Diskussion um tote Greifvögel im Kogenbroicher Revier

Von: Udo Stüßer
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Toter Greifvogel auch im Wurma
Toter Greifvogel auch im Wurmauenpark: Die Ordnungsamtsmitarbeiter Jürgen Jansen (links) und Wolfgang Robertz schließen eine Vergiftuntg nicht aus. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Immer wieder wurden im Jagdrevier Kogenbroich in den vergangenen Jahren in Fallen verstümmelte oder mit Schrot geschossene Greifvögel gefunden. Auch Greifvogelhorste wurden zerstört. Dagegen will der Verein „Gegen Haus- und Wildtiermord” in Kogenbroich energisch vorgehen.

Denn: „Jeder Jäger ist nach den Bestimmungen des Bundesjagdgesetzes zur Hege nicht nur der zum Abschuss freigegebenen Arten verpflichtet. Dazu gehört zweifellos auch der Schutz der bei vielen Jägern sehr unpopulären, ja sogar verhassten Greifvögel”, erklärt für den Verein deren Vorsitzende Gabriele Hesterkamp in einem Bürgerantrag, mit dem sich jetzt der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigte.

Alleine 2011 seien 16 tote vergiftete Greifvögel an einer Stelle direkt neben von Jägern ausgelegten Futterstellen gefunden worden. „Tagtäglich wurden diese Futterstellen von Jagdpächtern oder Aufsehern mit Futter bestückt. In fast allen Fällen wurde Strafanzeige erstattet, allerdings konnte bis jetzt noch kein Täter rechtskräftig verurteilt werden.”

Dem Kogenbroicher Verein gegen Haus- und Wildtiermord erscheint es völlig unverständlich, ja sogar unmöglich, „wie ein Jäger über Jahre hinweg anscheinend übersehen kann, das in seinem Jagdrevier direkt neben von ihm ausgelegten Futterstelen für Fasanen ständig lebensgefährliche Giftköder lagern und teilweise Greifvogelfallen aufgestellt wurden”. Noch nie seien im Kogenbroicher Revier tote Greifvögel bemerkt worden.

„Noch nie wurde von einem Jäger eine Anzeige gemacht.” Die aufgestellten Fallen bezweckten wie die Giftköder lediglich eine pure Vernichtung der Greifvögel durch Zerstückelung. Deshalb beantragt der Verein: „Den Jagdpächtern, die das Jagdrevier Kogenbroich gepachtet haben, wird in Zukunft kein städtisches Land mehr zur Jagdausübung verpachtet.”

Dieser Antrag wurde im Haupt- und Finanzausschuss rege diskutiert. Die Verwaltung hatte nämlich vorgeschlagen, dem Antrag des Vereins aufgrund der gesetzlichen Vorschriften nicht zu entsprechen. Die Stadt sei mit ihren Eigentumsflächen automatisch Mitglied in der Jagdgenossenschaft. Einer Mitgliedschaft könne sie sich nicht entziehen. Daher bestehe auch nicht die Möglichkeit, Eigentumsflächen aus einer jagdlichen Nutzung herauszunehmen. Da die Stadt als Jagdgenosse in der Genossenschaftsversammlung wie jeder andere Jagdgenosse abstimmen könne, unterliege sie auch den demokratischen Regeln des Mehrheitsprinzips. Über die Gesamtverpachtung werde durch mehrheitlichen Beschluss entschieden.

Sensibles Thema

„Die Stellungnahme der Verwaltung ist einleuchtend. Wenn ein Vergehen eines Jägers vorliegt, kostet das den Jagdschein. Wir sind auch gar nicht zuständig”, erklärte CDU-Fraktionschef Wilhelm-Josef Wolff. „Die Verwaltung macht es sich sehr einfach. Wir als Stadt haben ein Stimmrecht. Wir haben aber auch keinen Beleg dafür, dass der Pächter verantwortlich ist. Auch wir werden den Antrag ablehnen”, erklärte auch Christian Kravanja, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste.

Kurt Sybertz (SPD) dazu: „Es ist die Pflicht eines jeden Jagdpächters, dafür zu sorgen, dass in seinem Revier keine Tiere gequält oder verstümmelt werden. Der öffentliche Druck muss dahin gehen, dass die Jagdaufsicht in Frage gestellt wird.” Für Dr. Stephan Evertz (Grüne) handelt es sich um „ein sensibles Thema”. Denn: „Keiner kann beurteilen, was geschehen ist.”

Er traue der Jagdgenossenschaft zu, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Auch Bürgermeister Thomas Fiedler unterstrich, dass es sich um ein sensibles Thema handele: „Wir haben geprüft, wie wir Einfluss nehmen können. Bei der Jagdgenossenschaft Würm haben wir einen Stimmanteil von elf Prozent.” Nochmals meldete sich Wolff zu Wort: „Es geht doch nicht darum, einen Jagdpächter anzuprangern. Es geht um eine Straftat. Aber leider wird auch nicht jeder Einbrecher gefasst.”

Kritik äußerte DPD-Fraktionschef Horst-Eberhard Hoffmann: „Wir haben gehört, dass an den Versammlungen der Jagdgenossenschaften nie ein Vertreter der Stadt teilgenommen hat. Die Stadt sollte vertreten sein und ein offenes Wort sprechen.”

Dazu Kravanja: „Es gibt wichtigere Dinge in der Stadt als Jagdgenossenschaftsversammlungen. Da kann nicht immer ein Verwaltungsmitarbeiter dabei sein.” Hans-Josef Paulus (CDU) erklärte, jeder Jagdpächter habe Angst davor, dass so etwas in seinem Revier passiere. „Schließlich sind manche Reviere 500 bis 600 Hektar groß.” Und FDP-Fraktionschefin Toska Frohn meinte: „So etwas passiert nicht nur in Kogenbroich.”

Thomas Fiedler fasste die Problematik zusammen: Das Land nicht verpachten, sei rechtlich nicht möglich. „Rechtlich können wir nicht eingreifen, andererseits liegen Straftatbestände vor. Beide Aspekte muss man voneinander trennen.” Bei der anschließenden Abstimmung enthielt sich die SPD, die anderen Fraktionen lehnten den Bürgerantrag ab.
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