Ein fliegendes Multitalent zum Schutz der Rehkitze

Von: Georg Schmitz
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Sehen in dem Mini-Helikopter eine echte Chance, unter anderem Rehkitze vor Mäharbeiten zu schützen: Thomas Nacken (l.) und Jagdaufseher Wolfgang Jansen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Was da durch die Luft schwirrte, erregte sofort die Aufmerksamkeit von zwei Fahrradfahrern. Etwas verdutzt hielten sie an, zückten ihr Handy und machten ein paar Erinnerungsfotos von dem fliegenden Gerät.

Das unbekannte „Ding“, das wie von Geisterhand bewegt über das Feld bei Hochheid flog, war ein so genannter Multicopter und gehört Thomas Nacken (41).

Jahrelange Erfahrung

Der Geilenkirchener ist einer der ersten, der mittlerweile alle bürokratischen Hürden überwunden hat und den Mini-Helikopter, der einen stolzen Durchmesser von 80 Zentimetern aufweist, fliegen darf. Und zwar zu gewerblichen Zwecken. Denn Nackens fliegendes Multitalent wird unter anderem für Luftaufnahmen genutzt. Seit über 30 Jahren kennt sich Nacken mit Fluggeräten aus. Viele Jahre zeigte der Pilot seine Flugkünste mit der Fernsteuerung beim Modellflugclub (MFC) Ikarus Geilenkirchen sowie bei vielen Veranstaltungen, auch über die Region hinaus.

Seine jahrzehntelange Erfahrung kam ihm bei den aufwändigen und zeitintensiven Beantragungen der wichtigen Genehmigungen zugute. So hält er nun die Urkunde des zuständigen Luftfahrtbundesamtes in der Hand. Nacken sieht für die Zukunft vielfältige Einsatzgebiete für thermische Aufnahmen. Die Kamera werde beispielsweise in der Forstwirtschaft, bei der Überprüfung von Photovoltaik- und Windkraftanlagen und zur Spurensicherung für die Polizei nach Verkehrsunfällen eingesetzt. „Ich habe die Erlaubnis, überall zu fliegen, muss aber bei bestimmten Überflügen vorher dem Ordnungsamt Bescheid geben“, erzählt der 41-Jährige.

Zum Beispiel, wenn er mitten in einem Ort einen Kirchturm im Auftrag der Pfarre oder eines Dachdeckerunternehmens auf Schäden untersuchen soll. Er muss immer darauf achten, dass er mit seinem Multicopter, den er bis zu einer Höhe von 100 Metern fliegen darf, nicht in den Luftverkehr eingreift. Zudem ist es ihm nicht erlaubt, über Menschenmassen zu fliegen. „Die Bezeichnung Drohne ist verpönt, die hat so etwas Negatives“, sagt Nacken.

Tierschutz voranbringen

Zurück auf das Feld bei Hochheid: Jagdaufseher Wolfgang Jansen versteckt eine Kiste mit besonderem Inhalt – einem lebenden Huhn. Thomas Nacken führt hier einen Test durch, denn sein Multicopter ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Die Übung im Feld hat ihren Grund: Mit der Wärmebildkamera soll das versteckte Huhn auch aus größerer Entfernung noch aufgespürt werden. „Jedes Jahr kommen viele Kitze durch Mäharbeiten ums Leben“, sagt Nacken. Dies soll nun teilweise verhindert werden, in dem die Kitze und auch Fasanengelege aus der Luft aufgespürt werden.

Inklusive der Kamera hat der Multicopter nun ein Abfluggewicht von fünf Kilogramm. Thomas Nacken lässt ihn in etwa 15 Meter Höhe über das Feld kreisen und schaut dabei auf den Monitor, den er auf einem Stativ neben sein Auto platziert hat. Die von der Funksteuerungseinheit vom Boden aus bediente Kamera ist nicht nur umschaltbar von Wärmebild- auf Livebild-Modus, sondern auch drehbar. Das ganze Equipment hat Thomas Nacken immerhin 13 000 Euro gekostet. Nach nur 30 Sekunden zeigt die Kamera eine Wärmequelle mitten im Feld an – es ist das Huhn. Die Generalprobe ist bestanden, wenn ein derart kleines Tier aufgespürt wird, dürfte ein Kitz kein Problem sein.

Jagdschutzbeauftragter Jansen ist hoch erfreut über das gelungene Experiment. Er will nun der Land- und Forstwirtschaft anbieten, ihre bewachsenen Flächen in Zeiten der Kitzgeburten im Mai und Juni vor dem Abmähen mit dem Multicopter absuchen zu lassen. „Damit möchte ich den Tierschutz nach vorne bringen“, sagt Jansen.

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