Die Zukunft Bauchems fest im Blick

Von: Udo Stüßer
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Melanie Hafers-Weinberg will den Senioren in Bauchem ein selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung ermöglichen. Foto: Annika Wunsch

Geilenkirchen. Sie ist das neue Gesicht von Bauchem: Gemeinsam mit den hier lebenden Menschen will Melanie Hafers-Weinberg künftig etwas bewegen. Sie will einen Beitrag leisten, dass die Bauchemer Bürger Gemeinschaft erleben und auch im Alter so lange wie möglich selbstständig zu Hause leben und gut versorgt werden.

Die 37-Jährige will die Zukunft mitgestalten. Melanie Hafers-Weinberg ist die neue Quartiersentwicklerin in Bauchem. In vielen Stadtteilen ist ein lebenslanges Wohnen auch deshalb ein Problem, weil die Infrastruktur des Umfeldes nicht entsprechend ausgeprägt ist. So fehlen oftmals Netzwerke und Angebote für kleinere Dienstleistungen oder Bildungs- und Kulturangebote für die ältere Generation. Manchmal vermissen die Menschen auch einfach soziale Kontakte.

Aus diesem Grund fördert das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium in jedem Kreis ein Projekt, durch das ein Quartier aufgebaut wird. Aus dem Kreis Heinsberg sind drei Bewerbungen im Ministerium eingegangen, das Geilenkirchener Konzept hat in Düsseldorf überzeugt.

Bis Februar 2018 befristet

„Der Stadtteil Bauchem hat die unterschiedlichsten Sozialstrukturen. Es gibt Ein- und Mehrfamilienhäuser. Hier wohnen auch etliche Menschen, die Transferleistungen beziehen. Das spielte bei der Entscheidung eine Rolle“, erklärt Geilenkirchens Beigeordneter Herbert Brunen. Den Eigenanteil der Projektkosten hätte die Stadt nicht leisten können. Auf der Suche nach einem Mitstreiter fand sie schnell in der Franziskusheim gGmbH einen Kooperationspartner, der die in Burg Trips arbeitende Sozialwirtin Melanie Hafers-Weinberg für die Dauer des Projektes freistellte.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hat sie eher leise mit vorbereitenden Maßnahmen ihre Arbeit aufgenommen, hat den 6800 Einwohner zählenden Stadtteil Bauchem genauer unter die Lupe genommen und Gespräche mit Vereinen geführt. Nachdem sie erste Eindrücke gewonnen hat, geht sie jetzt ganz offensiv an die Öffentlichkeit. Damit ist nun der Startschuss für ihre eigentliche Arbeit gefallen. Bis zum 28. Februar 2018 ist das Projekt zunächst befristet. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf 158.000 Euro, die Förderung beträgt 98.000 Euro.

Es geht um Nachbarschaft

Zunächst will Melanie Hafers- Weinberg die Kontakte zu Vereinen, zur Gesamtschule und zu Kindergärten intensivieren, will sich in Geschäften und bei jeder sich bietenden Gelegenheit dem Bürger vorstellen. Dann will sie den Bedarf der in Bauchem lebenden Menschen ermitteln. „Es gibt in der Stadt 22 Friseure, aber keinen einzigen in Bauchem. Es gibt auch keinen Arzt und keine Apotheke hier“, klagt sie.

„Bei der Entwicklung von Quartieren geht es aber auch um Nachbarschaft und Nachbarschaftshilfe“, sagt Mario Ohnesorg, Haus- und Sozialdienstleiter der Franziskusheim gGmbH. Die Quartiersentwicklerin will Ansprechpartnerin sein, wenn die Seniorin ihren Rasen nicht mehr mähen kann und Hilfe benötigt oder der neu gegründete Skatclub eine Unterkunft benötigt. „Zunächst einmal müssen aber Ängste und Hemmschwellen bei den Bauchemern abgebaut werden“, erklärt Hermann-Josef Lehnen, stellvertretender Leiter des städtischen Jugend- und Sozialamtes.

Während Mario Ohnesorg darauf hinweist, „dass in Bauchem viele alte Menschen leben“, sagt Hanno Frenken, Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH: „Wir wollen in Bauchem ein Angebot für Jung und Alt schaffen. Das Herzstück des Quartiers wird das neue Sozialzentrum sein.“ Der Bebauungsplan für das Sozialzentrum wurde vom Stadtrat beschlossen. Im Spätherbst fällt der Startschuss zum ersten Bauabschnitt.

Arzt und Apotheker fehlen

Dort, wo sich derzeit die Josefhütte und der Parkplatz befinden, baut die Franziskusheim gGmbH eine Tagespflege und 18 etwa 50 Quadratmeter große rollstuhlgerechte Mietwohnungen. Der ambulante Pflegedienst, den die Franziskusheim gGmbH bereits am 1. April ins Leben ruft, wird nach Fertigstellung des ersten Bauabschnittes in das Sozialzentrum einziehen.

Hier wird auch ein Quartierstreff eingerichtet, der allen Menschen offen steht. In ihm werden täglich Frühstück, Mittag- und Abendessen angeboten, aber auch kulturelle Veranstaltungen sind geplant. Anfang 2018 soll der erste Bauabschnitt fertig sein. In einem anschließenden zweiten Bauabschnitt sollen 36 Eigentumswohnungen gebaut werden, 2019 sollen sie fertig sein.

Dort soll dann selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung ermöglicht werden. In den Wohnungen sollen Senioren wohnen, sich versorgen, Gemeinschaft erleben und sich beteiligen. Hanno Frenken hofft, einen Arzt und einen Apotheker für das Sozialzentrum gewinnen zu können. Dabei betont er: „Es geht uns um Kooperation. Wir wollen keinen Verdrängungswettbewerb. Wir werden keinen Bäcker und keinen Krankengymnasten hier unterbringen, weil es sie bereits in Bauchem gibt.“

Ohnesorg rechnet damit, dass man etwa fünf bis acht Jahre braucht, um ein Quartier aufzubauen. Deshalb hoffen er und Frenken, dass das Projekt auch über 2018 hinaus gefördert wird. Derweil freut sich Hafers-Weinberg auf ihre Arbeit. „Ich bin offen und arbeite gerne mit Menschen.“

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