Geilenkirchen - Dreist: Schon fünfmal das Post-Lager ausgeräumt

Dreist: Schon fünfmal das Post-Lager ausgeräumt

Von: Jan Mönch
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Der Hinterhof der Post ist von den umliegenden Häusern aus gut einsehbar. Die Einbrecher hielt das aber nicht ab. Foto: Jan Mönch
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Früher war in der Bahnhofstraße auch eine Filiale der Post. Häuser gibt es auf der anderen Straßenseite nicht, dort verlaufen die Bahngleise. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Einbrecher zu sein, ist ein harter Job. Es gibt keine Gewerkschaft und keine Rentenversicherung, die Arbeitszeiten sind das Hinterletzte, und dann besteht ja immer die Gefahr, dass man sich früher oder später mit der Polizei auseinandersetzen muss. Dieses Berufsrisiko halten jene Kreise offenbar für besonders gering, wenn man in das Lager der Post am Geilenkirchener Bahnhof einbricht.

Nicht weniger als fünfmal ist das seit dem 17. September, also innerhalb von kaum mehr als zwei Monaten, geschehen, die Täter drangen in das Gebäude ein, wo dann fleißig die Pakete aufgerissen wurden. Eine schöne Bescherung – fehlen nur noch Geschenkpapier und Weihnachtsbaum.

Zum bislang letzten Einbruch kam es am frühen Sonntagmorgen, dieses Mal drangen die Täter durch das Rolltor ein. Die vorangegangenen vier Male hatten sie Fenster aufgehebelt. Der Rest lief wie immer: Ritsch, ratsch, wurden die Sendungen geöffnet und ihr Inhalt, sofern von Wert, mitgenommen. Dass Einbrecher den Kreis Heinsberg sowie das Grenzgebiet im Allgemeinen als ein lohnendes Revier entdeckt haben, darüber wurde in den vergangenen Monaten viel gesprochen.

Die Dreistigkeit, fünfmal das gleiche Ziel aufzusuchen, ist jedoch auch in diesem unerfreulichen Kontext verblüffend. Zusätzlich zu den fünf Einbrüchen in Geilenkirchen wurden noch je einmal eine Postfiliale in Erkelenz-Kückhoven und ein Lager der Post in Übach-Palenberg heimgesucht.

Mittlerweile hat die Polizei aber einen Fahndungserfolg zu verbuchen. Zwei Personen seien festgenommen worden, sagt Polizeisprecherin Angela Jansen. Nähere Angaben möchte sie, wie bei laufenden Ermittlungen üblich, nicht machen, um diese nicht zu gefährden. Der letzte Einbruch am vergangenen Sonntag allerdings geschah erst im Anschluss an die Festnahmen. Auch wenn man den Festgenommenen zumindest einen Teil der Taten nachweisen können sollte, gibt es also weitere Täter.

Die Serie macht der Polizei auch sonst einige Arbeit. Denn für jede aufgerissene Sendung muss aufwendig ermittelt werden, was sich darin befand. „Es ist eine Sisyphusarbeit“, sagt Angela Jansen. Der Gesamtschaden gehe längst in die Tausende. Man braucht kein Insider zu sein, um zu ahnen, dass in der anbrechenden Weihnachtszeit erst recht zahlreiche wertvolle Inhalte unterwegs sein dürften.

Bei der Polizei ist man ratlos, wieso nicht zumindest das Dauerziel in Geilenkirchen zwischenzeitlich adäquat gesichert wurde, sei es durch technische Vorrichtungen oder einen Sicherheitsdienst, schließlich geschehen die Einbrüche dort quasi mit Ansage. Warum also schützt die Post das Eigentum ihrer Kunden nicht in angemessener Weise?

Ein Sprecher der Deutschen Post in Düsseldorf will das so nicht stehen lassen. Wenn es zu Einbrüchen komme, würden immer bestimmte Maßnahmen getroffen. Nennen will er sie aber nicht, das hülfe ja den Einbrechern. Man könne aber versichert sein, dass die Post nicht tatenlos dabei zusehe, wenn sie bestohlen werde. So oder so: Gewirkt haben die Maßnahmen nachweislich nicht. Fünf Einbrüche innerhalb so kurzer Zeit seien außergewöhnlich, räumt der Sprecher ein. Pakete seien standardmäßig bis 500 Euro versichert, Päckchen allerdings nicht.

Zumindest spricht trotz allem nichts dagegen, seine Pakete weiterhin von Geilenkirchen aus zu verschicken. Denn an der Bahnhofstraße werden nur eingehende Sendungen gelagert, die tagsüber nicht zugestellt werden konnten, weil der Empfänger nicht zu Hause war. Sie liegen dann bis zum nächsten Tag in dem Lager.

Angesichts dieser Nutzung ist nicht davon auszugehen, dass allzu viele Sendungen dort zu finden sind. Dass die Einbrüche sich für die Täter offenbar trotzdem lohnen, ist vielleicht auch ein Phänomen des florierenden Online-Handels.

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