Übach-Palenberg - Ein doppeltes Dach für die Karlskapelle

Ein doppeltes Dach für die Karlskapelle

Von: Markus Bienwald
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Dieter Zilgens gewährt Einlass. In seiner Hand: Das ist noch nicht einmal der größte Schlüssel, der bei der St. Petruskapelle zum Einsatz kommen kann. Foto: Markus Bienwald
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Ein mittlerweile gewohnter Anblick für die Palenberger Bürger ist die eingerüstete St. Petruskapelle ohne feste Dachbedeckung.
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Ein Blick unters Dach: Die Dachkonstruktion der Kapelle ist zweifach verstärkt.

Übach-Palenberg. Langsam, ganz langsam müssen sich die Pupillen erst mal wieder verkleinern. Denn wer nach einem ausgiebigen Besuch aus der im Volksmund „Karlskapelle“ getauften St. Petruskapelle herauskommt, muss sich erst einmal wieder sachte an das Außenlicht gewöhnen, so dunkel ist es drinnen.

Die Augen der Palenberger Bürger haben sich allerdings schon seit etwas mehr als zwei Jahren an das derzeitige Aussehen des historischen Kirchengemäuers gewöhnt. Das Gerüst ist in dieser Zeit schon zu etwas wie einem Symbol des Umbaus geworden, und auch das nicht eingedeckte Dach ist ein mittlerweile gewöhnter Anblick.

Das will Dieter Zilgens natürlich nicht so stehenlassen. Denn gemeinsam mit Pastoralreferent Norbert Franzen kümmert er sich federführend um die zwingend notwendigen Sanierungsarbeiten in dem Sakralbau. „Die herrschenden Temperaturen machen uns derzeit ein wenig Probleme“, sagt Zilgens und zeigt auf das Dach, das schon eine neue Unterhaut trägt, aber die notwendigen Schieferschindeln können noch nicht aufgelegt werden.

„Die Schindeln müssen direkt vor dem Einbau noch einmal bearbeitet werden, und dafür ist es zu kalt, denn das spröde Material könnte dann zerstört werden“, hebt Zilgens die Schultern. Das ist nicht das einzige Problem, mit dem er sich derzeit beschäftigen muss.

Neben den immer wieder an ihn herangetragenen Fragen, wann denn endlich mit der Fertigstellung der aktuellen Baumaßnahmen gerechnet werden kann, treiben ihn auch die immer wieder auftretenden Überraschungen dieses kulturellen Erbes Sorgenfalten auf die Stirn. „Nach dem Krieg ist auch mit Notmaterialien ausgebessert worden“, nennt er einen Schwachpunkt.

Ein zweiter datiert aus den 1960er-Jahren, als – auch wegen unübersehbarer Bergbauschäden – ein Teil der Kapelle zwangssaniert werden musste. „Das Dach war wellig und heute ganz selbstverständliche Unterkonstruktionen teilweise gar nicht vorhanden“, zeigt er auf eine weitere Schwachstelle.

Bei einem selten gewährten Blick unters Dach einer der ältesten Taufkapellen in der Maasregion offenbart sich, warum die Bauarbeiten so lange dauern. „Minimal dimensioniertes Gebälk, das zugleich erhalten werden musste und einen neuen Dachstuhl aufgenommen hat, forderte immer wieder Maßanfertigungen von den beteiligten Handwerkern“, beschreibt der mittlerweile zum Kapellenfachmann gewordene Kirchenvertreter den Alltag auf der Baustelle.

Durch ständig notwendige Spezialanfertigungen wuchsen natürlich auch die Kosten: 19.000 Euro waren bei der ursprünglichen Kalkulation für die Spezial-Holzbauer vorgesehen, knapp 60.000 Euro sind es dann geworden. Und die Kosten, beispielsweise für eine nicht zu kalkulierende längere Standzeit des zwingend benötigten Gerüsts, laufen weiter.

Wegen der Kleinteiligkeit der gesamten Sanierung, die so nicht absehbar war und immer kleinere Bauabschnitte forderte, damit das Dach der Kapelle nicht einfach einstürzte, steigen ebenfalls die Kosten. „Dazu kommt, dass wir vor jeder Maßnahme alle Beteiligten zu einer Besichtigung bitten mussten“, berichtet Zilgens weiter. Denkmalbehörde, Baufirmen, das Bistum: Da kommt eine ganz schön lange Liste von Zuständigkeiten zusammen, die auch terminlich unter einen Hut gebracht werden müssen.

Alte Balken durften im Übrigen nicht einfach herausgenommen werden. „Bei einem der ältesten Dachstühle im Bistum wurde jedes Stück Holz einzeln begutachtet“, weiß Zilgens.

Herausgekommen sind jetzt im Grunde genommen zwei Dachstühle: Einer, der allen Anforderungen für die kommenden mindestens 100 Jahre entspricht und einer, der noch die Originalbalken, so weit sie zu erhalten waren, enthält. Dazu musste beigemauert werden, damit die erste richtige Sanierung des Daches in der gut 1000-jährigen Geschichte der Kapelle fertig war.

„Fertig“ ist übrigens so ein Wort, das nicht in Dieter Zilgens‘ Bild der Petruskapelle passen will. „Wenn das Dach mal eingedeckt ist, gibt es noch genug zu tun“, ist Zilgens sicher. Die Fassade muss einen neuen Anstrich bekommen, die Fenster dürften erneuert werden, und auch Beleuchtungskonzept, Inneneinrichtung und der Erhalt der historischen Fresken stehen auf einer langen Wunschliste.

Interessant sind vor allem die Wandmalereien, die nur schemenhaft erkennbar sind, lange unter vielen Farbschichten verborgen waren und ihre Konturen erst seit den 1960er-Jahren zeigen dürfen. „Doch das alles sind Projekte für die Zukunft“, schließt Zilgens die dicke Bauakte und hofft, dass es noch ein bisschen wärmer wird.

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