Dokumentarfilm gegen das Vergessen gedreht

Von: Georg Schmitz
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Carolin Jörißen, Marvin Lüt
Carolin Jörißen, Marvin Lützenburg, Heiner Molz, Gerd Theißen, Alexander Paulus und Heinz Wolf (v.l.) haben sich mit der Geschichte der Juden in Geilenkirchen befasst und dies in einem Dokumentarfilm festgehalten. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Im Vorfeld des „Zuges der Erinnerung”, der im März einen Halt am Bahnhof Geilenkirchen eingelegt hatte, waren die Schulen aufgefordert, einen regionalen Bezug herzustellen. In einer Gruppe von Pädagogen reifte der Gedanke, einen Film über das Leben jüdischer Mitmenschen in Geilenkirchen zu drehen.

Federführend für das Berufskolleg Ernährung-Soziales-Technik (EST) gelang es Heiner Molz, das Projekt zu entwickeln. Er sprach Gerd Theißen (68) an, einen stadtbekannten Hobby-Filmer aus Geilenkirchen, der seit rund 60 Jahren mit der Kamera unterwegs ist und sein Handwerk beherrscht. Der gelernte Feinmechaniker erklärte sich bereit, den Film technisch zu realisieren, und zwar ehrenamtlich.

Dann holte Heiner Molz mit Carolin Jörißen aus Tüschenbroich, Alexander Paulus (Erkelenz-Kückhoven) und Marvin Lützenburg (Wegberg-Beeck) drei Schüler aus der Förderungs- und Integrationsklasse des Berufskollegs mit ins Boot. Die drei begleiteten Gerd Theißen und Heiner Molz zu den Orten, an denen einst jüdische Familien lebten. Bei den umfangreichen Recherchen über die Lebensumstände der ehemaligen jüdischen Mitbürger in Geilenkirchen fand das Team Unterstützung durch Heinz Wolf (74), der sich als einer der ersten Bürger und früh mit der Geschichte der Juden in der Stadt auseinandergesetzt hat.

So war Heinz Wolf bereits 1965 nach Israel gereist, um dort Kontakte zu knüpfen. Mit Karl-Heinz Nieren stieß ein weiterer kompetenter Kenner hinzu, der sich ebenfalls über Jahrzehnte viel Wissen um die Historie der Juden in Geilenkirchen angeeignet hat. Auch die Pädagogen Uwe Böken und Walter Scheufen von der Gesamtschule trugen zum Gelingen des Filmprojekts bei. Das Team unternahm umfangreiche Recherchen, im Internet wie auch im Stadtarchiv. Grundlagen waren die Adressenverzeichnisse aus den Jahren 1905 und 1935 sowie das umfangreiche Archiv von Hermann Wassen.

Der Geilenkirchener Buchhändler hat darin akribisch die Wohnorte der Juden in der Stadt aufgelistet und knüpfte auch lange nach dem Krieg noch Kontakte zu diesen Familien im Ausland. Genauso hält es Heinz Wolf, der heute noch mit aus Geilenkirchen stammenden jüdischen Familien in Verbindung steht. Mehrere Kinder dieser Familien haben inzwischen ihren Geburtsort oder die Heimat ihrer Eltern besucht; Heinz Wolf zeigte ihnen die Stadt.

Heiner Molz ist seit Jahren heimatkundlich interessiert und betätigt sich zudem als Stadtführer. Er hat einen dicken Ordner über die Jüdische Gemeinde zusammengestellt. Die Initiative gegen das Vergessen erarbeitet derzeit eine „Route der Erinnerung”, die Heiner Molz bei seinen Stadtführungen berücksichtigen möchte.

Inzwischen ist das Filmprojekt umgesetzt worden. In rund einmonatiger Arbeit ist ein rund zweistündiger Dokumentarfilm entstanden, dem es an Drehorten in der Stadt an der Wurm nicht mangelte. Hier war vor dem Zweiten Weltkrieg eine der größten jüdischen Gemeinden in der Region beheimatet. Der Dokumentarfilm trägt dazu bei, dass die Geilenkirchener Juden nicht in Vergessenheit geraten.

„Wir haben sehr viel gelernt und uns viele Eindrücke vom Leben der Juden in Geilenkirchen verschafft”, erzählen Carolin Jörißen, Marvin Lützenburg und Alexander Paulus. Die drei Schüler besuchten den jüdischen Friedhof, den Synagogenplatz, das Haus der Familie Dahl in Hünshoven, das Elternhaus von Anita-Lichtenstein in der Martin-Heyden-Straße, das Kriegerdenkmal in Bauchem und weitere Schauplätze jüdischer Geschichte.

Gerd Theißen hielt die Momente stets mit seiner Kamera fest. Unterwegs trafen die Filmemacher mehrere Zeitzeugen, die auch zu Wort kommen. Der Betrachter kann sich ein Bild von den Stätten machen, wo sich einst die Juden in friedlicher Nachbarschaft zu ihren deutschen Freunden zu Hause fühlten. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Nazi-Regime ihnen diese Heimat nahm.

Der Dokumentarfilm über das Leben der Juden in Geilenkirchen wird am 11. Januar um 19 Uhr im Berufskolleg EST der Öffentlichkeit vorgestellt.
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