Geilenkirchen - Ein Falkner, der Greifvögel pflegt und auswildert

Ein Falkner, der Greifvögel pflegt und auswildert

Von: Georg Schmitz
Letzte Aktualisierung:
Falkner und Jäger Ulli Jansen
Falkner und Jäger Ulli Jansen gibt dem Habicht im Feld zwischen Hochheid und Süggerath die Freiheit wieder, nachdem er den Vogel gesund gepflegt hatte. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Jagd und Naturschutz gehören ganz eng zusammen”, sagt Ulli Jansen. Der technische Angestellte muss wissen, wovon er redet, denn einerseits ist er passionierter Jäger, anderseits hegt und pflegt er kranke und verletzte Greifvögel.

Vor 40 Jahren absolvierte der in Grotenrath lebende Ulli Jansen seine Falknerprüfung, acht Jahre später folgte die Prüfung zum Jäger. „Die Jägerprüfung ist heute Voraussetzung für die Falknerausbildung”, geht er auf die Veränderungen in den zurück liegenden Jahren ein.

Als Falkner hat Ulli Jansen anfangs auch Greifvögel gehalten und gezüchtet. „Der Falke jagt alles was fliegt”, weiß der Grotenrather aus Erfahrung. In Städten würden Falken auch zur Taubenjagd eingesetzt, um deren Population niedrig zu halten.

Heute züchtet Ulli Jansen nicht mehr, dafür bringen ihm viele Menschen aber verletzte Tiere: „Zwei- bis dreimal im Jahr landet ein verletzter Greifvogel bei mir.” So wie vor ein paar Tagen wieder. Der Experte schaut auf den Habicht, den er jedoch an diesem Tag wieder in die Freiheit entlässt.

Den glücklicherweise nur leicht an einer Schwinge verletzten Vogel vermittelte Wolfgang Jansen. Der Leiter des Geilenkirchener Bauhofes und ebenfalls passionierte Jäger bekam den Raubvogel von einem Landwirt aus Süggerath, und der hatte den Habicht auch gerade erst gefunden.

„Schau mal, was ich im Auto habe”, hatte der Süggerather zu Wolfgang Jansen gesagt, als er am Bauhof in Niederheid vorfuhr. Schon nach drei Tagen hatte sich der Habicht in der großen Voliere bei Ulli Jansen wieder erholt, seine offensichtliche Prellung war abgeklungen.

Meistens erholen sich die Greife schnell. Ulli Jansen beobachte sie dann eine Zeit, und wenn sie ganz gesund sind, wildert er sie wieder aus. Bei schwerwiegenderen Verletzungen habe ein Greifvogel auch schon mal ein paar Wochen Ruhe nötig. „Vom ersten Tag an hat der Habicht hier auch schon gefressen”, ist der Falkner mit der Entwicklung seines Schützlings zufrieden. Überwiegend Schlachttauben werden für die Ernährung der Greifvögel verwendet.

Unterstützung hatte der Grotenrather in einem Tierarzt aus der Eifel gefunden, der die verletzten Greifvögel kostenlos behandelt hatte. Leider ist der Tierarzt gestorben. Aber die „Pflegefälle” dürften kaum weniger werden. Ulli und Wolfgang Jansen erwarten eine steigende Zahl von Greifvögeln in unserer Region. Besonders Bussarde gebe es jetzt, in der kalten Jahreszeit, auch bei uns zu Hauf. „Da sind viele ,Gäste aus dem Norden dabei, die hier im Westen überwintern”, weiß Ulli Jansen.

Der Schutz wird akzeptiert

„Wir akzeptieren, dass die Greifvögel geschützt sind und würden die Tiere niemals töten”, sagt er weiter. Er weiß allerdings auch ob der „schwarzen Schafe”, welche die Jägerschaft in Verruf bringen würden. „Solche Einzelfälle schaden uns Jägern ungemein”, sind sich beiden Fachleute einig.

Zwischenzeitlich sind Wolfgang und Ulli Jansen am Elsenbusch zwischen Hochheid und Süggerath angekommen. Hier, in der Nähe des Fundortes, schenkt der Falkner dem jungen weiblichen Habicht die Freiheit wieder. Der Vogel ist erst in diesem Jahr geschlüpft, erkennt er am hellbraunen Gefieder mit den dunkelbraunen Tropfen.

Wenn ein Habicht älter wird, ist der vordere Brustbereich weiß mit schwarzen Querstreifen. Ein Bussard wirkt körperlich größer, aber ein Habicht ist kräftiger. Der Turmfalke ist der kleinste unter den Greifvögeln, die er hier und da in Pflege bekommt.

Ulli Jansen hat seinen jüngsten Pflegefall mittlerweile aus dem Auto genommen. Noch krallt sich der Habicht in die den Falkner schützenden Handschuhe. Die Sicht ist dem Vogel zudem noch durch eine kleine Kopfhaube genommen.

Erst im Feld entfernt Ulli Jansen die Sichthaube - und schon eine Sekunde später erhebt sich der Habicht in die Lüfte. Er dreht noch eine letzt Runde über Wolfgang Jansen und schwebt dann majestätisch in Richtung Wald davon, um hier in einer Baumspitze zu landen. Ein guter Abschluss, für Falkner und Greifvogel.
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