Übach-Palenberg - Ehrengrab für einen unauffälligen Helden

Ehrengrab für einen unauffälligen Helden

Von: mabie
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Karola Mehlhorn, Urenkelin von Theodor Kranz, Horst Laukamp (Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege), Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch und Pfarrer im Ruhestand Johannes de Kleine (v.l.) erinnerten am Ehrengrab von Theodor Kranz an Leben und Wirken des Lebensretters. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Er ist ein „Gerechter unter den Völkern“: Theodor Ernst Alwin Kranz, der im Jahr 1973 in den Übacher „Tomberg“ zog und dort bis zu seinem Tod im Oktober 1980 unauffällig mitten unter den Menschen lebte.

Sein vom Staate Israel am 22. Oktober 2013 postum verliehener Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ sorgte nicht nur dafür, dass Leben und Wirken des Theo Kranz der Öffentlichkeit präsent wurden. Er brachte auch die Rettung für sein Grab auf dem Boschelner Friedhof, das nun zum Ehrengrab in städtische Obhut überführt wurde.

Eine Feierstunde hatte der Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege organisiert, der in einem Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ auf den Übach-Palenberger stieß über sein Leben Nachforschungen anstellte.

„Sie haben in vorbildlicher Weise an ein vergessenes Kapitel deutscher Geschichte erinnert“, schrieb Walter Frankenstein an den Verein. Der Schwiegersohn von Theo Kranz Frankenstein konnte aus gesundheitlichen Gründen leider nicht selbst nach Übach-Palenberg reisen. „Mich bewegt das, weil ein unauffälliger, bescheidener Mann geehrt wird, der zeigt, was ein Mensch bewirken kann, wenn er dem Prinzip von Menschlichkeit auch in Zeiten von Massenmord und Terror verpflichtet bleibt“, so Frankenstein. Theo Kranz habe während der NS-Herrschaft gezeigt, dass Menschen auch in Zeiten einer Diktatur Spielräume hätten und haben, „wenn sie nur Mut zeigen“, schloss Frankenstein.

Was ihn als „Gerechten unter den Völkern ausmachte“, schilderte der Pfarrer im Ruhestand Johannes de Kleine. So musste Kranz erfahren, dass seine jüdische Ehefrau Beate nach einer Denunziation im Januar 1944 im Alter von 42 Jahren in Auschwitz ermordet wurde. Zuvor hatte er versucht, ihre Freilassung zu erwirken, sie wenigstens zu besuchen oder ein letztes Mal zu sehen. Nach diesem unfassbaren Schicksalsschlag rettete er unter massiver Gefahr für sein eigenes Leben jüdische Mitbürger. „Es ging ihm um das Menschliche, das Verbindende, die Hilfeleistung desjenigen, der in der Lage war, zu helfen“, erklärte Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch.

Das vor NS-Schergen untergetauchte jüdische Ehepaar Leonie und Walter Frankenstein mit Sohn Peter-Uri verdankt dem späteren Übach-Palenberger sein Leben. Theodor und Beate Kranz, die Mutter von Leonie Frankenstein, boten den Untergetauchten ab März 1943 Zuflucht in ihrer Leipziger Wohnung. „Für Leonie, Walter und Peter-Uri, die ohne Lebensmittelkarten von jeder Versorgung abgeschnitten sind, besorgt er Lebensmittel“, berichtete Johannes de Kleine. Eine besondere Geschichte ergänzte seine Großnichte Karola Mehlhorn am Ehrengrab. Sie erinnerte sich an eine von ihrem Onkel erstellte Federzeichnung, die einen von 29 Rosen eingebetteten Sinnspruch zur Hochzeit ihrer Großeltern zeigte. Dieser Spruch rund um das Leben, die Liebe und das wahre Glück sorgte schon bei der damals noch jungen Karola Mehlhorn für eine unbeschreibliche Anziehungskraft. „Er war ein Mensch tiefer und intensiver Gefühle“, schloss sie, „aber er hat auch Stürme in seinem Innersten verborgen, um bei keinem anderen den Schmerz noch zu vergrößern“.

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