Ehrenamtliche Seniorenbegleiter arbeiten gegen die Einsamkeit

Von: Udo Stüßer
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Sie kümmern sich um die Belange der Senioren: Monika Knebe (links) und Nicole Abels-Schell. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Viele ältere Menschen leben allein, die Kinder wohnen weit entfernt, Freunde und Bekannte sind verstorben oder selbst hilfebedürftig. Einige dieser Menschen sind einsam. Und trotzdem möchten sie so lange wie möglich ein selbstständiges Leben in ihrem Haus führen. Die Lebensqualität dieser Senioren verbessern ehrenamtliche Seniorenbegleiter. „Im Jahr 2010 hat der ‚Runde Tisch für Altenarbeit‘ den Bedarf erkannt und vorgeschlagen, Ehrenamtliche zu Seniorenbegleitern auszubilden“, erklärt Nicole Abels-Schell, Gemeindesozialarbeiterin der Caritas und Koordinatorin des Runden Tisches für Altenarbeit.

Es ist ja nicht nur so, dass die Familie oft nicht mehr zusammen wohnt, auch die Nachbarschaft ist nicht mehr so, wie das früher der Fall war“, sagt sie. Die ehrenamtlichen Seniorenbegleiter suchen den Kontakt zu den alten Menschen und wollen der Vereinsamung vorbeugen. Dies kann durch ein Gespräch geschehen oder über das Vorlesen oder durch Spielenachmittage. Auch Hilfe im alltäglichen Leben geben sie. Sie gehen auf Wunsch mit dem zu betreuenden älteren Menschen einkaufen, zum Arzt, erledigen Behördengänge oder begleiten ihn zum Friedhof und helfen bei der Grabpflege.

Acht Interessierte

Im Jahre 2011 hat Nicole Abels-Schell in Zusammenarbeit mit Wilfried Schulz, Leiter des Geilenkirchener Sozialamtes, ein Konzept erstellt, das kurz darauf vom Sozialausschuss des Rates befürwortet wurde. Nach einiger Werbung für ein solches Ehrenamt hatte Abels-Schell auch schnell acht an Seniorenarbeit Interessierte, die sich in sechs Schulungseinheiten à zwei Stunden ausbilden ließen. Da ging es beispielsweise um Krankenbilder im Alltag, um Stolperfallen im Haushalt, um Sozial- und Betreuungsrecht und um Kommunikation und Tagesstruktur. Zum Abschluss gab es für die Teilnehmer ein Zertifikat.

Zwischenzeitlich hat Abels-Schell festgestellt, dass der Bedarf groß ist, die Ehrenamtler hingegen werden weniger. Von den acht ausgebildeten Seniorenbegleitern haben nur fünf nach der Schulung ihre Aufgabe übernommen. Und übrig geblieben sind lediglich drei.

Eine von ihnen ist die 47-jährige Monika Knebe, hauptberuflich als Badewärterin im Geilenkirchener Hallenbad tätig. „Ich war damals ein Jahr lang arbeitsunfähig. Da ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Da brauchte ich eine sinnvolle Aufgabe“, blickt sie auf die Anfänge zurück. Auf der Suche nach dieser sinnvollen Aufgabe stieß sie auf die Angebote der Caritas. „Ich habe mich für die Arbeit mit Senioren entschieden, weil ich es schlimm finde, wenn sie einfach aufs Abstellgleis geschoben werden. Auch ich werde alt und werde mich dann sicherlich freuen, wenn sich jemand mit mir unterhält“, nennt sie heute ihre Beweggründe.

Seit eineinhalb Jahren betreut Monika Knebe nun zwei über 80-jährige Damen. „Mit einer von ihnen habe ich in dieser Woche zwei Stunden lang Mau-Mau gespielt. Wir hatten beide viel Spaß und Tränen gelacht“, erzählt sie von ihrer Arbeit. Und: „Sie hatte strahlende Augen, das ist der ehrlichste Dank, den man bekommen kann. Man gibt nicht nur etwas, man bekommt auch etwas.“ Dabei hat Monika Knebe die Erfahrung gemacht, dass „alte Leute sehr herzlich sein können“: „Sie haben etwas Liebenswertes an sich.“ Besucht sie die ihr anvertraute Seniorin, um mit ihr Mau Mau zu spielen, nimmt sie auch so manches Mal ihren Jack Russell Terrier Henk mit, der dann mit dem Vierbeiner der Senioren herumtollt. Um welche Rasse es sich dabei handelt, hat die ehrenamtliche Seniorenbegleiterin noch nicht herausgefunden. „So eine richtig kleine Knutschkugel“, lacht sie nur. Die zweite ihr anvertraute Seniorin möchte nur eines: reden, reden, reden. „Ich leihe ihr mein Ohr, damit sie alles loswerden kann. Diese Frau lebt ganz alleine und ist richtig einsam.“ Beide Frauen besucht Monika Knebe jeweils einmal in der Woche für zwei Stunden.

Beziehungspflege

„Ich werde mit Umarmung, Kaffee und Kuchen begrüßt. Aber wenn ich es einmal nicht schaffe, nehmen sie es mir auch nicht übel.“ Monika Knebe hofft, dass sich mehr Menschen bereit erklären, in der Seniorenarbeit aktiv zu werden. „Es ist ein schönes Gefühl, Menschen glücklich zu machen“, versichert sie.

„Dabei geht es nicht um Pflege, sondern um Beziehungspflege“, betont Nicole Abels-Schell, die im Frühjahr einen neuen Kurs anbietet. „Anfragen von Senioren sind da, aber die liegen auf Halde. Schön wäre es, wenn wir in jedem Dorf eine Seniorenbegleiterin hätten“, sagt sie.

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