Ein Farbenspiel „Mit Abstand betrachtet“

Von: Dettmar Fischer
Letzte Aktualisierung:
14518980.jpg
Die großformatige Arbeit „Häutung“ der Künstlerin Carolin Nagel (r.) empfängt die Besucher der Ausstellung „Mit Abstand betrachtet“ im Foyer des Schlosses Zweibrüggen. Jana Rusch (2.v.r.) ist die Ausstellungspartnerin. Foto: Dettmar Fischer

Übach-Palenberg. „Da ist ja wirklich was drauf“, mit diesen anerkennenden Worten umschrieb Professor Dieter Crumbiegel den Übergang von der reinen Bildfläche in ein Objekt. Dieser Übergang ist charakteristisch für die Bilder von Carolin Nagel. Nagel bestreitet zusammen mit Jana Rusch die aktuelle Ausstellung „Mit Abstand betrachtet“ des Künstler-Forums Schloss Zweibrüggen.

Carolin Nagel geizt in ihrer Malerei nicht mit der Farbe. Bei ihrem Bild „Häutung“, auf das Crumbiegel anspielte, ist der Farbauftrag so dick, dass sich tatsächliche eine räumliche Wirkung ergibt.

Dieses räumliche Sehen strebt auch Jana Rusch an. Allerdings geht sie einen anderen Weg. Für Jana Rusch ist der urbane Raum Inspiration. Rusch: „Radfahrer, Fußgänger, der täglich tobende Verkehr, die Wolkenkratzer und die Geschwindigkeit – das aufregend urbane Großstadtleben. Formen, Strukturen und Geschwindigkeiten menschlicher Lebensräume bilden die Grundlage meiner Inspiration und meines Schaffens.“

Wer in den Bildern von Jana Rusch aber Zivilisationskritik zu entdecken glaubt, geht fehl. Sie sagt: „Meine Kunst ist dynamisch, expressiv, lebendig und absolut lebensbejahend.“

Ob die Bilder ihrer Ausstellungspartnerin Caroline Nagel ebenso dynamisch und lebensbejahend sind? Suchen wir einfach mal nach dem Inbegriff für Dynamik: einem Auto. In Ruschs Großstadtbildern taucht das Automobil selbstverständlich häufig auf – bei Carolin Nagel auch, versichert die Künstlerin. Nur finden tut man keines. Caroline Nagel erklärt es. Sie spricht über ihre Arbeitsweise, die sich dem Action Painting nähert.

Beim Action Painting schmeißt der Künstler alles, was ihm in die Finger kommt, in Richtung Leinwand und hofft auf Inspiration. Nagel: „Die zwischen Kontrolle und Zufall pendelnde Arbeitsweise ermöglicht mir, neue unvorhergesehene Bildkompositionen zu schaffen.“ Caroline Nagel kam auch ein Spielzeugauto in die Finger. Und wenn man dann noch auf das entsprechende Bild hingewiesen wird, findet man auch die Reifenspuren des Autos in dem Bild „Waldeck“. „Waldeck“ gehört zu einer kleinen Serie „Waldmeister – Walddorf – Waldeck“.

Eine sehr schöne Serie mit kleineren Arbeiten hat Caroline Nagel „Die Kinder Lucifers“ betitelt. Man sieht eine Eule, den Teufel und ein Männlein mit Schweinekopf. Ein größeres Werk trägt den Titel „Reinkarnation“. So drängt sich der Eindruck auf, der Begriff „lebensbejahend“ werde hier vielleicht eher hinterfragt. „Asche und Staub“ erinnert fast ein wenig an einen frühen Anselm Kiefer, der auch nicht unbedingt zur fröhlichen Malergeneration zählte. Feldfurchen ziehen sich hier weit übers Bild.

Jana Rusch hat eine Erfindung gemacht: Ihre urbanen Bildmotive malt sie auf PVC-Folie. Der Farbauftrag erfolgt auf beiden Seiten der Folie. So entsteht ein 3-D-Effekt, aber auf eine ganz andere Weise als etwa beim Farbschichtenauftürmen von Carolin Nagel. Ruschs Bilder sollen dynamisch und leicht wirken. Um diesen Effekt zu erzielen, hat die Künstlerin lange experimentiert, bis sie den gewünschten Effekt auf PVC-Folie realisieren konnte.

Geografische und malerische Elemente finden sich in ihren Bildern. Rusch studierte Wirtschaftsgeografie und bereiste die großen Städte des Planeten. Rusch: „ Letztendlich interpretiere ich malerisch Landkarten, Landkarten in sehr unterschiedlichen Maßstäben. Ich bin stets auf der Suche nach Lebendigkeit und Leichtigkeit in meinen Arbeiten.“

Professor Dieter Crumbiegel: „Ich gestehe, dass mich diese Ausstellung der beiden jungen Malerinnen in besonderer Weise anspricht, ja begeistert. Das liegt daran, dass ich zu diesen Bildern der Farbe ein besonderes Verhältnis habe, arbeite ich doch in meinen eigenen Bildern an eben diesem gleichen Phänomen, der unergründlichen Emotion und Information der Farbe und ihrer Systematik.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert