Ein ganzer Abend für den großen Frédéric Chopin

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
15036647.jpg
Meisterte auch die anspruchsvollsten Stücke seines berühmten Landmanns mit Bravour: Marian Sobula. Foto: Johannes Gottwald
Pianistin Aitong Hou
ie junge Pianistin Aitong Hou trat mittags beim Lunchkonzert in der Schalterhalle der Kreissparkasse auf. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen. „Hut ab, ihr Herren – ein Genie!“ Mit diesen Worten charakterisierte einst Robert Schumann in einem Aufsatz seinen Zeitgenossen Chopin. Zwar gehörte das Schaffen dieses großen polnischen Komponisten fast ausschließlich dem Klavier, aber dennoch blieb er bis heute der wichtigste musikalische Repräsentant seiner Nation.

Da war es legitim, dass Marian Sobula, international bekannter Pianist und Professor an der Universität Krakau, seinem großen Landsmann am zweiten Tag des Klaviersommers Geilenkirchen einen kompletten Abend widmete.

Das Programm begann sogleich mit einem „dicken Brocken“: Das düstere und schroffe Scherzo in h-moll op. 31 stellt nicht nur hohe Ansprüche an den Hörer, sondern bedeutet für jeden Interpreten eine große Herausforderung. Marian Sobula zog sogleich das Publikum in seinen Bann mit einer geradezu atemberaubenden Fingerfertigkeit. Die rasanten Läufe und die wilden Akkordkaskaden wurden mit traumhafter Sicherheit und höchster Präzision gemeistert; hinzu kam aber auch ein höchst sensibles und ausdrucksvolles Spiel, so dass die Komposition zu einem eindrucksvollen und sehr authentischen musikalischen Erlebnis wurde.

Weiter ging es mit den vier Mazurken op. 33, die unverkennbar folkloristischen Einfluss zeigen, aber gleichwohl keine gewöhnliche Tanzmusik sind, sondern eher vielschichtige Charakterstücke. Unwirklich zart erklang unter Marian Sobulas Händen das „Andante spianato“, das stellenweise schon impressionistische Harmonien von Debussy und Ravel vorwegnahm. Eine Serie von resoluten Akkorden leitete zu einer „Grand Polonaise“ über, in der galante Festlichkeit vorherrschte, aber auch pathetische Züge nicht fehlten.

Beschwingte Tanzrhythmik

Nach der Pause begann Sobula mit dem Scherzo in b-moll op. 20, das sich im Gegensatz zu seinem Schwesterwerk deutlich heller und optimistischer gibt, ihm aber im Schwierigkeitsgrad in keiner Weise nachsteht. Chopin folgt hier keineswegs dem formstrengen Scherzo-Typ, den man bei Beethoven oder Schubert kennt. Vielmehr erscheint die dreiteilige ABA-Form nur in groben Konturen, ansonsten lässt Chopin seiner überbordenden Phantasie reichlich Raum.

Leichter und gefälliger gab sich der Walzer in As-Dur op. 34 Nr.1. Aber auch hier hörte man nur in einzelnen Passagen beschwingte Tanzrhythmik, ansonsten überwogen die nachdenklichen Töne. Einen glanzvollen Schlusspunkt setzte dann die Polonaise As-Dur op. 53, die zu den bekanntesten aus Chopins Feder gehört. Ihr leidenschaftlicher Charakter lässt ahnen, dass hier auch das Erlebnis der polnischen Revolution vom Oktober 1830 nachklingt, die dann vom russischen Zaren blutig niedergeschlagen wurde.

In den Polonaisen spiegelt sich der schöpferische Protest des Komponisten gegen die Unterdrückung seines Volkes wider – bekanntlich war Polen damals zwischen Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt. Beim Anhören dieses Werkes konnte man spüren, dass die Polonaisen „in Blumen eingesenkte Kanonen sind“. Auch hier lief Marian Sobula wieder zu Höchstform auf, denn die spieltechnischen Ansprüche sind wiederum enorm.

Am Ende gab es stürmische Ovationen der weit über 150 Zuhörer, so dass – wie schon beim Eröffnungskonzert – wieder zwei Zugaben fällig waren. Zunächst erklang eine schwermütige Ballade, anschließend noch die brillante und leichtfüßige Etüde Ges-Dur op. 10 Nr. 5, die bei den Pianisten gerne als „Schwarze-Tasten-Etüde“ bezeichnet wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert