Geilenkirchen - Ehrenamtler fordern mehr Unterstützung durch den DFB

Ehrenamtler fordern mehr Unterstützung durch den DFB

Von: Udo Stüßer
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Balljungen tragen ein Banner mit der Aufschrift „Danke ans Ehrenamt!“ durch das Mönchengladbacher Stadion. Der DFB will sich für das Ehrenamt stark machen. Foto: dpa
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Michael Simons ist schon eine Stunde vor Trainingsbeginn mit den Vorbereitungen beschäftigt. Foto: Udo Stüßer
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Christel Coenen verbringt bis zur 25 Stunden in der Woche auf dem Bauchemer Sportplatz. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Die Preise schnellen immer weiter in die Höhe, im Profifußball scheint es fast keine Grenzen zu geben: Der Wechsel von Naby Keita zum Premier-League-Klub FC Liverpool soll laut der Deutschen Presse Agentur 70 Millionen Euro in die Kasse von RB Leipzig spülen.

Beim Wechsel des Dortmunders Ousmane Dembélé zum FC Barcelona ging es um 147 Millionen Euro. Doch damit nicht genug. Bei Neymars Transfer von Barcelona nach Paris vor ein paar Wochen war man der Meinung, dass dieser Fußballer 222 Millionen Euro wert ist. Alfred Vianden, Präsident des Fußball-Verbandes Mittelrhein, spricht angesichts des 222 Millionen-Transfers von der „Gefahr einer Entfremdung des Profifußballs vom Amateurfußball“ und will sich mit dem DFB unter dem Motto „Neymar: 222 Millionen. Unser Platzwart: Unbezahlbar.“ für das Ehrenamt stark machen.

Engagement seit 21 Jahren

Eine Frau, die sich mittlerweile seit 21 Jahren im Fußballsport ehrenamtlich engagiert, ist Christel Coenen, Vorsitzende des FC Germania Bauchem. Bis zu 25 Stunden in der Woche verbringt die 52-Jährige auf der Bauchemer Sportanlage. Ihr Lohn? „Ich bekomme manchmal ein Danke“, sagt sie. „Jetzt habe ich von der Seniorenmannschaft sogar mal einen Essensgutschein bekommen.“ Es sind die gute Kameradschaft auf der Sportanlage und die Gespräche mit Spielern, Vorstandskollegen und Eltern, die sie antreiben. „Ohne Fußball könnte ich nicht leben“, sagt die Frau, die auch die Trikot-Wäsche der Seniorenspieler und den Thekenbetrieb an den Spieltagen übernommen hat. Ehrenamtlich natürlich.

Mit Blick auf die Bundesliga sagt die Vorsitzende: „Es ist oft frustrierend. Die Profispieler haben die Gabe, herausragend Fußball zu spielen. Aber für Geld tun sie mittlerweile alles. Hier in der Kreisliga fließt kein Geld. Aber wir haben Spaß und sind eine Gemeinschaft, und wir sind glücklich.“

Dennoch kann Coenen ihren Ärger nicht verbergen. Während Jugendtrainer die Kleinsten auf dem Bauchemer Sportplatz trainieren – natürlich ohne Entgelt – schleppt Seniorentrainer Michael Simons kleine Tore herbei, baut sie zusammen und steckt mit Stangen einen Parcours ab, auf dem seine Jungs später mit dem Ball taktische Übungen zum Aufwärmen absolvieren sollen. Eine Stunde vor dem eigentlichen Trainingsbeginn ist er mit den Vorbereitungen beschäftigt. Sein Lohn? „Eine kleine Aufwandsentschädigung, die aber sofort wieder in die Vereinskasse fließt“, erzählt Christel Coenen. Simons ist übrigens der einzige Trainer im Verein, der etwas Geld erhält.

„Wir sind doch die Leute, die dafür sorgen, dass die Bundesligaspieler viel Geld verdienen. Wir kaufen bestimmte Marken, für die sie Werbung machen, wir kaufen ihre Trikots. Damit verdienen die Spieler sehr viel Geld“, sagt Coenen.

Auch die Vergabe der Fernsehrechte bezeichnet Christel Coenen als „Geldmacherei“. „Normalerweise dürften wir doch gar kein Sky oder Eurosport mehr abonnieren. Wir, die Spaß am Fußball und am Ehrenamt haben, müssen immer mehr Geld dafür ausgeben, damit wir den Großen beim Spiel zusehen können“, kritisiert sie und sagt weiter: „Der DFB sollte uns unterstützen. Der DFB ist doch der reichste Verein.“ Christel Coenen möchte für ihren Verein gut ausgebildete Trainer, „damit die Kinder richtig gefördert werden“. Doch die Rechnungen für Trainer- und Schiedsrichterausbildung müssen aus der Vereinskasse gezahlt werden. „Würde der DFB uns kleinen Vereinen schon mal ein paar Bälle und Trikotsätze sponsern, wäre das doch schon einmal ein Anfang.“

Erziehung der Jugend

Als Christel Coenen 1995 ihre Söhne Matthias (damals 7 Jahre), Martin (6) und Marcel (4) zum ersten Fußballtraining begleitete, ahnte sie nicht, was auf sie zukommen würde: Schon 1996 wurde sie gefragt, ob sie, die selbst in Stahe-Niederbusch in der Fußballjugend gespielt hat, eine Mannschaft trainieren könnte. Sie übernahm die F-Jugend und die Bambini. Zwei Trainingsabende und Spiele am Samstag standen von nun an in ihrem Terminkalender.

Bereits ein halbes Jahr später wurde sie Jugendgeschäftsführerin. Lange Zeit hatte sie sowohl diese als auch die Positionen der Vorsitzenden des Gesamtvereins inne, bis ihr Sohn Martin das Amt des Jugendgeschäftsführers von ihr übernahm. Ihre Söhne spielen mittlerweile alle bei den Senioren, Martin Coenen trainiert darüber hinaus die A-Jugend, Marcel Coenen ist Co-Trainer der B-Jugend. Die Bambini und F-Jugend trainiert Christel Coenen auch weiterhin.

„Andere Menschen freuen sich abends auf ihren Garten, ich freue mich auf meinen Fußballplatz. Hier treffe ich auf Freunde“, sagt Christel Coenen, die hauptberuflich als Wohnbereichsleiterin in der Altenpflege arbeitet. Es sind aber nicht nur die Freude am Fußball und die Kameradschaft, die sie Tag für Tag ins Bauchemer Stadion ziehen. Sie sieht in ihrem Tun auch eine gesellschaftliche Aufgabe. „Vereinsleben ist ein Stück Erziehung der Jugend. Ich wusste immer, wo meine Kinder waren und wo sie ihre Freunde hatten.“ Stolz sagt sie auch, dass im Verein mittlerweile 30 Flüchtlinge integriert sind: „Beim Fußball verstehen sich alle gut.“

Um den Spielbetrieb von sechs Jugend- und zwei Seniorenmannschaften mit 165 Jugendlichen und 60 Senioren aufrecht halten zu können, stehen ihr neben Geschäftsführer und C-Jugendtrainer Markus Diederen, der zweite starke Motor des Vereins, 14 Jugendtrainer, Seniorentrainer Michael Simons und 20 Mitglieder des Jugend- und Hauptvorstandes zur Seite. Die Ehrenamtler sind nicht nur gefragt, wenn es um den reinen Spielbetrieb geht.

Da muss auch schon mal die Sportanlage von Unkraut befreit oder der Baumschnitt übernommen werden, wenn die Männer des städtischen Bauhofes überlastet sind. Und auch bei Renovierungsarbeiten an Unterstellplätzen packen die Ehrenamtler mit an. „Und dann müssen wir jeden Tag aufs Neue schauen, wo Geld zu holen ist“, bedauert die Vorsitzende. So manchen Euro hat die Germania bei Hallen- und Sommerturnieren eingenommen, die Organisation der Stadtmeisterschaft und des Public Viewings hat ebenfalls ein paar Euro eingebracht.

Für all den Einsatz der Ehrenamtler gibt es garantiert keinen Cent, manchmal ein Dankeschön, manchmal noch nicht einmal das.

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