Ehemann schießt Nebenbuhler nieder

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Ein ehemaliger Koch aus Übach-Palenberg muss wesentlich länger ins Gefängnis, als die Aachener Staatsanwaltschaft beantragt hat.

Ein ungewöhnlicher Vorgang, doch Richter Matthias Quarch verkündete am Dienstag vor dem Aachener Landgericht: „Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung wird der Angeklagte zu zehn Jahren Haft verurteilt.“ Staatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts hatte siebeneinhalb Jahre für die Bluttat gefordert, bei der der Angeklagte am Abend des 10. September 2014 drei Schüsse auf den Freund seiner Ehefrau abgefeuert hatte.

„Das war wie eine Hinrichtung“, erklärte Quarch und wies so jegliche Spekulation zurück, es habe sich möglicherweise um eine ungeplante Affekttat gehandelt. Der Angeklagte war mit seinem Helfer, einem 20-Jährigen, nach Herzogenrath-Merkstein gefahren, dort wohnte das Paar. Sie versteckten sich im Keller und warteten, bis die beiden nach Hause kamen. Zuerst richtete der Angeklagte die Waffe auf seine Ehefrau, er traf sie ins Bein, verfehlte nur knapp eine Arterie.

Die Verletzungen des Freundes der Frau waren ungleich schwerer. Nur um Haaresbreite verfehlte die dritte Kugel das Herz des Mannes. Die erste Kugel hatte ihn niedergestreckt, die zweite feuerte der Täter auf den am Boden liegenden Mann ab. Der konnte sich nochmals aufrappeln und versuchte zu fliehen. Es nutzte ihm nichts, die letzte Kugel in die Brust war beinahe tödlich, er brach zusammen. „Das sollte eine Exekution sein“, fasste Quarch zusammen. Vor den drei Schüssen auf das männliche Opfer – es war sein ehemals bester Freund – habe sich der Angeklagte aus Übach-Palenberg eine Pistole zugelegt und sie von seinem Helfer, dem 20-jährigen Mitangeklagten, am Tag vor der Tat ausprobieren lassen. Auch der 20-Jährige habe gewusst, worum es in diesem Ehedrama ging – und sei trotzdem am Tatabend mitgegangen. Wegen Beihilfe verurteilte das Gericht den 20-jährigen Mitangeklagten zu drei Jahren Jugendhaft.

Die Frau des Angeklagten hatte ihren Ehemann verlassen, nachdem er sie bereits am 13. Juni tätlich angegriffen hatte. Da habe der Angeklagte ihr im Streit eine Plastiktüte über den Kopf gezogen. Nur durch einen Biss in den Finger konnte sich die Ehefrau gegen diesen Angriff wehren. Sicher habe der Angeklagte eine schlimme Demütigung erdulden müssen, weil seine Frau und sein ehemaliger Freund ein Paar wurden. „Das berechtigt aber niemals zu einer solchen Tat“, sagte Quarch.

Die Verteidiger hatten für den Angeklagten eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung gefordert, der 20-Jährige sollte sogar völlig ohne Strafe bleiben – für ihn forderten sie einen Freispruch.

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