Die Wartezeit am Bahnhof hat eine Gestalt

Von: Georg Schmitz
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„Wartezeit” ist die Skulptur
„Wartezeit” ist die Skulptur aus Corten-Stahl genannt, die vor dem Linderner Bahnhof von Bürgermeister Thomas Fiedler (l.) und Ortsvorsteher Raimund Tartler vor rund 30 Gästen enthüllt wurde. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Lindern. Zwei stilisierte Menschen auf einer Parkbank, der Mann in die Zeitung vertieft, die Frau lässig zu ihm rüber gebeugt. Das Paar hat jetzt in der Ausfahrt vom Park & Ride-Areal vor dem Bahnhof in Lindern auf Dauer einen Platz eingenommen.

Der Linderner Künstler Willi Arlt hat der Stadt und speziell seinem Heimatort ein Kunstwerk geschenkt, dass nun die vorher von Gestrüpp bewachsene Ecke ziert. Die Bürger erinnern sich noch an die in Bauausschuss und Rat der Stadt Geilenkirchen geführte kontroverse Diskussion über die Skulptur.

Nachdem sich Freunde des Linderner Künstlers bereit erklärt hatten bei der Bearbeitung der vorgesehenen Fläche mit anzupacken und die Kosten deshalb noch minimiert werden konnten, stimmte der Rat im April 2011 dem Kunstwerk zu.

Am Wochenende wurde die Parkbank aus Stahl mit den beiden abstrakten Menschen drauf enthüllt und der Öffentlichkeit übergeben. Ortsvorsteher Raimund Tartler war darüber genauso erfreut wie Bürgermeister Thomas Fiedler. Beide hatten sich schon bei den Sitzungen im Rathaus nachdrücklich für das Kunstwerk ausgesprochen. Thomas Fiedler stellte den Künstler vor: „Willi Arlt hat ein Werkverzeichnis in einer Vielfalt, die ihresgleichen sucht.” Beim Betrachten von aus Stahl geschaffenen Skulpturen stelle sich mittlerweile die Frage „Ist das nicht ein Arlt?” Einem so generösen Künstler sollte die Stadt mal eine Ausstellung im Haus Basten ermöglichen. „Meine Werke zeigen zumeist stilisierte Menschen, als Material verwende ich hauptsächlich Baustahl”, erzählt Willi Arlt. Für seine Skulptur vor dem Linderner Bahnhof habe er Corten-Stahl verwendet. „Das ist Stahl der anrostet, aber nicht durchrostet”, erklärt der Künstler.

Schnittpunkt für Menschen

Das zusammengeschweißte Paar nebst Bank hat auch als Ganzes ein Namen bekommen: „Wartezeit” nennt Willi Arlt seine Skulptur. „Hier nach Lindern kommen Menschen aus dem Umland, der Schnittpunkt war immer der Bahnhof, hier haben immer Reisende gesessen und gewartet”, nennt der Kunstschaffende den Grund für die Namensgebung. Zwei Wochen hat er im Metallbaubetrieb von Artur Coenen an dem „Geschenk für Lindern” gearbeitet. Über 50 Skulpturen aus Stahl, auch in Kombination mit Holz, hat Willi Arlt seit Beginn seiner Bildhauertätigkeit im Jahr 2004 bisher geschaffen.

Seine erste Stahlskulptur steht vor dem AWO-Gebäude in Rösrath bei Köln. Der gelernte Fernmeldetechniker hatte sich zuvor der Malerei hingegeben, und auch hier kam sein Fable für Metall zum Vorschein: Arlt fertigte Relief-Bilder, bei denen auch Eisenspäne Verwendung fanden. Mit Hilfe seiner Freunde hat Willi Arlt das Kunstwerk installiert und auch bei der Beseitigung des Grünstreifens und Gestrüpps mit angepackt. Die Pflasterarbeiten für den davor neu entstandenen Bürgersteig übernahm der Bauhof. „Wir können stolz auf einen Künstler wie Willi Arlt sein”, sagte Thomas Fiedler. „Das hier ist ein Moment, der mir sehr am Herzen liegt. Ich weiß nicht”, so der Bürgermeister abschließend, „ob es noch mal passiert, dass ein Künstler der Stadt Geilenkirchen ein Werk schenkt.”
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