Die „Villa Kunterbunt” setzt auf besonderes Konzept

Von: Stefan Schaum
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Macht Spaß und stärkt die Fi
Macht Spaß und stärkt die Finger: Mit einem kleinen Blasebalg müssen die Kinder Wattekugeln durch einen Parcours pusten. Foto: Stefan Schaum

Gangelt. Gerda Tholen-Mingers hat das schon oft gesehen: Kinder, die vielleicht nicht gleich umfallen, wenn sie mal auf einem Bein stehen sollen, die aber mächtig mit den Armen rudern müssen, um ihr Gleichgeweicht einigermaßen zu halten. Anderen fällt beim Malen immer wieder der Stift aus der Hand oder sie kippen beim Frühstück regelmäßig die Kakaotasse um.

„Es mangelt den Kindern mehr und mehr an den grundlegenden Bewegungsfertigkeiten”, sagt die Leiterin des Kindergartens „Villa Kunterbunt” in Gangelt-Stahe.

Man könnte auch sagen: Da wächst womöglich eine ganze Generation von Grobmotorikern heran. Schon möglich, dass das Fernsehen daran Schuld ist, das Internet oder die mobile Spielekonsole. Eben all die Dinge, mit denen man bequem viel Zeit verbringen kann, ohne sich groß zu bewegen. Welches Kind wirft denn heute noch seinen Schulranzen in die Ecke und rennt ins Freie, um dort auf Bäume zu klettern? Die Ursachenforschung ist jedoch nicht das Ding von Gerda Tholen-Mingers. Sie möchte vielmehr die Auswirkungen beheben und hat sich deshalb mit ihrer Kollegin Anita Franken fit gemacht in dem „Klipp und Klar”-Lernkonzept, das von Brigitte Haberda entwickelt worden ist.

„Kinder müssen animiert werden, sich mehr zu bewegen, sich gerne zu bewegen”, nennt Tholen-Mingers den Kern. Nicht bloß, weil das für den Körper gut ist. „Wer sich mehr bewegt, fördert auch seine Lernleistung”, nennt die Kita-Leiterin das, was auch Hirnforscher immer wieder betonen. An acht Wochenenden haben die Erzieherinnen theoretische Grundlagen erarbeitet und Bewegungsspiele geübt. Finanziert wurde die Fortbildung von der Gemeinde. Bürgermeister Bernhard Tholen liegt das Thema ebenfalls am Herzen. „Ich habe fünf Söhne - und von denen nimmt keiner gern mal einen Hammer zur Hand. Die handwerklichen Fähigkeiten haben sie nicht mehr so drauf.” Ganz anders der Papa.

„Wir sind als Kinder noch draußen rumgerannt und haben Baumhäuser gebaut”, sagt Tholen. Die Zeiten sind heute andere. Manche Eltern scheuen sich, ihr Kind barfuß über eine Wiese flitzen zu lassen - es könnte sich ja verletzen. Es sind solche fehlenden Dinge, die die Erzieherinnen nun quasi nachholen. Während der Turnstunden sind Bewegungsspiele jetzt fester Bestandteil. Mal schwingen die Kinder Stäbe mit langen Bändern, wie es auch Turnerinnen tun. So lässt sich die Koordination gut trainieren. Mal versuchen sie, ein Bällchen in einen Becher zu bugsieren, das darunter an einem Faden baumelt. So vernetzen sich Auge und Hand, die Feinmotorik wird gefördert.

Auch in den Gruppenräumen finden sich Bewegungsspiele, können die Kleinen mit Gummibändern hantieren, die sie in bestimmten Mustern um Hölzchen legen sollen. Die guten alten Spiele: Hüpfkästchen, Fangen, Gummitwist - das alles kommt jetzt wieder. Weil Bewegung eben das A und O ist, sagt Tholen-Mingers. Noch etwas gehört zum Konzept: viel zu trinken. Mindestens zwei Becher Wasser pro Tag. Das halten die Kinder selbst nach mit Symbol-Stickern an einer Pinwand. Aber der Durst kommt bei soviel Bewegung ohnehin ganz von allein.
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