Doppelaufführung des Theatersstücks „Lysistrata” an St. Ursula

Von: a.s.
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Der Geschlechterstreit zieht s
Der Geschlechterstreit zieht sich bis in die ältesten Generationen hinein. Doch die Frauen wollen Frieden, auch wenn sie dafür zu drastischen Druckmethoden greifen müssen. Foto: Andrea Schever

Geilenkirchen. „Och mei, ist Frieden erst, kannst du mich immer haben”, sagt Myrrhine (Michelle Deckers) und lässt ihren Mann Kinesias (Isabel Hausmann) dann eiskalt stehen, nachdem sie zunächst schon Matratze, Decke und Kissen gemütlich ausgebreitet und ihn gehörig verführt hatte.

Doch Kinesias ist nicht der einzige Mann in Athen und Umgebung, der manch leidenschaftliche Ehepflicht von seiner Frau verweitgert bekommt. Denn die Frauen in Aristophanes Dreiakter „Lysistrata”, aufgeführt von der Theater-AG des St.-Ursula-Gymnasiums, haben sich verbündet: Sie sind so genervt davon, dass ihre Männer immer nur Krieg führen und ihre Frauen alleine zu Hause sitzen lassen, dass sie ihre Gatten einfach auf Liebes-Entzug setzen wollen.

Fehlende Leidenschaft

Unter der Leitung der Athenerin Lysistrata (Anna Kozikowski) versammelt sich die Führungsriege der griechischen Weiblichkeit, und der Schwur kommt zustande. Nach einigen Diskussionen erst, denn auch die Frauen sind nicht gerade glücklich über die Aussicht der fehlenden Leidenschaft.

Zudem übernehmen sie für diese Zeit die Finanzen der Stadt sowie - auch wenn ihnen das nicht von den Männern zugetraut wird - die Politik. Ob den Männern das zusagt? Nein, gar nicht. Und deshalb dauert es auch nicht sonderlich lange, bis die einst kampflustigen Männer ihre Unterhändler in die anderen Städte entsenden, um über Friedensschlüsse zu verhandeln. Dabei gehen sie alle jedoch sonderlich nach vorne gebeugt - ein seltsames Leiden, das scheinbar alle Männer gleichzeitig befallen hat - und bei den Frauen wie auch beim Publikum der Vorstellung für Belustigung sorgt.

Streit der Geschlechter

Dass ein über dieser Problematik aufgezogener Geschlechterstreit viel Potential für einmalige und zweideutige Witze hat, ist gegeben. Und dieser komödiantische Charakter wurde nicht zuletzt durch die (zeitnahe) Interpreation und Umsetzung der Theater-AG und ihrer Leiter Katrin Mader-Bleimann und Lars Krömeke noch unterstrichen. So kam die Athenerin Kalonike (Lea Königs) im „kleinen Schwarzen” auf die Bühne, Pamphile (Denise Keufen) aus Böotin im Dirndel und Myrrhine (Michelle Deckers) hatte einen österreichischen Akzent, dass fast jeder noch so einfache Satz mindestens für Kichern sorgte. Statt einer Pergamentrolle mit einem Orakelspruch kramte eine Dame stattdessen einen Tablet-PC aus der Handtasche, und statt eines guten Weines wurde ein Sangria-Eimer zum Schwur genutzt.

Vor Beginn des Stücks hieß der stellvertretende Schulleiter Bernward Coers die Gäste willkommen und sinnierte darüber, ob man diese Idee zur Änderung von Missständen auch auf die heutige Zeit mit ihrer Finanzkrise übertragen könne, um die stete Aktualität des mittlerweile 2400 Jahre alten Stückes vor Augen zu führen.

Viel freiwillige Arbeit

Die AG-Leiter Kartin Mader-Bleimann und Lars Krömeke lobten die rund 30 Schauspielerinnen und Schauspieler, die in sechs Szenen mit und mit über die Bühne zogen. Zu betonen sei dabei, dass die Jugendlichen trotz des großen Arbeits- und Zeitaufwands auf Grund des Abiturs nach nur zwölf Schuljahren immer noch freiwillig so viel Arbeit in die Theaterarbeit investierten. So sei es vor der Premiere nicht möglich gewesen, alle Schauspieler gleichzeitig auf die Bühne zu bekommen, da meist schulische Zeitverpflichtungen dies verhinderten. Ein besonderer Aspekt dieses Stücks sei zudem gewesen, dass bei dem Überschuss an weiblichen Schauspielern viele männliche Rollen mit Frauen besetzt, diese aber erst auf das typische Männerproblem des Stücks eingearbeitet werden mussten, damit sie ihre Rolle auch glaubwürdig herüberbrachten.

Zum letzten Mal dabei

Zum Abschluss des Abends dankte dann Anna Kozikowski im Namen der Spielerschaft noch allen Mitwirkenden über und hinter den Kulissen, darunter der Licht- und Tontechnik, der Maske, dem Bühnen- und Kulissenbau, den Souffleusen und natürlich der Spielleitung für ihre tatkräfigte Hilfe. Im Gegenzug ergriff dann noch einmal Katrin Mader-Bleimann das Wort und verabschiedete die Hauptdarstellerin Anna, da sie, nun im Abiturjahrgang, nach sechs Jahren das letzte Mal mit von der schauspielerischen Partie war.

So gingen gleich zwei Abenden, weil doppelte Aufführung, mit viel herzlichem Lachen und einer Warnung für alle Männer und einer Idee für alle Frauen zu Ende: Sollte es einmal einen ähnlichen Streit geben... Wie erst vor zwölf Jahren in Liberia, als Leymah Roberta Gbowee Aristophanes Idee realisierte.
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