Ein Baum aus der Normandie erinnert an Jugendfahrten

Von: Barbara Hamacher
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Michel Rademacher, Dieter Böhm und Willi Schürgers (von links nach rechts) nehmen die über 40-jährige Rotbuche als Anlass, um in Erinnerungen an die langjährige Tradition der Jugendfahrten der Pfarrgemeinde St. Nikolaus zu schwelgen. Foto: Barbara Hamacher

Gangelt. Was aus einer fruchtbaren Jugendarbeit alles erwachsen kann, zeigt sich im symbolischen Sinne am Ausmaß einer mehr als 40 Jahre alten Rotbuche auf einem Grundstück an der Gangelter Franz-Savels-Straße.

Michel Rademacher, Gangelter Urgestein, der den Baum 1971 gepflanzt hat, erinnert sich beim Anblick des 20 Meter hohen Baumes mit einem Stammumfang von über zwei Metern: „Ich habe damals 15 bis 20 junge Pflanzen von unserer Jugendfahrt nach Dieppe in der Normandie mitgebracht. Nur aus dieser einen ist etwas geworden.“ Er selbst wundert sich jedoch auch über das heutige Ausmaß des Baumes: „Ich habe die Pflanzen im Spätsommer gesetzt, das ist ja nun wirklich nicht die richtige Zeit, um Bäume zu pflanzen.“

Zusammen mit Willi Schürgers und Dieter Böhm hat er fast 20 Jahre lang Urlaubsfahrten für die Jugendlichen der Pfarrgemeinde Gangelt organisiert. Das Trio nimmt das heutige Ausmaß des Baumes als Anlass, um in Erinnerungen an die vielen Fahrten, die Erlebnisse und die damals jungen Teilnehmer zu schwelgen. Schürgers freut sich, als er den Baum in Rademachers Garten erblickt. Direkt fallen den drei Gangeltern Geschichten und Anekdoten ein: Da war ein schlimmer Liebeskummer, bei dem die Drei nur gemeinsam helfen konnten. Da waren die für die damalige Zeit modernen Messen, die Pater Raes mit den Jugendlichen gefeiert hat; und man lernte die Kulturen, Sitten, Gebräuche und sanitären Einrichtungen anderer Länder kennen.

Auch auf die erste Jugendfahrt der Pfarrgemeinde, die damals nach Terschelling ging, blicken die Drei lachend zurück: „Das war ein sehr holpriger Start. Wir sind quasi in einem Kuhstall gelandet. Die jungen Mädchen wollten dort gar nicht übernachten und am liebsten direkt wieder nach Hause.“ Das wusste Rademacher aber zu verhindern, indem er mit ihnen abmachte, zunächst eine Nacht zu überstehen und dann weiterzusehen. Am nächsten Tag hatten die Jugendlichen schon so viel Spaß gehabt, dass nach Hause zu fahren gar kein Thema mehr war.

Nach dieser ersten Fahrt ging es jedes Jahr für ein bis zwei Wochen mit Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren an verschiedene Orte. Böhm erinnert sich an eine Fahrt nach Finnland: „Die Reise nach Finnland war etwas ganz Besonderes: Wir sind mit dem Zug bis Stockholm gefahren und haben von dort aus die Fähre nach Helsinki genommen.“

Freizeit sinnvoll nutzen

Ziel der Fahrten war, den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, andere Orte, Landschaften und Kulturen kennenzulernen und zu zeigen, wie sie ihre Freizeit sinnvoll nutzen können: Es wurden Badminton- und Volleyballturniere und viele andere Spiele organisiert, Wanderungen gemacht und Städte besichtigt. „Dabei haben wir auch die Gangelter Kultur transportiert“, sagt Schürgers lachend, „denn die Gruppe war immer was ganz besonderes, da sich alle Teilnehmer und Betreuer schon kannten, weil sie aus der hiesigen Pfarrgemeinde stammten.“

Heute sind die damaligen Teilnehmer verheiratet und haben selbst Kinder. Die meisten wohnen noch in Gangelt. Rademacher, der die kleinen Pflanzen damals in Plastiktüten mit Wasser im Bus mit nach Gangelt nahm, sagt: „Der Baum zeigt uns, welche Früchte die damalige Jugendarbeit noch heute in Gangelt trägt.“

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