Übach-Palenberg - Die Waschkaue alsTreffpunkt für Jung und Alt

Die Waschkaue alsTreffpunkt für Jung und Alt

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
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Unter der Decke weisen noch vereinzelt ein paar der früheren Kleidungsgondeln auf die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes als Waschkaue der Gewerkschaft Carolus Magnus hin. Foto: Markus Bienwald
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Awo-Kreisgeschäftsführer Andreas Wagner freut sich auf eine bessere Auslastung der Waschkaue in Übach-Palenberg. Foto: Markus Bienwald
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Spaß mit Musik der härteren Sorte gibt es immer beim jährlichen Benefizevent „Kelly’s Ride“.
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Komödiant Rüdiger Hoffmann war im Dezember 2006 der erste Stargast in der Waschkaue.
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„Geschmackvoll“ hieß eine der jüngsten Riesenveranstaltungen, sie zog mehr als 7500 Besucher an.
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Der „Tobetag“ macht inzwischen regelmäßig Halt in der Waschkaue.

Übach-Palenberg. Von einer Sternstunde der ehemaligen Waschkaue an der Carlstraße zu sprechen, wäre vielleicht zuviel gesagt. Dennoch erlebte das einstige Kauengebäude der früheren Steinkohlezeche Carolus Magnus mit dem Markt „Geschmackvoll“ einen selten verbuchten Run.

An zwei Veranstaltungstagen fanden rund 7500 Besucher den Weg dorthin, belebten aber nicht nur den Markt, sondern zeigten auch die Möglichkeiten auf, die in dieser riesigen Halle stecken. Genau das möchte natürlich auch der Kreisgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Andreas Wagner, erreichen. „Solche Veranstaltungen brauchen wir noch ein paar mehr“, sagt er, während er aus seinem Bürofenster im Verwaltungstrakt der Waschkaue schaut.

Dort blickt er auf ein wachsendes Unternehmen: Denn draußen vor der Tür wird gerade von Arbeitern auf dem früheren vorderen Parkplatz des Carolus-Magnus-Centrums (CMC) ein frisches Firmengebäude hochgezogen. Sollte das einmal fertig sein, wird nicht nur die Stadt sich über ein florierendes Unternehmen freuen, auch die Waschkaue wird dann wieder ein Stückchen weniger sichtbar sein.

Denn der Nachbar, das weltweit tätige Textilmaschinenbauunternehmen „Saurer.Schlafhorst“ hat durch seine Bautätigkeiten auf einem früher auch teilweise zur Waschkaue gehörenden Gelände unlängst für den baulichen Lückenschluss gesorgt. „Wir werden durch solche Bauten aber immer weniger sichtbar“, meint Andreas Wagner dazu.

Das war einmal ganz anders: Denn als Ende der 1990er-Jahre die Waschkaue und das damit gebäudlich verbundene CMC neben dem damals noch kleineren Betriebsgelände von Schlafhorst wie ein Solitär auf der damaligen Noch-Brache der früheren Gewerkschaft Carolus Magnus lagen, war die Waschkaue zwar ein leicht verwittertes, aber deutlich sichtbares Zeugnis der Bergbaugeschichte in der Stadt. Während aus dem CMC Anfang der 1990er-Jahre das heute noch florierende Technologie- und Gründerzentrum erwuchs, gab es für die leerstehende und beinahe dem Verfall preisgegebene Kaue keine Perspektive.

Drinnen fanden sich noch die Reste früherer Nutzung, denn die Kaue war nicht nur der Platz, wo sich die Kumpel gegenseitig den Buckel wuschen: Hier wurden auch zeitweise Tiefkühlprodukte weiterverarbeitet. Doch der Profit aus der Arbeit floss so gut wie nie in die Erhaltung des Gebäudes. Dafür sorgte erst die Awo als neuer Besitzer der Kaue.

„Wir haben uns des dahindümpelnden Baus angenommen und ein völlig neues Konzept gestrickt“, umschreibt es Andreas Wagner. Ideengeber war der frühere Awo-Geschäftsführer Dieter Meurer, Wagner hat das nicht immer leichte Erbe übernommen. Dass es nicht immer leicht sein konnte, zeigt schon der Blick auf die bloßen Zahlen: Bei einer Grundfläche von 2400 Quadratmetern gibt es einen kleineren Trakt mit 600 Quadratmetern für Schulungs-, Seminar- und Konferenzräume.

Hier gibt es ein reges Innenleben, junge Menschen mit beruflichem Orientierungsbedarf sind hier täglich zu sehen und arbeiten an ihrer Zukunft, dazu gibt es Sprach- und Integrationskurse. Am liebsten würde Andreas Wagner die ganze Waschkaue neu aufteilen und an Nutzer vermieten. Aber Fördergelder vom Land schieben da einen Riegel vor, so muss er immer wieder aufs Neue die rund 1800 Quadratmeter große Veranstaltungshalle mit Leben füllen, damit die Kaue nicht noch mehr vom Zukunfts- zum Zuschussprojekt wird.

Aber es hat sich gebessert, gibt Wagner zu, der mit seinen Mitarbeitern viel Arbeit investieren muss, um die Waschkaue nicht nur räumlich, sondern auch auf Veranstaltungskalendern sichtbar zu machen. „Es läuft, wir verzeichnen mehr Nachfrage“, schließt Wagner. Was ihn aber für die vorhandene Hallenkapazität reizen würde, wären mehr Messen und Ausstellungen.

So könnte die Waschkaue ein Aushängeschild für die Stadt werden, was sie ja beispielsweise schon beim alljährlichen Tobetag oder beim Benefizevent „Kelly’s Ride“ ist. „Daher wünsche ich mir eine Kooperation mit der Stadt Übach-Palenberg“, sagt Andreas Wagner zum Schluss. Dann könnte vielleicht auch ein Problem gelöst werden, mit dem die Kaue auch zu kämpfen hat. Denn die Awo als Veranstalter kann zwar die Halle vermieten, aber nicht die passenden Parkflächen für die Gäste zur Verfügung stellen.

Das sorgt schon mal während der Geschäftszeiten für problematische Zustände am nahen Magnus-Einkaufszentrum. Daran kann die Awo als Vermieter allerdings nichts ändern, denn der in den letzten Jahren immer weiter abgebaute Platz rund um CMC und Waschkaue, die einst wie auf der grünen Wiese standen, schiebt hier einen Riegel vor.

Aber vielleicht kann der Baukörper an sich ja schon ein Fingerzeig in Richtung einer künftigen Kooperation von Stadt und Awo sein. Denn die bereits 1911 errichtete Waschkaue ist statisch gesehen so etwas wie die breite Schulter für gewisse Teile des CMC, das erst Anfang der 1930er-Jahre fertiggestellt wurde.

Und auch bauhistorisch wäre es sicherlich wenig wünschenswert, wenn die – abgesehen vom Wasserturm – beiden letzten sichtbaren Teile des einstigen Zechenkomplexes eine Einheit bleiben würden. Auch wenn die Waschkaue in Bälde schon weit weniger sichtbar sein sollte.

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