Ehrenamtspreis: Annemarie Jörissen spricht mit dem Herzen

Von: dawin
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Annemarie Jörissen (2.v.l.) und ihr Mann Franz (l.) sowie Norbert Schmitz (2.v.r.) und Ehefrau Birgit freuten sich über die Ehrenramtspreise, die Bürgermeister Bernhard Tholen überreichte. Foto: dawin

Gangelt. Wie vielfältig das Ehrenamt in der Gemeinde Gangelt ist, kann der Betrachter an der stetig wachsenden Galerie im Rathaus erkennen, die die Porträts der ausgezeichneten Gangelter präsentiert. Jetzt hängen zwei Bilder mehr dort: Annemarie Jörissen aus Niederbusch und Norbert Schmitz aus Breberen sind die Ehrenamtspreisträger 2015, deren Verdienste um das Gemeinwohl Bürgermeister Bernhard Tholen in seiner Laudatio hervorhob.

„Seit 2011 werden Menschen unserer Gemeinde geehrt, die viele Stunden ihrer Freizeit für ihr Ehrenamt investieren, um sich in den verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens zu engagieren.“ Annemarie Jörissen sei, so Tholen, für viele Flüchtlinge eine Mutter. Obwohl sie eine Sprache spreche, die die Asylsuchenden nicht immer verstünden, könne sie sich verständigen. „Wenn man sie fragt, wie sie das schafft, dann antwortet sie, dass sie mit dem Herzen spricht, dass sie die Menschen liebt – egal, wie verschieden sie sind, und dass sie neugierig ist auf Menschen.“

Tholen umriss das soziale Wirken von Annemarie Jörissen. Schon seit sehr vielen Jahren engagiert sich die Niederbuscherin für Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und Schutz suchen. Als sie noch als Gemeindereferentin berufstätig war, hat sie in ihrer Freizeit vielen Kindern aus fremden Ländern Deutsch beigebracht, hat sie während ihrer Grundschulzeit und darüber hinaus betreut und einigen sogar den Weg in die Berufstätigkeit oder ins Studium bereitet.

Als dann 1991 die ersten Asylbewerber nach Gangelt kamen, war es für sie eine Selbstverständlichkeit zu helfen. „Viele dieser Menschen haben es mit ihrer Hilfe geschafft, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen“, betonte der Bürgermeister.

2003 ging Jörissen in Rente, ihr soziales Engagement gab sie aber nicht auf. Von 2003 bis 2010 gab sie mehreren Grundschülern mit Migrationshintergrund Nachhilfe in Deutsch. Und so war es nicht verwunderlich, dass sie vor einem Jahr um Hilfe gefragt wurde, als wieder viele Flüchtlinge nach Gangelt kamen. Sie baute einen Arbeitskreis auf. Sprechstunden für die Asylanten wurden organisiert, und vor allem Deutschkurse, denn der erste Weg zur Integration ist die Verständigung.

Mittlerweile gibt es alleine in Stahe acht Personen, die jeweils drei Stunden Deutsch pro Woche unterrichten und 40 Asylanten, die Deutsch lernen. „Das Ziel unserer Ehrenamtspreisträgerin ist Integration, ohne den Menschen ihre Identität zu nehmen. Sie fühlt sich den Menschen, die ihre Hilfe brauchen, verpflichtet und appelliert an uns, dass wir offen sind für die Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten unserer Erde“, meinte Tholen. „Ohne Menschen wie sie würden wir es nicht schaffen, alle Flüchtlinge in unserer Gemeinde so umfangreich zu betreuen“, unterstrich der Bürgermeister die Wertschätzung für die Helfer.

Der zweite Ehrenamts-Preisträger ist der Mann hoch zu Ross, der Kinderaugen zum Leuchten bringt. Norbert Schmitz ist der Sankt Martin in Breberen, seit 26 Jahren zieht er am Martinstag sein Bischofsgewand an, das schon sein Vater getragen hat, zieht die Reithose seines Großvaters über, führt den Fackelzug an und verteilt anschließend die Tüten an die Kleinen.

„Es ist seit 80 Jahren Familientradition, dass seine Familie den Sankt Martin stellt. Er hat das Ehrenamt in der dritten Generation übernommen und will dies noch lange machen – und, wer weiß, an seinen Sohn weitergeben“, so Bürgermeister Tholen. Zur Martinszeit ist er über zwei Wochen im Einsatz, nicht nur auf dem Pferd, sondern auch als Organisator. Immerhin mussten in diesem Jahr Leckereien für 400 Tüten beschafft und eingepackt werden – mit freundlicher Unterstützung der Breberener Feuerwehr-Frauen. Auch die Fäden für die Martinskleidersammlung laufen bei ihm zusammen.

Auf die Frage, was das Schönste an seinem Ehrenamt sei, antwortet Norbert Schmitz: „Das Schönste ist, wenn die Kinder sich freuen und ihre Augen strahlen.“ Das sei stets Motivation, wenn die arbeitsreiche, aber schöne Martinszeit nahe.

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