Diebe stehlen zwei Symbole des Friedens

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
Die Künstler Heinke Haberland
Die Künstler Heinke Haberland und Stefan Sous bei der feierlichen Übergabe mit einer ihrer bronzenen Schildkröten, die Dauerhaftigkeit und das ewige Aufeinanderzustreben an der historischen Rimburger Brücke symbolisieren sollten. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Bislang stießen Passanten an der historischen Rimburger Brücke auf zwei Hindernisse, die ein Durchfahren von Kraftfahrzeugen verhindern sollten: Bis Mitte 2009 waren dies einfache Betondreiecke, seit dem 5. Juli 2009 waren es zwei in Bronze gegossene Schildkröten. Seit der Nacht vom 14. auf den 15. August sind diese Symbole einer grenzüberschreitenden Annäherung spurlos verschwunden.

Weder die Stadt Übach-Palenberg noch die Partnergemeinde Landgraaf haben derzeit eine Spur, aber auch ein Verdacht liegt nicht vor. Lediglich Mutmaßungen sind zu hören. So geht beispielsweise Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch davon aus, dass der Diebstahl der beiden schweren Bronzeplastiken über die deutsche Seite vonstatten gegangen sein muss. „Es gibt Schleifspuren, die darauf hindeuten, dass die Skulpturen auf die deutsche Seite geschafft wurden”, erklärt Jungnitsch.

Bei einem Besuch vor Ort fallen sofort die leeren Stellen auf. Um eine Durchfahrt von Kraftfahrzeugen zu verhindern, stellte der Technische Betrieb aus Übach-Palenberg nachts beleuchtete Sperrbaken auf. Anwohner, so erfuhren wir vor Ort, haben von dem Diebstahl nichts bemerkt.

„Es war nichts zu hören und zu sehen”, gibt ein Nachbar von der niederländischen Seite an. Dabei müssen die Metalldiebe mit großer Gewalt und schwerem Gerät angerückt sein, sind sich alle einig. Die Anker der Kröten wurden entweder fein säuberlich auf Fahrbahnhöhe abgesägt oder einfach aus dem umliegenden Straßenpflaster gerissen.

Scheinbar schrecken Metalldiebe derzeit vor nichts zurück, ist der Tenor. Dabei waren die Schildkröten als Symbol gedacht. Eine auf der niederländischen, eine auf der deutschen Seite, standen sie sich Aug in Aug gegenüber. Erhaben wirkten sie, detailliert und so lebensecht, dass sie am ersten Tag an ihrem neuen Stammplatz sogar von einem Scherzkeks „gefüttert” wurden.

Was sie zu essen bekamen, konnte nicht mehr ermittelt werden. Doch was sie verkörpern sollten, war ganz klar. Sie sollen das Ewige, das Unsterbliche und den Frieden symbolisieren, und die langsamen Schritte aufeinander zu, gerade an dieser heute nicht mehr sichtbaren Grenze. „Dieses Überdauernde, dieses Zusammenleben beider Länder, darauf kommt es an”, meinte bei der feierlichen Übergabe der Kunstwerke auch Stefan Sous, der gemeinsam mit seiner Kollegin Heinke Haberland für Entwurf, Ausführung und Installation verantwortlich zeichnete.

Die beiden ausgebildeten Bildhauer hatten bereits im Jahr 2003 mit der Arbeit begonnen, gewannen 2006 den Preis des Gremiums „Brückenschlag” der „Euregionalen 2008”. Im Oktober 2008 folgte die gemeinschaftliche Entscheidung der politischen Gremien von Übach-Palenberg und Landgraaf, hier mit den Schildkröten die unsichtbar verlaufende Grenze zwischen den Ländern künstlerisch sichtbar zu machen. Damit wurde das Hauptziel des „Brückenschlags” auf der backsteinernen Brücke erfüllt.

Die damals vom Beigeordneten für Planen und Bauen der Stadt Übach-Palenberg, Volker Schlüter, und Landgraafs ehemaligem Bürgermeister Bert Janssen installierten Schilder ließen die Diebe übrigens unangetastet.

Das „Original” der beiden Schildkröten, die Vorlage, steht im Museum für Naturkunde in Berlin. Die Künstler Heinke Haberland und Stefan Sous entschlossen sich während der Arbeiten, die Patenschaft für das „Original” zu übernehmen.

Hier die Inschrift der beiden Schilder: Euregionale 2008, Grenzland Wurmtal Turtlebridge (Stefan Sous/Heinke Haberland). Diese Brücke über den Grenzfluss Wurm verbindet die Niederlande mit Deutschland.

Die Städte Landgraaf und Übach-Palenberg haben diese Schildkröten an beiden Enden der Brücke in Auftrag gegeben: als Markierungen eines Gegenübers, als Symbole der Dauerhaftigkeit und des Lebens, einander zugewandt, sich entgegenkommend in friedlicher und poetischer Mission.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert