Ehemalige Schülerinnen kümmern sich um 105-Jährige

Von: Renate Kolodzey
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Geistig immer noch topfit: Die 105-jährige Jubilarin in ihrem gemütlichen Bauernhaus.

Geilenkirchen. „Ich hatte ein schönes Leben“, blickt die Jubilarin zufrieden zurück. Am 12. Dezember 1910 wurde Hildegard Masurowski als Tochter eines Bahnbeamten in Liessau bei Dirchau in Westpreußen geboren, dort lebte sie mit zwei Geschwistern bis zum zweiten Lebensjahr.

Dann zog die Familie nach Berlin, wo ihr Vater eine neue Stelle antrat, und später nach Geilenkirchen. „Ab dem vierten Schuljahr kam ich zu den Ursulinen, dort habe ich Abitur gemacht. Mein Wunsch war es immer, Lehrerin zu werden“, erinnert sich Dremmen. Diesen Wunsch konnte sie sich an der Pädagogischen Akademie in Frankfurt erfüllen.

Nach zweijährigem Studium machte der Jubilarin jedoch der Reichsarbeitsdienst einen Strich durch die Rechnung: Sie wurde gezwungen, sechs Monate lang für die Männer des Reichsarbeitsdienstes in Neuwied Wäsche zu waschen und zu flicken, zusammen mit 44 anderen Mädchen. „Das roch nicht immer gut“, meint sie lachend.

Danach arbeitete sie im Geilenkirchener Schulamt als Sekretärin, bis ihr eine Stelle als Lehrerin in der Eifel angeboten wurde. Schon nach sechs Monaten wurde sie nach Stahe versetzt, und 1944 musste sie während der Evakuierung nach Flotow an der Weser fliehen. 1946, wieder zurück in Geilenkirchen, unterrichtete sie hier an der Katholischen Volksschule, und 1952 heiratete sie den Landwirt Ferdinand Dremmen, den sie schon seit Schülertagen kannte, und zog in seinen denkmalgeschützten Vierkanthof.

Seit 26 Jahren ist ihr Mann nun schon tot, und sie lebt allein. Obwohl geistig fit, fordert das Alter auch bei ihr seinen Tribut: Das Gehen fällt schwer, die Augen wollen nicht mehr so wie früher. „Die Zeitung bekomme ich vorgelesen, von dem, der gerade kommt. Schon meine Eltern hatten sie abonniert. Mich interessiert das Weltgeschehen. Im Fernsehen höre ich mir Tiersendungen an und sonntags die Heilige Messe. Trost schöpfe ich aus meinem Glauben. Ich bekomme auch die Kommunion gebracht,“ äußert sich die alte Dame und fährt glücklich fort: „Ich verschwende keinen Gedanken daran, in ein Seniorenheim zu gehen, denn ich werde rundum versorgt von acht früheren Schülerinnen.

Darüber freue ich mich sehr – dass sie mich nicht vergessen haben!“ „Es ist immer jemand da“, meint Karin Motzkus, eine von ihnen, lächelnd, „wir lassen unsere Lehrerin nicht im Stich“. Eine andere bringt gerade ein Gläschen selbstgemachte Himbeermarmelade vorbei.

Am Samstag, 12. Dezember, gibt es von 9 bis 11 Uhr einen Kaffee-Empfang bei dem 105-jährigen Geburtstagskind in der Sittarder Straße 33. Es freut sich auf den Bürgermeister und ist gespannt, wer sonst noch gratuliert.

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