Eier, Lämmer, Feuer: Bräuche und Traditionen rund ums Osterfest

Von: Andrea Schever
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Hasen und bunte Eier gehören einfach dazu. An diesem Wochenende hat der Osterhase viel Arbeit mit dem Verstecken der bunten Eier. Jede Farbe hat ihre eigene Bedeutung. Foto: Andrea Schever
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Die kleinen Lämmer als Symbole für Jesu Christi Auferstehung gehören genau so zum Osterfest wie der Hase. Foto: Andrea Schever

Geilenkirchen. Es gibt sie aus Schokolade, aus Teig, einfarbig, mehrfarbig oder gefüllt – von überall her strahlen seit Wochen Osterhasen und Ostereier die Kunden an. Aber was haben die niedlichen Hoppler und die Eier eigentlich mit Ostern zu tun? Auf wen geht das Fest zurück? Und welches Ei schenkt man wem?

Von den über 240 Millionen Eiern, die deutschlandweit in diesen Tagen versteckt, verschenkt und verspeist werden, hüllen sich die meisten in ein buntes Kleid. Ob rot, gelb, grün, blau oder kunterbunt: Mit viel Liebe entstehen kleine Kunstwerke, die schon fast zu schade zum Essen sind.

Bereits im 17. Jahrhundert berichtete Professor Georg Franck von Frankenau in einer medizinischen Abhandlung von der ausgeprägten Kultivierung der Oster(hasen)-Traditionen, warnte aber auch vor den unschönen Folgen eines übermäßigen Eierverzehrs. Forscher der Universität Cambridge fanden sogar Überreste eingefärbter Straußeneier in Südafrika, deren Alter auf etwa 60.000 Jahre datiert wird.

Die Bedeutung der Farben variiert je nach Kulturkreis, jedoch steht Rot meist für Jesus Christus oder für die Liebe. Die grünen Eier stehen für Jugend, gelbe für Weisheit. Blaue sollen laut Aberglauben Pech bescheren – ob dies belegt ist, bleibt offen.

Grundsätzlich ist das Ei jedoch ein Symbol für Fruchtbarkeit, Auferstehung, die Unendlichkeit und für das Leben. Das Ei hatte jedoch auch einen praktischen Nutzen: Als vor einigen hundert Jahren Abgaben für Ländereien an Klöster noch in Form von Naturalien geleistet wurden, gab es im Frühjahr das Zinsei. Die in der Fastenzeit gesammelten Eier dienten als Zahlungsmittel, wurden von den Geistlichen gesegnet und zum Osterfest an die Armen verteilt.

Den Anlass und Ursprung des Festes begründet die katholische Kirche mit der Auferstehung Jesu Christi. Der englische Kirchenhistoriker Beda Venerabilis sah im 8. Jahrhundert den Ursprung von Ostern hingegen in Verbindung mit der Göttin Ostara. Offenherzig von der Bevölkerung aufgegriffen, entwickelte sich ein ganzer Kult um diese Göttin, deren Tier der Hase und deren Speise das Ei war.

Heutige Historiker sehen diese Herleitung kritisch. Eine Vermischung verschiedener Gottheiten wird als wahrscheinlicher gesehen. Darüber, wer die begehrten Osterpräsente versteckt, sind sich die Deutschen lange Zeit nicht einig gewesen: In Thüringen brachte früher der Storch die Ostereier, in Westfalen war es der Fuchs, und in Luzern machte sich der Kuckuck auf den Weg. Mancherorts erzählte man den Kindern auch, dass die aus Rom zurückkehrenden Kirchenglocken die Geschenke verteilten.

Kreativ zeigten sich die Menschen auch dabei, welche Wirkung sie den Eiern zusprachen: Wenn ein Bauer wollte, dass es seinen Kühen gut erging, vergrub er auf der Weide ein paar Schalen der gesegneten Eier. Ebenso zahlreich wurden die Eier zur Abwehr des Bösen unter Türschwellen vergraben.

Zum Osterfrühstück gehört bei vielen das Eiertitschen: Ein Wettstreit, bei dem das eigene hartgekochte Ei beim Zusammenschlagen mit dem des Gegenübers nicht zu Schaden kommen soll. In anderen Regionen gehören Bräuche wie das Eierrollen und -werfen zu den Feiertagen.

Ein neben dem Hasen ebenso untrennbar zu Ostern gehörendes Tier ist das Osterlamm. Die zierlichen Jungtiere wurden vor allem wegen der Symbolik für Jesu Christi Auferstehung zu einem der klassischen Ostermotive. Junge Schafe als Opfertier kannte schon Jesus in Verbindung mit dem Pesach-Fest der Juden – von daher liegt es nicht fern, dass Jesus in seiner Opferung für alle Menschen ebenfalls als Lamm, das eine Siegesfahne (Sieg über den Tod) hält, versinnbildlicht wurde. In Gedenken daran wird zum Ostersonntag häufig ein Lamm aus Brot- oder Kuchenteig gebacken.

Eine für das „Triduum paschale“ (die drei österlichen Feiertage) zentrale Rolle nimmt das Osterfeuer in der Nacht auf den Ostersonntag ein. Zusammen mit der besonders feierlichen Liturgie dieses Tages markiert es das Ende der vierzigtägigen Buß- und Fastenzeit, die bereits 384 beim Theologen Hieronymus belegt ist.

Einige Forscher vermuten, dass dieses Feuer ebenfalls eine Übernahme heidnischer Traditionen ist: Die Kelten pflegten ein Frühlingsfeuer, um die Kälte und Dunkelheit des Winters zu vertreiben.

Bei aller Forschung wird es wohl nie ganz zu klären sein, woher die Traditionen rund um das Osterfest stammen. Ob heidnische Fruchtbarkeits-Riten, Attribute einer Frühlingsgöttin oder religiöse Interpretation zeitlich zusammenfallender Ereignisse – Osterei und Osterhase gehören ebenso zum höchsten christlichen Fest wie das Opferlamm und das Osterfeuer. Gegenseitig ausschließen müssen diese Bräuche sich nicht. Hauptsache ist, dass Jung und Alt ein paar schöne Feiertage verbringen und die gemeinsame Zeit genießen.

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