Drohung per SMS sorgt für Schrecken

Von: Udo Stüßer
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Halt, heute fällt der Unterricht aus: Nachdem viele Eltern nach der Drohung ihre Kinder gar nicht erst zur Schule geschickt hatten, konnte kein geordneter Schulbetrieb gewährleistet werden. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. 7.30 Uhr, Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen: Erste Schüler trotten an diesem nass-kalten Dienstagmorgen gemächlichen Schrittes auf das Schulgebäude zu. Auf dem Parkplatz steht ein wenig beachteter Einsatzwagen der Kreispolizei Heinsberg.

7.40 Uhr: Immer mehr Schüler erreichen die Schule. Ein zweiter, ein dritter Streifenwagen fahren vor und postieren sich seitlich des Schulgebäudes. Bald darauf sind es sieben. Mittlerweile füllt sich der Platz vor der Schule. Im Eingangsbereich der Schule stehen Polizeibeamte und Lehrer und kontrollieren die Taschen der Schüler. „Öffne mal bitte den Rucksack”, fordert einer der Beamten einen Schüler freundlich auf. Nach einer kurzen Durchsuchung darf der Schüler passieren.

Wenige Minuten später verlassen erste Schüler wieder das Gebäude. „Tobias, ihr könnt zu Hause bleiben”, ruft einer der Jungen seinen Mitschülern zu. Und zur Erklärung: „Amoklauf!”

8 Uhr: Uwe Böken, stellvertretender Schulleiter, beendet offiziell den Unterrichtstag. Die Schüler sollen auf dem schnellsten sicheren Weg den Heimweg antreten, sofern sie nicht von ihren Eltern abgeholt werden. Einige sind an diesem Morgen erst gar nicht zur Schule gekommen.

8.15 Uhr: Besprechung in Uwe Bökens Büro. Immer noch steht dem stellvertretenden Schulleiter der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Eine für diesen Tag anberaumte Quartalskonferenz sagt er ab.

Rückblende: Montagabend, 20.30 Uhr: Ein Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule erhält auf seinem Handy eine SMS. Mit dieser SMS wird eine Bedrohung der Schüler angekündigt. Für den folgenden Dienstag, Punkt 9 Uhr. Der Schüler verschickt diese Nachricht weiter, an Freunde. Die Nachricht macht schnell die Runde. Und landet auch schnell bei der Polizei. Besorgte Eltern haben sie informiert.

Die Polizei nimmt sofort die Ermittlungen auf und versucht, den Absender zu ermitteln. Es handelt sich um ein Prepaid-Handy. Die Polizei überprüft die Adresse des angeblichen Handy-Besitzers. Fehlanzeige! Die für das Handy registrierte Person lebt hier nicht.

Am Dienstagmorgen ist 1. Polizeihauptkommissar Burkhard Biewendt, Chef der Polizeiwachen Geilenkirchen und Heinsberg, mit 14 Beamten vor Ort und zeigt auf Bitten der Schulleitung starke Präsenz. Währenddessen steht das Telefon im Sekretariat der Schule nicht mehr still. Besorgte Eltern rufen an, Uwe Böken telefoniert zeitweise auf drei Leitungen gleichzeitig. „Jeder Realist wusste, dass nach Winnenden Trittbrettfahrer auch unsere Schule entdecken können. Das war nur eine Frage der Zeit”, erklärt Böken, der seit Montagabend mit der Kripo in Verbindung steht.

Schulleiter Klaus Braun hält sich an diesem Dienstagmorgen wegen einer Staatsprüfung in Langerwehe auf. Böken und Braun schließen sich deshalb telefonisch kurz und legen die Marschrichtung fest: Wenn die Polizei massiv präsent ist, soll der Schulbetrieb kontrolliert anlaufen.

Dieses Ziel kann aber nur bis 7.50 Uhr anvisiert werden. Uwe Böken sagt: „Vielen Eltern war die Situation zu riskant, nahmen ihre Rechte wahr und ließen ihr Kind zu Hause.” Erneutes Telefonat mit Klaus Braun in Langerwehe. Böken: „Die erste Lösung war nur eine theoretische. Wir mussten um 180 Grad schwenken und suchten den sicheren Weg. Es gibt Wichtigeres als sechs Stunden Unterricht.”

Während die knapp 1000 Schüler wieder den Heimweg angetreten haben, bittet Böken Kollegen, das Gebäude nach verdächtigen Personen oder Gegenständen zu durchforsten. Polizeihauptkommissar Burkhard Biewendt sieht keine Notwendigkeit für eine solche polizeiliche Maßnahme.

„Die Entscheidung, den Unterricht abzusagen, wurde von Herrn Braun und mir gemeinsam getroffen. Der Schulleiter ist für die Sicherheit aller verantwortlich. Ist er nicht da, habe ich die Verantwortung”, erklärt Böken. Die geplante Konferenz wird abgesagt. „Alle Lehrer in einem Raum, das ist eine Potenzierung der Gefährdung”, sagt Böken, der auch gleich die Schulaufsichtsbehörde in Köln informiert. Bald darauf treten auch die 75 Lehrer den Heimweg an. Die Polizei zeigt noch bis 9.30 Uhr Präsenz. Währenddessen werden die Beamten mit frischen Brötchen aus der Mensa versorgt, die eigentlich für die Schüler geschmiert worden waren.

Derweil warnt Burkhard Biewendt weitere Trittbrettfahrer, die nicht nur mit erheblichen Kosten in fünfstelliger Höhe rechnen müssen: „Die Tendenz geht dahin, Trittbrettfahrer schnell zu verurteilen, um Nachahmer abzuschrecken. Im süddeutschen Raum wurde jetzt jemand direkt mit fünf Monaten Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe sanktioniert. Das ist ein gutes Zeichen.” Und Uwe Böken weiß auch: „Dieser ausgefallene Schultag wird an einem anderen Termin nachgeholt, damit weitere Kopien solchen Handelns nicht zunehmen.”
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