Ein Hauch von „Feuerzangenbowle” auf dem Loherhof

Von: Stefan Schaum
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So sah es aus: Gästeführerin
So sah es aus: Gästeführerin Berti Davids-Heinrichs mit altem Foto des Missionshauses. Foto: Stefan Schaum

Geilenkirchen. Und plötzlich steht man mitten in der „Feuerzangenbowle”. Fehlt bloß noch, dass Heinz Rühmann jetzt reinspaziert und fröhlich ruft: „Pfeiffer. Pfeiffer mit drei F.”

Die engen, hölzernen Sitzbänke und das alte Pult - sieht alles ganz so aus wie in dem Filmklassiker. Diesen alten Physikraum kennen wohl nur die wenigsten Besucher des Loherhofs. Ganz in der Nähe werden Golfbälle abgeschlagen und stehen im Sportpark moderne Fitnessgeräte bereit. Doch hier, in einem nur sehr selten betretenen Raum des ehemaligen Missionshauses, ist die Zeit stehen geblieben. Bei einem Rundgang über das Gelände möchte Gästeführerin Berti Davids-Heinrichs die wechselvolle Geschichte des Loherhofs vorstellen.

Der war mal nicht mehr als ein Bauernhof. Das ist lange her. Im 15. Jahrhundert residierten dort die Herren von Heinsberg. Diesen Teil gibt es noch heute als landwirtschaftlichen Betrieb. Die Familie Briers erbte den Hof 1842. Sohn Johannes, eins von sieben Kindern, wurde Mitglied der Steyler Missionsbewegung und 1888 zum Priester geweiht. Schwer erkrankt, kehrte er auf den Hof zurück und führte dort ein Einsiedlerdasein. Sein größter Wunsch, die Gründung eines Missionshauses, erfüllte sich nach seinem Tod 1924. „Junge Männer konnten hier das Abitur machen und Theologie studieren”, sagt Berti Davids-Heinrichs. Das war gefragt: Zwischen 1925 und 1976 waren insgesamt 2200 Internatsschüler in dem Klosterbau, 323 wurden Priester, 40 wurden Brüder. Auch zwei Bischöfe begannen ihren Weg in dem großen, weitläufigen Bau.

Ab 1960 war das Gebäude ein Aufbaugymnasium für Jungen, bis es 1975 geschlossen wurde. Neues Leben zog mit dem „Eichendorff-Kolleg” ein. Das Land Nordrhein-Westfalen wurde zum Mieter, um Aussiedlern aus osteuropäischen Ländern die Möglichkeit zu geben, das Abitur zu machen. „Zu Spitzenzeiten waren hier 400 Schüler und 40 Lehrer”, sagt die Gästeführerin, die den Charme der alten Korridore und der Kapelle des Gebäudes liebt. Heute ist die Kapelle zur Aula der jüngsten Einrichtung geworden: Vorwiegend aus Asien stammen die Schüler, die im „Freshman Institute” die deutsche Hochschulreife erwerben können. Leben und lernen liegen dabei dicht zusammen. Die 1947 auf dem Gelände gebauten Wohnungen werden heute noch genutzt. Das gefällt Berti Davids-Heinrichs so: Dass hier alte Mauern und moderne Nutzung sich begegnen. „Das hat viel Geschichte und weist doch nach vorn.”

Blickt man aus dem alten Physiksaal, der längst nicht mehr genutzt wird, schaut man auf ein Windrad. Das versorgt mittlerweile den gesamten Loherhof mit Strom. „Hier hat sich wirklich viel getan.”

Die Geschichte des Loherhofs und die heutige Nutzung der Gebäude - inklusive Sportpark und Golfbahn - stellt Berti Davids-Heinrichs bei einem Rundgang über das Gelände am Pater-Briers-Weg vor.

Treffpunktist am Samstag, 15. September, um 18 Uhr das ehemalige Missionshaus an der Zufahrt zum Loherhof. Etwa eine Stunde soll der Rundgang dauern, der bei einem Essen im Restaurant des Sportparks ausklingen kann.

Wer teilnehmen möchte, kann sich unter der Rufnummer 02451/66282 informieren.

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