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Ein Blatt mit Kleinanzeigen, Familienteil und Nazi-Propaganda

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Die Kumpel der Grube Anna um 1897. Foto: Archiv Jürgen Klosa

Übach-Palenberg/Alsdorf. Im Jahre 1933 – kurz nach der Machtergreifung der Nazis – entstand eine Zeitung, die den Stellenwert und den Chorgeist der Bergleute des Aachener Reviers stärken sollten.

Alle 14 Tage wurde in den EBV-Zechen Anna I und II, Maria, Eschweiler Reserve, Gouley, Laurweg, Adolf, den EBV-Kokereien, der EBV-Hauptverwaltung sowie den Zechen Carl-Alexander, Carolus Magnus und Sophia-Jacoba diese Zeitung den Bergbaubeschäftigten kostenlos zur Verfügung gestellt.

Viel Wert wurde auf die Mitarbeit der Bergleute gelegt, was sich in vielen Gedichten oder Geschichten zu unterschiedlichsten Themen äußert. In jeder Ausgabe gab es eine Rubrik mit Familiennachrichten, in denen die Eheschließungen, Geburten oder auch Sterbefälle aus den Betrieben bekanntgemacht wurden. Allein die Nennung der tödlich Verunglückten dürften die offiziell vorliegenden Totenlisten um einige Namen erweitern.

Themen wie Grubensicherheit, Reiseberichte, Humor und Witziges, Geschichten aus dem Bergbaualltag, Hausfrauentipps, die politischen Einschätzungen dieser Tage, Reichsberufswettkämpfe, Themen rund um Knappschaft und Soziales, Bergbaugeschichte oder auch der umfangreiche Kleinanzeigenteil spannen ein enges Band zwischen dem Leser und der Redaktion.

Fast völlig verschwunden

Umso verwunderlicher ist, dass diese Zeitung so gut wie vollkommen aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden ist. Weder Geschichtsvereine noch andere Bergbauliebhaber verfügen über nennenswerte Bestände. Vereinzelt gibt es zwar noch Exemplare, etwa die Sondernummer zum 100-jährigen Jubiläum des EBV im Jahre 1938, aber ansonsten ist diese Zeitung aus dem historischen Gedächtnis verschwunden.

Somit kehrte diese Zeitung dank der Initiative von Jürgen Klosa aus Übach-Palenberg wieder in ihr ursprüngliches Revier zurück, da sie ja vorher in dieser Region nirgendwo zu finden war. Bei der „Fahndung“ nach dieser Zeitung stellte er fest, dass nur noch in Berlin und Leipzig eine Gesamtausgabe existiert, und hat sich deshalb die Mühe gemacht, die 1232 Seiten an dafür vorgeschriebene Orte zu sichten und zu analysieren.

Das Ergebnis war ein interessanter Blick in die Bergbaugeschichte der Vorkriegszeit. Diese Analyse – festgehalten in einer Computer-Datenbank – gestattet es, die Berichte von und über allen Gruben des Aachener Reviers mit der jeweiligen Seite beziehungsweise Ausgabe zu benennen und lässt damit neue Rückschlüsse oder Fakten dieser Gruben ohne zeitaufwendige Sucharbeiten zu.

Im Rahmen eines Erzählabends der Grube Adolf heute um 19 Uhr in Merkstein (Floeßer Straße) will Jürgen Klosa diese in Vergessenheit geratene Zeitung wieder zum Leben erwecken, quasi wie wenn man ein versunkenes Schiff wieder an die Oberfläche holt.

Zwar ist die Zeitung auch ein eindeutiges Sprachrohr des NS-Regimes, jedoch bleibt dennoch viel Platz für bergbauspezifische und bergbaugeschichtliche Fakten und Gegebenheiten. Man darf auf zahlreiche Beispiele gespannt sein, die die Zechen des Aachener Reviers zwischen 1933 und 1939 wieder lebendig werden lassen.

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