchener Bürger für Toleranz. Foto: Udo Stüßer
11475933.jpg
Geilenkirchen für Toleranz: Viele Menschen haben sich in diesem Jahr ehrenamtlich für Flüchtlinge eingesetzt, beispielsweise bei einem Sprachkurs in der evangelischen Kirche. Foto: Udo Stüßer
11475932.jpg
Immer wieder im Gespräch war der desolate Zustand der Fliegerhorstsiedlung. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Ein politisch so ereignisreiches Jahr hat es wohl noch nicht in der jüngeren Geschichte der Stadt Geilenkirchen gegeben. Zum guten Schluss hat die Stadt mit Georg Schmitz einen neuen Bürgermeister, im Stadtrat sitzen sechs Fraktionen. Und auf die weitere Entwicklung darf man gespannt sein.

Januar

Das Jahr beginnt mit einem Paukenschlag: Uwe Eggert, Ehrenringträger der Stadt Geilenkirchen und ein Urgestein der SPD, erklärt nach 39-jähriger Mitgliedschaft seinen Parteiaustritt. Er ist verärgert über den Umgang miteinander in der Partei und über „weitgehende Untätigkeit“. Ebenfalls im Januar nehmen die ersten Kandidaten das Rennen um das Amt des Bürgermeisters auf: Die Bürgerliste nominiert ihren Fraktionsvorsitzenden Christian Kravanja. Bei der CDU haben vier Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen: der Stadtverordnete Klaus Bales, Ortsvorsteher von Prummern, der Stadtverordnete Manfred Schumacher, Parteichef und stellvertretender CDU-Fraktionschef, Ronnie Goertz, Vorsitzender des Kreissportbundes und parteilos, und Udo Röllenblech, Verwaltungsfachmann beim Kreis Steinfurt. Amtsinhaber Thomas Fiedler hat sich noch nicht entschieden. Ende Januar wählen die CDU-Mitglieder Ronnie Goertz als Bürgermeisterkandidat. Das ist auch eine Niederlage für Parteichef Manfred Schumacher.

 

Februar

Seit der Mitgliederversammlung brodelt es mächtig in der CDU. Der CDU-Stadtverordnete Karl-Peter Conrads bezweifelt die Rechtmäßigkeit des Beschlusses der Mitglieder, die Ronnie Goertz zum Bürgermeisterkandidaten gewählt haben. Beim Kreisvorstand beantragt er, die Wahlentscheidung aufzuheben. Conrads zweifelt unter anderem das korrekte Zustandekommen der Redefolge der vier Kandidaten an, auch seien die Parteimitglieder nicht ausreichend über die Kandidaten informiert worden.

Ende Februar meldet sich Brigadegeneral Jürgen Beyer in Geilenkirchen ab. Der Kommandeur des Zentrums für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr geht in den Ruhestand. Das Kommando übernimmt Brigadegeneral Peter Braunstein.

 

März

Zwei Jahre nach dem Großbrand im Sportzentrum Bauchem wird dem Bauausschuss die Entwurfsplanung zum Neubau des Hallenbades vorgelegt. Für die Pläne des Euskirchener Architekten Heinrich Blass gibt es nur lobende Worte von den Fraktionen. Vertagt wird allerdings aus Kostengründen die Entscheidung über den Bau eines Vereinsheimes.

Die SPD will die „Helden des Alltags“ auszeichnen und lobt einen Sozialpreis für ehrenamtlichen Einsatz aus. Den erhält im Dezember Karl-Heinz Nieren.

 

April

Mit 81 Prozent der Stimmen wird Theresia Hensen zur neuen CDU-Parteichefin gewählt. Manfred Schumacher hat sich nicht mehr zur Wahl gestellt. Von 90 Stimmberechtigten stimmen nur 60 für Wilhelm-Josef Wolff, 58 für Leonhard Kuhn und 73 für Wilfried Kleinen als Stellvertreter. Einen Riss in der Partei sehen sie zu dem Zeitpunkt dennoch nicht. Ende April herrscht Gewissheit: Thomas Fiedler wird nicht mehr für eine zweite Amtszeit kandidieren. Er hat keine politische Unterstützung. „Vielleicht war ich zu unbequem, nicht fügsam genug. Ich habe nicht nach der Pfeife einer Partei getanzt“, sagt er.

 

Mai

Die Grünen haben einen Umweltpreis ausgelobt. Sie vergeben ihn an die Schmecklecker AG der Gesamtschule, an die AWO-Kita am Beamtenweg und an den Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz.

Im Mai gibt der Aktionskreis bekannt: Das große Geilenkirchener Stadtfest, das zum 50-jährigen Bestehen des Aktionskreises geplant war, findet nicht statt. Die Geschäftsleute haben nur wenig bis gar kein Interesse gezeigt. In Geilenkirchen wird viel gemeckert. Auch der Teverener Grillstubenbesitzer Manfred Theves ist von der Politik frustriert und will selbst als Bürgermeister kandidieren. Politisch ist er nie in Erscheinung getreten. Er ist nur aus Frust am Start.

 

Juni

Gutes Essen und musikalische Klänge: Die Culinara, der Musiksommer und ein verkaufsoffener Sonntag sorgen für eine volle Innenstadt. Geilenkirchen hat nun auch den Energiefressern den Kampf angesagt und mit Tina Aldinger eine Klimaschutzmanagerin eingestellt. Sie hat von nun an den städtischen Energieverbrauch fest im Blick. Allerdings kehrt die Stuttgarterin im Spätherbst Geilenkirchen wieder den Rücken.

Geilenkirchens Pfarrer Peter Frisch bittet die Gemeinde um 350 000 Euro. Nach der Brandstiftung soll die Sanierung der Kirche im November abgeschlossen sein. 1,8 Millionen Euro werden investiert. Und der Pastor hat eine lange Wunschliste.

 

Juli

Nachdem CDU-Pressesprecherin Barbara Slupik die Brocken hingeworfen hat, geht der Streit hinter den Kulissen weiter. In einem E-Mail-Verkehr zwischen führenden Christdemokraten ist jetzt von Mobbing, destruktivem Verhalten und mangelnder Geschlossenheit die Rede. Der langjährige CDU-Stadtverordnete Karl-Peter Conrads steht Slupik zur Seite.

Vor sieben Monaten hat er es noch ausgeschlossen, nun hat er sich anders entschieden: Georg Schmitz kandidiert als Bürgermeister. Mit 64 Jahren geht der „Schorsch“ in die Politik. Ende Juli sind sechs Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im Rennen. Neben Ronnie Goertz, Christian Kravanja, Georg Schmitz und Manfred Theves kandidieren Bernd Buse (NPD) und der parteilose Horst Grunert.

 

August

Im August macht wieder einmal die Bürgerinitiative Fliegerhorst-Siedlung Neu-Teveren mobil. Einerseits freut sie sich über die Entwicklung eines städtebaulichen Sanierungskonzeptes. Andererseits klagt sie, dass sich die Situation in der Siedlung immer weiter verschlechtere. Sie prangert Miss-stände an und lädt Politiker und Bürger zur Begehung.

Startschuss zu einem Zwölf-Millionen-Euro-Projekt: Hanno Frenken, Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH, und Architekt Josef Viethen geben im Rathaus den Bauantrag für einen sechsstöckigen Erweiterungsbau am Franziskusheim ab. Derweil plant Bürgermeister Thomas Fiedler, städtische Flüchtlingsunterkünfte zu bauen

.

September

Geburtstagsparty mit edlen Tropfen: Der Aktionskreis besteht 50 Jahre, und das Weinfest im Herzen der Stadt ist wieder ein Volltreffer. Bei der Bürgermeisterwahl am 13. September kommen Ronnie Goertz und Georg Schmitz in die Stichwahl. Die Verantwortlichen des Kreises Heinsberg und des Verifikationszentrums richten mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem Malteser Hilfsdienst und dem Technischen Hilfswerk ein Gebäude der Selfkantkaserne her: 200 Flüchtlinge finden in der Erstaufnahmeeinrichtung eine Unterkunft. Derweil gibt es in Neu-Teveren Widerstand: Zunächst sollten in zehn Häusern der Fliegerhorstsiedlung Flüchtlinge einziehen, jetzt sind es 17.

Sonntag, 27. September: Georg Schmitz triumphiert, die CDU liegt förmlich am Boden. Ronnie Goertz hat die Bürgermeisterwahl verloren. Mit 55,9 Prozent der Stimmen liegt Schmitz klar vorne. Daraufhin fordert Karl-Peter Conrads den Rücktritt der Parteichefin. Und jetzt geht der Knatsch in der CDU richtig los. Und auch die Genossen zerfleischen sich selbst.

 

Oktober

Seit Oktober gibt es eine neue Ratsfraktion. Die aus der CDU ausgetretenen Theresia Hensen, Wilfried Kleinen, Leonhard Kuhn und Wilhelm-Josef Wolff gründen die Fraktion „Geilenkirchen bewegen!“.

Symbolischer Spatenstich zum Bau des neuen Hallenbades: 7,65 Millionen Euro wird es kosten, im Frühjahr 2017 soll es fertiggestellt sein.

Die Verhältnisse im Rat werden immer unübersichtlicher: Manfred Mingers verlässt die Linksfraktion, wodurch diese nicht mehr existiert. Und wieder entsteht eine neue Fraktion im Stadtrat: Gabi Kals-Deußen und Stefan Mesaros, die kurz nach der Stichwahl aus der SPD ausgetreten waren, gründen eine neue Fraktion: „Für GK!“ heißt sie. Derweil raufen sich die 14 verbliebenen CDU-Ratsmitglieder zusammen: Max Weiler wird Fraktionsvorsitzender, Lars Speuser sein Stellvertreter. Und Georg Schmitz wird als Bürgermeister vereidigt.

 

November

Grünen-Chef Jürgen Benden bezeichnet die Gründung von zwei neuen Fraktionen als Betrug am Wähler. 100 000 Euro Kosten würden dadurch entstehen. Behindertenbeauftragter Heinz Pütz kämpft vergeblich um die Barrierefreiheit in der sanierten Kirche St. Marien.

Bürgermeister Georg Schmitz bringt den 60 Millionen Euro umfassenden Haushalt ein.

 

Dezember

Der Aktionskreis sagt überraschend den Neujahrsempfang ab und begründet das mit geringem Interesse der Geschäftsleute.

Marko Banzet ist neuer Parteichef der SPD. Und Michael Thielemann (Links) schließt sich den Sozialdemokraten an. „SPD-Linke“ ist nun die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert