Drum-Solo bringt Schlossmauern fast zum Beben

Von: Renate Kolodzey
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Frank Ollertz (Piano), Jo Didderen (Kontrabass) und Steffen Thormählen (Drumset) brachten mit ihren Instrumenten viel Schwung ins vollbesetzte Schloss. Foto: Kolodzey

Übach-Palenberg. Schnell war das 33. Schlosskonzert „Jazz vom Feinsten“ des „Frank Ollertz Trio“ ausverkauft, und die Musiker ließen es in dem Klassik-verwöhnten Gemäuer richtig krachen. Augenzwinkernd erklärten sie, dass man bei einem Jazz-Konzert auch zwischendurch – etwa bei einem Solo – klatschen dürfe, wovon die Gäste in der Folge regen Gebrauch machten.

Die drei studierten Tonkünstler kennen sich seit vielen Jahren. Bandleader Frank Ollertz – Pianist, Keyboarder und seit 20 Jahren Lehrer an der Heinsberger Jugendmusikschule – klimperte schon als Kleinkind auf einem Metallophon und entdeckte mit acht Jahren die Faszination des Klaviers. Jo Didderen aus den Niederlanden spielte als kleiner Junge Klarinette, später lockten ihn akustische Gitarre, E-Bass und Kontrabass. Steffen Thormählen hingegen hatte als Kind Klavierunterricht und fand erst in der Pubertät zu seiner Schlagkraft an den Drums.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch hieß die Besucher im Schloss Zweibrüggen herzlich willkommen, unter ihnen auch Geilenkirchens stellvertretende Bürgermeisterin Karin Hoffmann und der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Heinsberg, Thomas Pennartz. Hanns-Paul Jouck, Vorsitzender der „Freunde der Kammermusik“, erklärte, dass mit dieser Veranstaltung die 44. Konzertreihe zu Ende gehe und wies darauf hin, dass die kommende 45. Konzertreihe 2016/2017 die letzte sei, da danach der gesamte Vorstand, einschließlich seiner Person, zurücktrete.

Er bedankte sich für die Unterstützung, besonders bei seiner Frau, dem Bürgermeister und dem stellvertretenden Vorsitzenden Hermann Bartel, der seit 1980 bei den Konzerten für den gesamten Bereich im Schloss verantwortlich sei.

Das Jazz-Trio faszinierte gleich zu Beginn mit dem von Ollertz komponierten „Blues Nr. 1“, einer leichten, swingenden Melodie, und rein akustischen Instrumenten ohne Verstärker. Jeder Einzelne glänzte in virtuosen Soli, die, wie auch bei den folgenden Stücken, mit tosendem Applaus bedacht wurden. Schwungvoll ging es weiter mit „In your own sweet way“ von Dave Brubeck, und die Ballade „You don‘t know what love is“ (Don Raye/Gene de Paul) verzauberte die Zuschauer mit lässig gespieltem Klavier und Bass, einfühlsam begleitet vom Schlagzeug.

Beim afrikanisch angehauchten „Folk Song II“, ebenfalls aus Ollertz‘ Feder, flogen dessen Finger geradezu über das Piano, während Didderen raffiniert den Bass bearbeitete und Thormählen am Drumset beeindruckende Akzente setzte. Lyrisch klang dagegen „All the things you are“ (Jerome Kern/Oscar Hammerstein), und teils sah es so aus, als streichelten Ollertz und Didderen geradezu ihre Instrumente.

In „Beautiful love“ (Victor Young) dominierten die Drums über weite Teile, und Thormählens treibender, sich steigernder Rhythmus ging sofort ins Blut – Groove war angesagt.

„Lucky Luke“ und „Folksong I“ (beide von Frank Ollertz) gefiel anscheinend auch unseren gefiederten Freunden, denn plötzlich hörte man durch die weit geöffneten Türen Unmengen tirilierender Vogelstimmen.

In „Softly as in a morning sunrise“ (Sigmund Romberg/Oscar Hammerstein) stellte sich das Trio einer großen spieltechnischen Herausforderung mit freien, energetischen Passagen, die es bravourös meisterte, und die Zuschauer hielt es kaum noch auf den Sitzen.

„Child of the sun“, einen Blues mit erweiterten Akkorden in angedeutetem Samba, komponierte Ollertz für die Sängerin Beverly Daley: Eine fast meditative Musik, mit der man, ebenso wie bei „Some other time“ (Leonard Bernstein), sanft dahingleitend in andere Sphären eintauchten konnte.

Der letzte Song „Running for the B-Train“ (Frank Ollertz) im Stil des Swing der 40er Jahre, brachte besonders durch ein hinreißendes Drum-Solo die Schlossmauern fast zum Beben. Das stehend applaudierende Publikum zollte den Künstlern mit Bravo-Rufen und Riesenapplaus Tribut, und ohne Zugabe durften sie sich nicht von der Bühne stehlen.

Dr. Bernd Bierbaum aus Heinsberg konstatierte: „Absolut überzeugend – ein schöner Abend in würdigem Rahmen!“, und Liesel Venth aus Übach-Palenberg meinte: „Die Harmonie unter den Musikern mit ihren Instrumenten hat mich beeindruckt – es hörte sich fast so an, als würden sie sich unterhalten!“

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