Dreistündige Debatte: Woher kommt künftig das Wasser?

Von: Manfred Hahn
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Welchen Weg geht Übach-Palenberg bei der Wasserversorgung? Diese Frage entscheidet sich zwischen diesen drei Unternehmen. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. „Ich habe heute eine Menge gelernt!“ Dieses Fazit zog Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch nach mehr als drei Stunden intensiver Information und Diskussion zu einer möglichen neuen Wasserversorgung für die Stadt.

Eigentlich hätte es am Dienstagabend eine reguläre Informationsveranstaltung für die Übacher Bürger geben sollen, wie es sie in der Reihe „Wassertour“ für alle Stadtteile gibt. Weil sich aber für diesen Abend hochkarätige Experten angesagt hatten, verlegte die Stadt die Veranstaltung vom Rathaus ins Pädagogische Zentrum.

Unter den Hochkarätern begrüßte Jungnitsch unter anderem Dr. Karl-Heinz Feldhoff als Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Geschäftsführer Herbert Pagel vom derzeitigen Wasserversorger Enwor mit Sitz in Herzogenrath, Michael Leonards, den Geschäftsführer des Kreiswasserwerks, als möglichen künftigen Lieferanten sowie Vertreter der niederländischen WML (Waterleiding Maatschappij Limburg), die mit dem Kreiswasserwerk zusammenarbeitet.

In einem Referat ging Feldhoff auf die Unterschiede zwischen dem Enwor-Wasser und dem des Kreiswasserwerks ein. Er bescheinigte dem aus Eifeltalsperren stammenden und in Roetgen aufbereiteten Oberflächenwasser eine ebenso hohe Qualität wie dem Grundwasser, welches das Kreiswasserwerk liefert und das für Übach-Palenberg aus Brunnen im Bereich der niederländischen Grenzgemeinde Schinveld kommen würde. Er bescheinigte beiden Unternehmen eine absolute Transparenz bei den regelmäßigen Überprüfungen.

Die Unterschiede zum Beispiel bei den äußerst geringen Nitrat- oder Schadstoffbelastungen seien unwesentlich: „Aus medizinischer Sicht sind die Unterschiede gleich Null, beides ist gesundes Wasser und auch in mikrobiologischer Hinsicht völlig unbedenklich.“ Die Härtegrade (3,63 bei Enwor und 5,83 in Schinveld) liegen laut Feldhoff beide im Bereich „niedrig“, und ein Wasser ohne Härtegrad sei schlechtes Wasser.

Feldhoff legte besonderen Wert auf die Feststellung, dass er als Leiter des Kreisgesundheitsamtes in keiner Weise Partei für das Kreiswasserwerk ergreifen müsse. Vielmehr sei er als Beamter streng neutral und der Bezirksregierung unterstellt.

Ihre jeweiligen Unternehmen stellten dann die Geschäftsführer Michael Leonards (Kreiswasserwerk) und Herbert Pagel (Enwor) vor. Das Kreiswasserwerk als Unternehmen des Kreises Heinsberg, so Leonards, ist aus mehreren Werken zusammengewachsen und sehe seine Aufgabe darin, gutes Wasser zu vernünftigen Preisen zu liefern. „Die Wasserversorgung muss in öffentlicher Hand bleiben“, so das Credo von Leonards, „wir bieten nur an, reißen uns aber nicht um neue Kunden. Wir sind keine Drückerkolonne!“

In öffentlicher Hand, weil zu hundert Prozent ein kommunales Unternehmen, ist auch Enwor. Hier fließen Gewinne oder Überschüsse in die Kommunen der Städteregion Aachen, wie Geschäftsführer Herbert Pagel mitteilte. Zur Preisgestaltung erklärte er, dass Wasser aus Talsperren wegen der Aufbereitung und der Logistik (lange Wege) teurer sei als Brunnenwasser.

In der anschließenden Diskussion schälten sich drei Themenbereiche oder Sichtweisen heraus: Die eher wissenschaftliche Unterscheidung zwischen Brunnenwasser aus Schinveld und Talsperrenwasser aus der Eifel, praktisch-technische Fragen nach der Versorgungssicherheit sowie die Fragen der Endverbraucher zu Qualität und Preisgestaltung.

Im Bereich der wissenschaftlichen Fragen machte sich ein offensichtlich gut vorbereiteter pensionierter Geologe fast zum Co-Referenten. Er zweifelte die Aussagen zur Sicherheit des Schinvelder Brunnenwassers an, weil hier Deckschichten zum großen Teil in der Vergangenheit vom Bergbau abgebaut worden seien. Auch habe sich im Brunnengebiet, nämlich auf dem Awacs-Flugplatz in der Teverener Heide, in den 1980er-Jahren ein Unfall ereignet, bei dem große Mengen Kerosin ins Erdreich flossen. Weiterhin habe es im Grenzgebiet eine nach unten nicht abgedichtete Mülldeponie gegeben, und auch der Kiesabbau in der Teverener Heide habe Deckschichten zerstört.

Kerosin-Blase wird abgepumpt

Dem hielt Michael Leonards (Kreiswasserwerk) entgegen, dass die Deckschichten im Raum Gangelt zwar schlechter seien als die in Schinveld, dass es jedoch keine Beeinträchtigungen gebe, da sich Schadstoffe im Sickerwasser auch biologisch oder chemisch abbauten. Eine Untersuchung habe zudem keine Gefährdung durch die ehemalige Deponie ergeben. Zum Thema Kerosin-Unfall widersprach Feldhoff dem Geologen deutlich. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Verteidigungslasten werde seit Jahren die Kerosinblase durch Abpumpen verkleinert, eine Beeinträchtigung des Grundwassers sei nicht festgestellt worden.

Beim Fragenkomplex zu Versorgungssicherheit und Notfallbereitschaft waren die Antworten der Unternehmenssprecher fast identisch. Beide sahen keine Probleme bei der Versorgung auch bei eventuellen Rohrbrüchen, beide verfügten über einen funktionierenden Bereitschaftsdienst. Nicht ganz zufriedenstellend beantwortet wurden Fragen von Feuerwehrleuten, ob es bei ausreichendem Wasserdruck für alle Stadtteile bleibe, falls bei einem Zuschlag für das Kreiswasserwerk die Leitungen zwischen Herzogenrath und Übach-Palenberg mit einem Schieber verschlossen werden.

In der dritten Fragegruppe, die der Endverbraucher, gab es unter anderem Kritik an der Stadt und an Bürgermeister Jungnitsch, der ständig den Erhalt des Ü-Bades, das man ja auch abschaffen könne, als Beispiel für die Notwendigkeit zusätzlicher Einnahmen oder Einsparungen nenne. Darauf der Bürgermeister: „Mit meiner Stimme wird es keine Schließung des Ü-Bades geben.“

Ein anderer Bürger meinte: „Bei dem Wechsel setzt uns die Verwaltung die Pistole auf die Brust nach dem Motto: Friss oder stirb!“ Das wies der Bürgermeister mit dem Hinweis zurück, dass man neue Einnahmen brauche, weil die Sparmöglichkeiten ausgeschöpft seien. Falls es nicht gelinge, mit dem Wassererwerb eine Geldquelle zu erschließen, blieben nur Steuererhöhungen.

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