Ein Einblick in die Tiefen der russischen Seele

Von: Christina Kolodzey
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Das siebenköpfige Ensemble der Maxim Kowalew Don Kosaken begeisterten im Altarraum der Erlöserkirche und ließen die Zuhörer im ersten Teil des Konzertes in ein faszinierend spirituelles Ritual orthodoxer Kirchengesänge eintauchen. Foto: Christina Kolodzey

Übach-Palenberg. Musik ist universell – sie überschreitet Grenzen, verbindet Völker. Besonders in Zeiten mit Spannungen zwischen einzelnen Staaten kann sie das Kunststück vollbringen, Verständnis für die andere Seite zu wecken. So gelang es den Maxim Kowalew Don Kosaken, Menschen weit entfernt von ihrer Heimat einen Einblick in die russische Seele zu geben.

Die künstlerische Leitung des Chores, der aus sieben studierten russischen Musikern im Alter von 30 bis 55 Jahren besteht, obliegt dem Gründer Maxim Kowalew, einem Diplomsänger mit deutschen und russischen Wurzeln. Sein Chor lässt das musikalische Erbe der Kosaken, früher Gemeinschaften freier Reiterverbände mit legendären Reitkünsten, auf technisch brillantem Niveau wieder aufleben. Der Name „Kosak“ bedeutet in etwa „freier Krieger“, und die „Don Kosaken“ lebten als zahlenmäßig größte Untergruppe am Don. Für die Aufnahme in ihre Reihen war die Zugehörigkeit zum orthodoxen Glauben obligatorisch, daher besteht das Repertoire des Chores traditionell aus sakralen Gesängen der russisch-orthodoxen Liturgie, ergänzt durch alte russische Volksweisen.

Mit polierten Stiefeln

Pfarrerin Angelika Krakau begrüßte die zahlreichen Gäste und gab mit den Worten „Meine Herren, die Kirche ist frei für Sie!“ den Startschuss für den fast zweistündigen Auftritt des Vokalensembles. Mit blitzblank polierten Stiefeln, schwarzen Uniformen und braunem Koppelzeug war schon der Einmarsch imponierend: Entschlossen schritten die Sänger durch das Hauptportal zur Altarempore und stellten sich auf. Äußerst stimmgewaltig, doch mit viel Gefühl, ließen sie sodann die Zuhörer im ersten Teil des Konzertes in ein faszinierend spirituelles Ritual orthodoxer Kirchengesänge eintauchen und deren berührende Schönheit und Tiefe erleben.

Professionell stimmten sie sich vor jedem Lied mit Hilfe einer Stimmgabel neu ein, und ein Mitglied des Chores sagte die Titel in gebrochenem Deutsch an. Die Zuschauer beeindruckte vor allem der vollkommende Gleichklang der Stimmen, die sich zu einem einzigartigen Ganzen zusammenfügten. Besonders die ersten Reihen konnten die Kraft, die hinter den Stimmen steckte, durch Vibrationen im Körper richtig fühlen. Bei den Soloparts trat der jeweilige Solist in die Mitte vor, während die übrigen den Background bildeten und Hintergrundmelodien summten.

Die meisten Lieder wurden auf Russisch dargeboten, auch das „Vater unser“ fehlte nicht, doch das „Halleluja“ im Refrain mancher Titel brauchte keine Übersetzung. Ob „Alte Klosterlegende“, „Abendglocken“, „Ave Maria“, „Ich bete an die Macht der Liebe“ oder „Auf viele Jahre!“ – sein ambitioniertes Ziel „betend zu singen und singend zu beten“ erreichte der Elitechor mühelos, und eine eigenartige, schwermütige Magie fesselte die Besucher – teilweise zu Tränen gerührt –, so dass sie jedes Lied mit reichlich Applaus bedachten.

Nach einer kurzen Pause, die viele zum Kauf von CDs nutzten, ging es mit teils besinnlichen, teils fröhlichen Volksliedern und einem osteuropäischen Knopfakkordeon, dem sogenannten „Bayan“, weiter. Mit technischer Brillanz und vor allem ohne jegliches elektronisches Dazutun füllten nun verträumte und zu Herzen gehende Weisen wie „Einsam klingt das Glöcklein“, vorgetragen von einem jungen Tenor, und „Ein junger Kosak spaziert am Don“, aber auch rasante Rhythmen das Kirchenschiff.

Das „Graue Pferd“ – man meinte es vor seinem geistigen Auge ungestüm galoppieren zu sehen – begleiteten die Zuhörer mit rhythmischem Klatschen. Mit viel Schwung und sichtlicher Sangesfreude folgte ein wildes „Schneegestöber“ und lebhafte, lustige Kosakenmärsche, bei denen die Besucher sichtlich Spaß hatten. Das „Tüpfelchen auf dem i“ kam zum Abschluss mit „Kalinka“: Jetzt klatschten die Zuschauer den Takt nicht nur mit, sondern stampften kräftig mit den Füßen. Mit brausendem Applaus und stehenden Ovationen bedankten sie sich bei den russischen Gästen für dieses grandiose Konzert.

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